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Wahlen in den USA Wie wird der Präsident der USA gewählt?

Joe Biden ist im November 2020 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden. Er bleibt für vier Jahre im Amt. Die Mehrheit der Amerikaner hat sich gegen Donald Trump, den Kandidaten der Republikaner, entschieden und dem Demokraten Biden ihre Stimme gegeben. Auch wenn Mitte November 2020 noch immer gezählt wird und kein amtliches Endergebnis feststeht, ist schon klar: Die Wahlbeteiligung war bei dieser US-Wahl besonders hoch - Joe Biden erhielt bislang mehr als 75 Millionen Wählerstimmen, Donald Trump mehr als 71 Millionen Stimmen.

Von: Tina Gentner und Veronika Baum

Stand: 13.11.2020

Karte USA | Bild: BR

Wahl auf Umwegen

Joe Biden, der "gewählte Präsident", und seine künftige Vizepräsidentin Kamala Harris.

Auch wenn Joe Biden als Sieger gefeiert wird: Bei der Wahl am 3. November 2020 ist der Präsident eigentlich noch nicht gewählt worden. Die Vereinigten Staaten von Amerika bestehen aus 50 Bundesstaaten. Bei den Wahlen Anfang November wurde lediglich in jedem US-Bundesstaat bestimmt, welche Partei ihre Wahlleute in das "Kollegium der Wahlmänner" entsenden darf. Erst diese Wahlmänner, die natürlich auch "Wahlfrauen" sein dürfen, stimmen am 14. Dezember 2020 darüber ab, wer der nächste US-Präsident wird. Damit unterscheidet sich die Präsidentenwahl in den USA sehr stark von den Wahlen, die wir hier in Deutschland haben. Das hat vor allen Dingen einen Grund: Die Gesetze, die vorschreiben, wie die US-Wahl auszusehen hat, sind schon über 200 Jahre alt. Und damals sah es in den USA noch ganz schön anders aus.

USA im 18. Jahrhundert

Als die Wahlgesetze 1789 gemacht wurden, gab es weder die Eisenbahn, noch Autos oder Telefon. Die Menschen reisten mit Pferdekutschen durch das Land und die Post musste ebenfalls per Pferdekurier versandt werden. Die USA sind ein riesiges Land und die Entfernungen von Stadt zu Stadt sind enorm. Um von der Ostküste an die Westküste zu gelangen, brauchte man damals Monate mit dem Pferd.

Warum wird immer am Dienstag gewählt?

Der Präsident der USA wird alle vier Jahre gewählt und zwar immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November. Der Monat November wurde für die Wahl ausgesucht, weil er vor allem den Bauern gut passte. Und als das Gesetz gemacht wurde, waren die allermeisten Amerikaner Bauern - oder Farmer - wie man dort sagt. Die Ernte war dann eingeholt und die Bauern hatten genügend Zeit, um wählen zu gehen. Außerdem liegt Anfang November in den meisten Staaten der USA noch kein Schnee, so dass die Leute die Reise zum Wahllokal zu Fuß oder mit ihren Pferdekutschen bewältigen konnten.

Wahltag war nie Gerichtstag

Im 18. und 19. Jahrhundert fanden am ersten Tag eines Monats immer die Prozesse bei Gericht statt. Damit Richter, Angeklagte, Anwälte und Zeugen auch zur Wahl gehen konnten, hat man sich diesen komplizierten Wahltermin überlegt, da er nie auf den Monatsersten fallen wird.

Weite Anreise zur Wahl

Der Dienstag war außerdem sehr praktisch als Wahltag, weil so die Menschen, die weit entfernt vom Wahllokal wohnten, genügend Zeit für die Anreise hatten: Der Sonntag galt nämlich damals als Ruhetag, an dem man nicht reisen sollte und so fuhren die Leute erst am Montag los. Also hatten alle Menschen mindestens einen ganzen Tag, um zum Wahllokal zu gelangen.

