#nofilter ARD retro macht Archivschätze dauerhaft verfügbar

Die Rundfunkanstalten der ARD öffnen unter dem Label ARD retro ihr Archiv aus der Zeit vor 1966. Eine Fundgrube nicht nur für Nostalgiker und Flohmarktgänger, sondern auch eine unterhaltsame visuelle Geschichtsstunde.

Von: Max Büch

Stand: 26.10.2020 | Archiv

Theater an der Zonengrenze | Bild: BR Archiv

Retro, vintage und shabby chic – magische Adjektive, um alten Kamellen einen neuen Glanz zu verleihen, besonders online. Alte Wanderschuhe zu verkaufen? Will niemand. Nicht geschenkt. Vintage Bergschuhe? Die Dinger sind nach einem Tag weg. Für den doppelten Preis.

Sind wir nicht alle ein bisschen retro?

Einen Trend kann man diese Vorliebe nicht mehr nennen. Der Durchbruch von Instragram war unübersehbar mit den Retro-Fotofiltern der Plattform verknüpft. Und das ist zehn Jahre her. Retro ist höchstens das Duracell-Häschen unter den Trends. Nicht totzukriegen.

Doch während Instagram die Gegenwart durch Retrofilter visuell in die Vergangenheit beamt, geben die Nostalgieversprechen wie retro und vintage alten Dingen wieder eine Gegenwärtigkeit. Aus alt mach retro – verbales Upcyling könnte man sagen. Marketing für einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen? Vielleicht hält sich das Retro deshalb so hartnäckig, weil es so gut in den Zeitgeist von Umweltbewegungen und -bewusstein passt und gleichzeitig ganz real (im Gegensatz zu Insta) die nostalgischen Bedürfnisse der Menschen befriedigt: Bei so viel Zukunft auf einmal wie in diesem Jahr wird die gute alte Zeit sowieso exponentiell besser.

Die Plattform ARD retro startet

Es ist also nur folgerichtig, dass die ARD heute, zum UNESCO Welttag des Audiovisuellen Erbes am 27. Oktober 2020, die Plattform ARD retro startet. Vor allem regionale und aktuelle Fernsehproduktionen aus der Zeit vor 1966 werden ab sofort in der ARD Mediathek unter diesem Laben zu finden sein. Die Videos sind zeitlich unbegrenzt verfügbar, lassen sich verlinken und in eigene Webseiten einbinden. Eine Fundgrube nicht nur für Nostalgiker und Flohmarktgänger, sondern auch eine unterhaltsame visuelle Geschichtsstunde.

"Bei ARD retro gibt es ein Wiedersehen mit der früheren Prominenz aus Politik, Kultur und Gesellschaft: Hier trifft man Helmut Schmidt, Konrad Adenauer, Hildegard Knef, Peter Alexander, Heinrich Böll, Günter Grass und viele andere in Interviews und Porträts ihrer Zeit", sagt dazu der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow.

Einblicke in das DDR-Fernsehen

Außerdem gibt das "Retro Spezial DDR" Einblicke in die Nachrichten- und Magazin-Beiträge des DDR-Fernsehens. Möglich wird das durch das Deutsche Rundfunkarchiv, eine Stiftung von ARD und Deutschlandradio, das die Bestände des DDR-Fernsehens weiterbetreut und nun mit den ARD-Rundfunkanstalten sein Archiv öffnet.

Mit diesem Schritt macht die ARD ein Stück deutsche Mediengeschichte frei zugänglich und gibt damit auch viele beitragsfinanzierte Inhalte sorgsam kuratiert an die Allgemeinheit zurück: Original vintage Retro-Content on demand. (#nofilter)