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Walfang Japan geht wieder auf Walfang

Seit dem 1. Juli 2019 fahren japanische Fangschiffe wieder auf das Meer, um Jagd auf Zwergwale zu machen. Es gibt verschiedene Arten von Zwergwalen, aber wirklich klein sind sie alle nicht. Nur im Vergleich zu ihren großen Verwandten, den Blauwalen, wirken sie winzig. Die Zwergwale, die von den Walfängern getötet werden, sind etwa sieben Meter lang und wiegen mehrere Tonnen.

Von: Bernhard Schulz

Stand: 01.07.2019

Ein Abkommen soll die Wale schützen

Im Norden von Japan liegt der Hafen Kushiro. Von dort fahren die Walfangschiffe auf das Meer, um Zwergwale zu jagen.

Eigentlich ist die Jagd auf Wale verboten. Es gibt ein internationales Abkommen, das den Walfang verbietet. Die Internationale Walfang Kommission (IWC) überwacht dieses Abkommen. Allerdings ist Japan vor einem halben Jahr aus diesem Vertrag ausgestiegen und somit nicht mehr daran gebunden. Mit dem Beginn der Fangsaison sind deswegen die Walfangschiffe unterwegs.


Allerdings sollen die Walfänger nur in den Meeren rund um Japan Wale erlegen und nicht wie früher, auch in den Meeren der Arktis und Antarktis.

Walfang hat Tradition in Japan

Ein getöteter Wal wird in einer Halle am Hafen vermessen, bevor sein Fleisch verkauft wird.

Japan hat auch in den vergangenen Jahren schon Wale gejagt, aber damals wurde eine Ausnahmeregelung des Walfangverbotes genutzt: die Jagd aus "wissenschaftlichen Gründen". Allerdings war immer schon vermutet worden, dass die Jagd aus "wissenschaftlichen Gründen" nur eine Ausrede war, um Wale fangen zu können.
Mit dem Austritt aus dem Walfangabkommen hat Japan nun ganz offiziell zugegeben, dass es nicht um Forschung geht, sondern um den Verkauf von Walfleisch und anderen Produkten, die aus den Walen gewonnen werden, zum Beispiel Waltran, ein natürliches Öl.

Japan ist nicht das einzige Land, das Walfang betreibt

Es gibt verschiedene Arten von Zwergwalen, sie sind sich aber alle recht ähnlich. Hier ein "Südlicher Minkwal" beim Abtauchen.

Das "Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs" verbietet allen Staaten, die den Vertrag unterschrieben haben, Wale zu jagen. Allerdings gibt es mehrere Ausnahmen, nicht nur die "wissenschaftlichen Gründe". So ist es etwa den Inuit auf Grönland erlaubt, jedes Jahr Kleinwale zu fangen. Das Gleiche gilt für die Makah Indianer in Nordamerika und einige andere Völker, die nur sehr wenige Wale zum reinen Eigenverbrauch fangen dürfen. Norwegen und Island dagegen sind Staaten, die wie Japan gegen das Walfangverbot sind und sich auch an das Verbot nicht halten.

Warum werden Wale gejagt?

Ein toter Zwergwal wird am Hafen entladen.

Völker wie die Inuit auf Grönland, die Makah in den USA oder auch die Bewohner der Färöer-Inseln in der Nordsee haben schon immer Wale gejagt, weil sie deren Tran und Fleisch zum Überleben brauchten. Das Tranöl verwendeten sie für ihre Öl-Lampen und das nahrhafte Fleisch wurde gegessen. Für die großen und modernen Staaten Norwegen, Island und Japan gilt das nicht. Niemand dort braucht Walfleisch, und Tranöl für Lampen ist ohnehin überflüssig geworden: Öllampen werden heutzutage gar nicht mehr gebraucht. Island hat als Grund für seinen Walfang angegeben, dass Wale zu viele Fische fressen würden und das schlecht für die isländischen Fischer wäre. Allerdings ist das eine fragwürdige Begründung, denn der Finnwal, eine der von Island gejagten Walarten, ist ein Bartenwal, er frisst also höchstens ganz kleine Fische und ansonsten winzige Krebschen. Japan hat einen anderen Grund für den Walfang. Es geht nicht darum, Wale fangen zu müssen, sondern es geht darum, sich den Walfang nicht verbieten zu lassen. Die japanische Regierung besteht darauf, dass Japan das Recht auf Walfang hat und sich das von niemanden verbieten lässt.

Meerestiere sind in Japan Grundnahrungsmittel

Walfleisch kann in Japan ganz normal gekauft werden. Allerdings ist es, besonders bei den jüngeren Menschen, nicht besonders beliebt.

Japaner ernähren sich sehr viel von Fischen und anderen Meerestieren. Die Fischerei ist also sehr wichtig und der Walfang gilt als Teil der Fischerei. Ein Verbot würde von vielen Japanern als Bevormundung verstanden werden, als Eingriff in ihre angestammten Gewohnheiten. Das wollen sich viele Menschen in Japan nicht gefallen lassen, obwohl sie die getöteten Wale gar nicht brauchen.

Walfang ist teuer

Walfleisch, japanisch angerichtet, schmeckt nicht jedem.

Obwohl Japan wieder auf Walfang geht, ist nicht sicher, ob das auch in Zukunft so sein wird. Denn Walfang ist extrem teuer und nur wenige Japaner essen Walfleisch. Das bedeutet, dass Walfleisch zwar gekauft werden kann, aber es wird sehr teuer sein, weil die Jagd so viel Geld gekostet hat. Wahrscheinlich werden nur wenige Japaner Walfleisch kaufen und das könnte dazu führen, dass Japan schon bald freiwillig auf den Walfang verzichtet. Auch Island hat einige Jahre darauf verzichtet, Finnwale zu fangen, weil sich die Jagd einfach nicht gelohnt hat, sie war zu teuer. Allerdings wollen auch die Isländer dieses Jahr wieder auf Finnwaljagd gehen.

Moby Dick

Der Roman "Moby Dick" oder "Der Wal" von Herman Melville beschreibt die tödliche Jagd auf einen riesigen, weißen Pottwal.

Vor 150 Jahren gingen riesige Segelschiffe auf Waljagd. Sie hatten es nicht auf Zwergwale abgesehen, sondern auf die großen Wale, wie den Pottwal. Davon handelt der Roman "Moby-Dick" des amerikanischen Schriftstellers Herman Melville. Dieses berühmte und spannende Buch erzählt die Geschichte eines alten, weißen Pottwals, Moby Dick, der von einem verrückten, alten Kapitän gejagt wird. Allerdings zerstört Moby Dick das Schiff und nur der Matrose Ismael überlebt den Kampf mit dem Wal.


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