USA – Großes Land

Die USA sind ein riesiges Land: fast 27 mal so groß wie Deutschland. Und deshalb hat man sich vor über 200 Jahren allerhand sonderbare Gesetze einfallen lassen, um trotzdem eine gemeinsame Präsidentenwahl hinzukriegen. Dass manche dieser Gesetze veraltet sind, finden auch viele Amerikaner, aber es ist dennoch nicht einfach, sie zu verändern: Die Gesetze gehören zur sogenannten Verfassung der USA, in der die wichtigsten Grundsätze des Landes aufgeschrieben wurden. Wer diese Grundsätze verändern will, braucht eine große Mehrheit von Stimmen. Diese Mehrheit hatte bisher keine Partei und so konnte auch keines dieser Gesetze geändert werden.

Wahlmänner – Wieso gibt es die?

"Count every vote". Das heißt: "Jede Stimme zählt" und ist in einer Demokratie wichtig.

Die Amerikaner geben bei der Präsidentschaftswahl ihre Stimme nicht direkt dem Präsidenten, sondern sogenannten Wahlleuten. Diese Wahlmänner geben vor der Wahl bekannt, für welchen Kandidaten sie stimmen werden. Dementsprechend suchen sich die Wähler ihren Wahlmann aus. Meistens stimmen die Wahlmänner dann auch für den Kandidaten, zu dem sie sich bekannt haben. Wirklich dazu gezwungen sind sie allerdings nicht.

Die Idee der Wahlmänner ist in der Zeit des "Wilden Westens" entstanden: Damals im 18. Jahrhundert gab es weder Radio oder Fernsehen und nur selten eine Zeitung - die meisten Wähler hatten also von den Präsidentschaftskandidaten noch nie gehört oder gelesen. Woher sollte also ein Bauer in Kalifornien wissen, wie gut ein Kandidat aus Washington, was Tausende Kilometer entfernt ist, wirklich ist?

Da kam den Gesetzesmachern die Idee mit den Wahlmännern: Der Wahlmann muss die Kandidaten in irgendeiner Weise kennen. Gleichzeitig müssen die Wahlmänner aber auch bei den Wählern in ihrem Staat bekannt sein. Die Politiker hofften, die Menschen würden "ihren" Wahlmännern vertrauen, den "besseren" Kandidaten zu wählen.

Der Sieger bekommt alles

Jeder US-Bundesstaat bildet ein eigenes Wahlgebiet. Abhängig von der Zahl der Einwohner erhält ein Bundesstaat auch eine bestimmte Anzahl von Wahlmännern. Insgesamt sind es 538 Wahlmänner. In jedem Bundesstaat wird nach der Wahl gezählt, wie viele Stimmen die einzelnen Kandidaten bekommen haben. Dabei gilt in fast allen Bundesstaaten: Wer die Mehrheit der Stimmen bekommt, erhält auch die Stimmen aller Wahlmänner. Bei der Wahl 2020 gingen also entweder alle Stimmen eines Bundesstaates an Joe Biden oder Donald Trump.

Im Jahr 2016 hat das amerikanische Wahlsystem Donald Trump zum Sieg verholfen.

Dieses Prinzip, dass dem Sieger einfach alle Stimmen zugeschlagen werden ("The Winner Takes It All"-Prinzip oder "General Ticket"), hat schon zu seltsamen Situationen geführt. Im Jahr 2016 erhielt die erste weibliche US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton fast drei Millionen mehr Stimmen, aber nur 227 Wahlleute. Die Mehrheit der Amerikaner wollte also eigentlich Clinton statt Trump zur Präsidentin haben. Donald Trump hatte 2016 aber 304 Wahlleute zugeteilt bekommen. Auch im Jahr 2000 bekam der Demokrat Al Gore zwar genau 543.895 mehr Stimmen als der Republikaner George W. Bush: Die Wahl gewann aber George W. Bush, der nach der "Siegerregel" die Mehrheit der Wahlmännerstimmen - nämlich exakt 271 - auf sich vereinigen konnte.

Amtseinführung erst im nächsten Jahr

Der neue Präsident Joe Biden wird übrigens erst im nächsten Jahr offiziell in sein Amt eingeführt: Am 20. Januar 2021 legen der künftige Präsident und seine Vizepräsidentin den Amtseid vor dem Kapitol in Washington ab.


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