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Wappentiere Warum sind Löwe, Adler oder Bär auf dem Wappen?

Früher waren Wappen eine Art Visitenkarte des Ritters. Heute haben noch viele Städte und Ländern ein Wappen. Fast jeder kennt den Bayerischen Löwen, den Berliner Bären oder den Deutschen Bundesadler. Aber die sind nur ein winzig kleiner Teil eines großen Wappentierdschungels. Wenn man mal die Wappen in anderen Ländern anschaut, findet man dort eher ungewöhnliche Tiere wie Papageien, Zebras, Pelikane oder Kängurus.

Von: Johannes Keller und Veronika Baum

Stand: 27.05.2019

Ärmelabzeichen an der Uniform eines Justizvollzugsbeamten. | Bild: BR/Sylvia Bentele

Das Wort "Wappen" bedeutete ursprünglich "Waffe". Im Mittelalter benutzen viele Ritter ihr Wappen, also ihr Schild, um sich zu schützen. Weil in dieser Zeit viele Menschen noch nicht lesen könnten, brachte man damals auf allen Dingen, die man besaß, sein Wappen an.

Dieser Kaltenberger Ritter ist durch eine Wand aus Schilden gut geschützt.

Ein Ritter, den man in seiner Rüstung mit heruntergelassenem Visier ja nicht erkennen könnte, zeigte mit dem Wappen auf seinem Schild, wer er war. Die Tiere, die auf Wappen abgebildet sind, haben meist eine besondere Bedeutung: Sie stehen für bestimmte Eigenschaften oder verraten etwas über den Namen oder die Herkunft des Ritters.

Der Marder - ein schlauer Kämpfer für Kroatien

Im kroatischen Wappen findet man beispielsweise einen Marder. Schon seltsam, wie kommt der denn auf das Wappen? Der knabbert doch immer an den Autokabeln rum und war früher als Eierdieb verrufen. In Kroatien nicht! Dort gilt der Marder als schlau. Er kämpft gegen Schlangen und ist für die Kroaten ein sehr positives Tier.

Die kroatische Tierliebe scheint groß zu sein: Neben dem Marder sind noch drei bekrönte goldene Leopardenköpfe und ein goldener Ziegenbock in der Wappenkrone zu sehen. Sie stehen für die historischen Landschaften Dalmatien, Istrien und Slawonien im Staatsgebiet Kroatiens.

Wie kam der Frosch ins Wappen von Dominica?

Noch ungewöhnlicher wird es im Inselstaat Dominica in der Karibik. Da hat es doch tatsächlich neben zwei Papageien auch ein Ochsenfrosch ins Wappen geschafft. Das hängt damit zusammen, dass Dominica, wie viele andere Länder auch, früher einmal zu Großbritannien gehört hat. Und in Großbritannien gab es eigene Beamte, die sich um die Wappen gekümmert haben. Die wollten örtliche Tiere und Pflanzen aus den jeweiligen Ländern in den Wappen haben. Und so schaffte es eben auch der Ochsenfrosch ins Wappen von Dominica.

Tierverbote gibt es übrigens keine. Jedes Tier darf auf ein Wappen und wahrscheinlich findet sich auch schon jedes Tier auf irgendeinem Wappen – von einigen Würmern und Käfern vielleicht mal abgesehen! 

Warum gibt es überhaupt Tiere im Wappen?

Das hat viele Gründe: Zum einen wollte man nicht nur Formen wie zum Beispiel Kreuze oder Berge auf einem Wappen haben. Da früher jeder, der etwas auf sich hielt, ein eigenes Wappen haben wollte, waren Tiere naheliegend und praktisch, denn Tiere gibt es reichlich und ein Tier auf dem Wappen macht etwas her.

Viele wollten auch ein sogenanntes redendes oder sprechendes Wappen haben. Das heißt natürlich nicht, dass das Wappen reden konnte. Es bedeutete, dass das Wappenbild schon einen Hinweis auf den Wappenträger gab. Ein Graf Eberhard, der hat sich vielleicht einen Eber aufs Wappen malen lassen, und Graf Wolfgang einen Wolf.

Manchmal wollte man durch die Tiere zeigen: "Ich hab ein mutiges Tier im Wappen, also bin ich selber mutig!" oder "Ich hab ein tapferes Tier auf dem Wappen, also bin ich selber tapfer" oder "Ich hab ein treues Tier auf dem Wappen, ich bin total treu."


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