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klaro-Thema: Plastik Forscher warnen vor Plastik im Biomüll

Eigentlich gelten Kompost und Dünger für Pflanzen aus Biomüll als gut für die Umwelt, weil sie ganz natürlich ohne Chemie und künstlichen Stoffe sind. Forscher der Universität Bayreuth haben jetzt aber herausgefunden, dass Biodünger große Mengen Plastik enthalten kann – nämlich bis zu 900 Teilchen pro Kilo. Schuld daran sind auch die Menschen, die Plastik in die Biotonne werfen.

Von: Susanna Gruber

Stand: 11.04.2018

Zeichnung von Hannah der Volkschule Oberthulba | Bild: BR

Die Wissenschaftler haben noch nicht ganz fertigen Biodünger untersucht. Besonders viele Plastikteilchen fanden sie in Dünger von Anlagen, die Bioabfälle aus Industrie und Handel verarbeiten, aber auch in Anlagen, die Garten- und Bioabfälle von Haushalten verwenden. 

Falsche Entsorgung in Biotonnen

Die Forscher finden, zum einen müssen die Firmen und Betreiber der Anlagen dafür sorgen, dass Kunststoffe nicht im Biomüll landen. Aber auch die Menschen zuhause müssen den Müll besser trennen, sagen sie. Denn in Abfällen aus privaten Haushalten fanden sie beispielsweise Plastikfolien von Verpackungen für Lebensmittel. Tüten, Beutel oder Schachteln aus Kunststoff haben jedoch nichts in den Biotonnen verloren - etwa die vergammelte Gurke, die noch in ihrer Schutzfolie steckt, oder die Tüte, in der die Kompost-Abfälle stecken. Übrigens gilt das auch für Metalle oder Glas. Wenn wir weiter Kunststoff in die Biomülltonne stecken, könnte Mikroplastik, also winzig kleine Plastikteilchen letztendlich über den Dünger auf unseren Äckern landen.

Mikroplastik gilt als Transportmittel für Krankheitserreger. So können kleine Teilchen auf der Wasseroberfläche der Meere Krankheiten verbreiten. Forscher gehen außerdem davon aus, dass der Kunststoff am Ende in der Nahrung landet und für Menschen und Tiere schädlich ist.

Weißt Du, wie man Müll richtig trennt?

Wie Mikroplastik durch Biodünger in die Umwelt gelangt, berichten Christian Laforsch und seine Kollegen im Fachjournal "Science Advances". Die Studie der Gruppe ist eine der ersten, die Mikroplastik in trockenen Materialien nicht nur nachgewiesen, sondern auch gezählt hat. Bisher konzentrierten sich Forscher auf kleinste Plastikteile in den Ozeanen. 

Kunstoff kann über 100 Jahre im Boden bleiben

Plastik kann die Umwelt belasten: Wenn Kunststoffe in Böden oder Gewässer gelangen, bleiben sie dort meistens sehr lange erhalten. Forscher haben herausgefunden, dass Plastik mehr als 100 Jahre im Boden überdauern kann.

Biomüllkontrollen im Landkreis Günzburg

Im Landkreis Günzburg kontrollieren Mitarbeiter vom Abfallwirtschaftsbetrieb seit März, ob die Biotonnen richtig befüllt werden. Finden sie zum Beispiel Plastik, wird ein Foto gemacht. Die "Müllsünder" bekommen ein Infoblatt in den Briefkasten geworfen, die Biotonne einen gelben Aufkleber, auf dem „Leider falsch befüllt“ steht. Wenn noch einmal etwas Falsches in der Tonne landet, bekommt sie einen roten Aufkleber und wird nicht mehr geleert.


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