Ausstellungstipps Mode in Augsburg, Cartoons in Amberg

In Augsburg fragt "Dressed for Success", welche Rolle Mode beim Erfolg spielt. Und das Luftmuseum Amberg zeigt auch online Cartoons und Karikaturen zum Thema Luft. Zwei Ausstellungen in Schwaben und Franken im Überblick.

Von: Peter Jungblut

Stand: 22.01.2021

Miniatur aus dem Kleidungsbüchlein von Matthias Schwarz zur Ausstellung "Dressed For Success" | Bild: Herzog-Anton-Ulrich-Museum Braunschweig. Nur für die Ausstellung Dressed for success

Mode in Augsburg

Christoph Emmendörffer ist eigentlich, wie er selbst sagt, ein "klassischer Büromensch, der sich hinter seinen Büchern versteckt", hat also nichts mit Mode am Hut, schon gar nicht mit der exklusiven Haute Couture. Trotzdem ist er im Augsburger Maximilianmuseum zuständig für die Ausstellung "Dressed for Success" über den modeverrückten Renaissance-Dandy Matthäus Schwarz. Im Hauptberuf arbeitete der Mann, man mag's kaum glauben, als Buchhalter für Jakob Fugger, war also weder Abenteurer, noch Draufgänger, sondern pflichtbewusster Kaufmann. Karrierebewusst war Schwarz allerdings schon, und als "fashion victim" seiner Zeit war ihm klar, dass er mit Klamotten Politik machen konnte. Zum Beispiel wählte er bei wichtigen öffentlichen Auftritten gern die Farben des jeweils tonangebenden Herrscherhauses und scheute sich erst recht nicht, die "corporate identity" der Fugger stilistisch auszuleben, also sich immer wieder mal in Gold und Blau zu zeigen.

Und weil Schwarz noch keine Selfies knipsen konnte, ließ er einfach welche zeichnen. So entstand sein "Kleidungsbüchlein", das etwa das Format eines heutigen Smartphones hat und jede Menge Outfits enthält, die der Mann seit seinem 23. Lebensjahr anschaffte. Das nötige Kleingeld dafür hatte er ja, er war damals einer der bestbezahlten Augsburger überhaupt. Es ist vergnüglich, die teils absurd aufwändigen "Looks" von Schwarz in der Online-Ausstellung des Maximilianmuseums anzusehen, und Kurator Christoph Emmendörfer verweist darauf, dass zum Beispiel zerfetzte Textilien wie die heutigen zerfetzten Jeans im "used look" keine Erfindung des 20. Jahrhunderts sind, sondern schon im 16. Jahrhundert Samt und Seide gern aufgerissen wurden, um dekorative oder auch erotische Durchblicke zu ermöglichen. In einem Punkt war die Renaissance allerdings deutlich strenger als die Gegenwart: Damals entschied der gesellschaftliche Stand darüber, welche Materialien erlaubt waren und welche nicht. Ein Bauer durfte also auch dann, wenn er finanziell potent war, nicht einfach im Pelz durch Augsburg stolzieren – da hätte der Stadtrat recht harsch auf die Rechtslage verwiesen.

Cartoons in Amberg

Wer die Mode als solche eher für Schall und Rauch hält, der ist gut beraten, wenn er sich beim Luftmuseum Amberg durch die aktuelle Cartoon-Schau klickt. Kuratorin Johanna Foitzik war selbst überrascht, was Zeichnern alles einfiel, als sie möglichst witzige Bilder über die Luft zu Papier bringen sollten: 200 dieser Illustrationen haben die Amberger zu einer Gute-Laune-Ausstellung zusammengestellt. Da hängt zum Beispiel bei einem Autofahrer ein Duftbaum am Rückspiegel, auf dem "Fischluft" statt "Frischluft" steht – der Mann hatte sich wohl im Regal vergriffen und muss jetzt damit olfaktorisch klarkommen. Ein Autoreifen liegt beim Psychotherapeuten auf der Couch und seufzt, dieser "wahnsinnige Druck" sei kaum noch auszuhalten. Am Strand bläst ein eher korpulenter Herr sein Schwimmtier auf: Ein monströser rosa Elefant, der allen anderen Respekt abverlangt – da hat zweifellos einer "den Größten".

Gerade in der Pandemie, wo die ganze Gesellschaft gerade mit dem "Luftholen" beschäftigt ist, buchstäblich eine "Atempause" einlegt, so Johanna Foitzik, sei die Ausstellung allemal ein Gewinn, und da ist ihr nur rechtzugeben. Es geht um Laubbläser und Luftgitarren, um Lufthoheit und Luftaufnahmen, um Windbeutel und Pustekuchen. Ob die Ausstellung vor Ort jemals eröffnet werden kann, sei dahingestellt, die Bilder hängen jedenfalls und den Katalog mit dem Titel "Luft? Sehr witzig!" kann sich jeder nach Hause liefern lassen. Dort ist dann nachzublättern, was sich ein Flugpassagier auf einem Mittelplatz zwischen zwei Übergewichtigen sehnlich wünscht: Luft!

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