Architekt Hermann Kaufmann Wunderbau der Offenheit - Talstation der Nebelhornbahn Oberstdorf

Jeden ersten Samstag im Monat stellen wir in BR24 das Haus des Monats vor – im Dezember ist es die neue Talstation der Nebelhornbahn in Oberstdorf. Entworfen hat sie der österreichische Architekt Hermann Kaufmann, von 2002 bis 2021 Professor für Entwerfen und Holzbau an der Technischen Universität München. Für seine Verdienste vor allem um die Förderung des Holzbaus wurde er Anfang letzter Woche mit dem alle drei Jahre vergebenen "Bayerischen Staatspreis für Architektur" ausgezeichnet. Moritz Holfelder hat Hermann Kaufmann getroffen und sich mit über seinen neuen Holzbau im Allgäu unterhalten.

Von: Moritz Holfelder

Stand: 04.12.2021 | Archiv

Früher einmal waren die Talstationen von Gondelbahnen düstere raue Sichtbetonhallen, zugig und kalt, dazu schallend erfüllt vom Klacken und Rattern der Mechanik, Orte, die man froh war, schnell wieder verlassen zu können, sobald man die Kabine betreten hatte, die einen leicht schwankend nach oben entschweben ließ. Mit der Talstation, die Hermann Kaufmann für die Allgäuer Marktgemeinde Oberstdorf entwarf und baute, verhält es sich ganz anders. In ihr möchte man verweilen, erst die übernächste Gondel nehmen oder noch eine später, und diesen feinrippigen Bau studieren, der mit seiner gleichmäßigen Reihung von 39 Holzparabeln eine unwiderstehliche Leichtigkeit besitzt.

Filigrane Transparenz

In der Mathematik ist eine Parabel eine Kurve zweiter Ordnung, in der Architektur in diesem Fall ein nach oben gezogener oder gelängter Bogen. Die Staffelung der 39 Bögen entwickelt einen perspektivischen Sog. Der Clou aber ist: Die gesamte Konstruktion wurde mit gebogenen Elementen von Verbundsicherheitsglas umhüllt, wodurch ein transparenter Raum entstand, mit Zwischenräumen, durch die man hinaus- und hinaufschauen kann, in den Ort, auf den Berg und weit in den Himmel. Es ist ein Wunderbau der Offenheit.

Nachhaltiges Bauen mit Holz

Als Holzpapst wird Hermann Kaufmann von manchen Kollegen gerne bezeichnet. Den Bayerischen Architekturpreis hat er, so die Jury, für sein zukunftsweisendes Werk in diesem Bereich erhalten, auch weil er als Professor die Hochschullandschaft in Bayern über Jahre mit der unbeirrbaren Entschiedenheit für das Holz geprägt hat. In den Achtzigern, als er sein eigenes Büro für den Holzbau gründete, in der großen Zeit der Beton-, Stahl- und Glasarchitektur, galt er als ein Exot. Inzwischen, auch durch den Klimawandel, wird er als leuchtendes Beispiel für nachhaltiges Bauen gewürdigt. Holz hat als natürlicher Baustoff ungemein an Bedeutung gewonnen. So projektiert und baut Kaufmann sogar schon Hochhäuser aus Holz und hat gerade ein Holz-Parkhaus in Bad Aibling verwirklicht.

Zeichen für die Zukunft

Die neue Talstation der Nebelhornbahn wird in rund zwei Wochen erstmals in Betrieb gehen, sofern Corona und die Schneeverhältnisse es zulassen. So oder so setzt sie ein Zeichen für einen ökologischen Tourismus – und das gilt auch für die geschickt platzierten, ebenfalls neuen Verwaltungs- und Servicegebäude rund um die Talstation. Holz – das ist die Zukunft, wie Hermann Kaufmann sie sich wünscht.

Ein Beitrag mit Unterstützung der Bayerischen Architektenkammer - mehr aktuelle Infos zu Architektur & Baukultur hier auf der Website

Das "Haus des Monats" wird jeden ersten Samstag im Monat in BR24 im Radio vorgestellt.