25 Jahre Highflyer Bilder zum Tanzen – Videokunst in der Technoszene

Die Visuals in der Technoszene sind eine Kunstform für sich. Das Visual-Label Highflyer feierte am vergangenen Wochenende sein Jubiläum im Harry Klein. Die KulturBühne war im Livestream dabei. Den Mitschnitt gibt es hier.

Stand: 11.09.2020 15:25 Uhr

Visual von VJ Autopilot (Peter Becker) | Bild: Peter Becker

Mit dem Ultraschall, dem legendären Münchner Technoclub, ging es los. Peter Becker war vom ersten Tag an mit dabei, oder besser von der ersten Nacht an – nicht als DJ, sondern als Licht- und Videokünstler. Am Eröffnungsabend war es eine Licht- und Videoperformance, das erste richtige Set als VJ (Visual Jockey) hat er beim "What is Ambient 48 Stunden Festival" 1995 im Ultraschall gespielt: da mischte und komponierte er Videos live zur Musik. "Malen mit Licht und Film" nennt es Peter Becker, der mittlerweile an der LMU am Institut für Kunstpädagogik lehrt.

Seine internationale Reputation hatte sich der Ultraschall Club nicht nur wegen seines Bookings aufgebaut. Lichtinstallationen und Videokunst waren ein ebenso wichtiger Bestandteil des Ladens und des internationalen Renommees. Für den Chill-Out-Bereich gab es sogar das eigens produziertes "Highflyer Club TV" mit 50 Edition, die über sieben Jahre lang dort gezeigt wurden: Mitschnitte von VJ-Sets, Amiga-Animationen oder auch einfach mal Alltagsszenen aus Kuba – von einer Straßenecke gefilmt.

Die Kunstform der Visuals und mit ihr das Highflyer-Label mit Peter Becker haben München nachhaltig geprägt. In wenigen anderen Städten ist sind die Videoprojektionen nach wie vor ein fester Bestandteil der Clubszene und nicht überall werden VJs als Künstler*innen im Programm aufgeführt. "VJing ist ein Charakteristikum für München", ist Becker überzeugt. Das bekomme er immer wieder überregional und international gespiegelt. Das liegt mitunter auch daran, dass er das VJing seit 20 Jahren an seinem LMU-Institut integriert hat und es die Student*innen auch als Kurs belegen können.

Zum 25-jährigen Jubiläum von Highflyer gibt es nun einen besonderen Einblick in die Kunst der Visuals und einen Überblick über die Entwicklung der letzten 25 Jahre – vom Ultraschall bis heute. Im Livestream aus dem Harry Klein Club werden historische AV-Mitschnitte und aktuelle Interviews mit den Artists zu sehen sein. Anschließend gibt es Visuals-Sessions zu sehen mit den VJ-Künstlerinnen Proximal oder Sicovaja, neben den Initiatoren Peter Becker / VJ Autopilot, Daniel Botz / VJ Robotzki und Clubbetreiber Peter Süß. Als passende musikalische Untermalung gibt es DJ-Sets der Münchner Größen Acid Maria (female pressure/Ultraschall), Alma (Harry Klein) und DJ Upstart.

Das Besondere an den Visuals ist für Peter Becker vor allem die Vielseitigkeit. "Man kann das ganze Kunstprogramm anwenden beim VJing: Performance, Film, abstrakter Film." Und mit den ständigen technischen Neuerungen werde es auch nicht langweilig. Zurzeit beschäftigt er sich viel mit neuen UV-LED, die er mit Urban Art Murals kombiniert. VJing analog habe das neulich jemand genannt. "Es gibt also nicht so viel zurückzublicken, sondern sich immer neu zu erfinden."

Hier der Mitschnitt des Livestreams vom Wochenende: