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klaro-Thema: Mode Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist gestorben

Dunkle Sonnenbrille, weiß gepuderte Haare zum Pferdeschwanz gebunden und schwarz-weiße hochgeschlossene Kleidung waren seine Markenzeichen - fast schon eine Maske: Nun ist der weltberühmte Modeschöpfer Karl Lagerfeld in Paris gestorben. Er wurde 85 Jahre alt.

Von: Simone Wichert

Stand: 22.02.2019

Karl Lagerfeld | Bild: picture-alliance/dpa

Vorahnungen, dass es Karl Lagerfeld nicht gut gehen könnte, gab es bereits, als er bei einer seiner Modeschauen im Januar 2019 nicht persönlich auftrat, sondern sich mit Unwohlsein entschuldigen ließ. Das hatte es in den über sechzig Jahren, die er in der Modewelt arbeitete, noch nie gegeben.

Karl Lagerfeld wurde 1933 in Hamburg geboren. Seine Eltern waren wohlhabend: Er war der Sohn von Kondensmilchfabrikant Karl Otto Lagerfeld und seiner Frau Elisabeth und wuchs dreisprachig auf: Schon als Kind sprach er deutsch, englisch und französisch. Und schon als 6-Jähriger wusste er genau, was er wollte: Er war sich sicher, berühmt zu werden. Er habe sich schon immer für Kleider interessiert, sagte er später, nur nicht gewusst, dass man das "Mode" nenne. Und er wollte weg aus seiner Heimatstadt Hamburg, sie war ihm "zu klein". Er war fasziniert von Frankreich und von allem, was französisch war. Und so zog er Mitte der 1950er nach Paris.

Früher Ruhm

Noch als Schüler gewann er einen Wettbewerb mit dem Design eines Mantels und durfte danach als sogenannter "Modellist" für Pierre Balmain wie auch für Jean Patou arbeiten; beide waren damals berühmte Modeschöpfer. Mitte der 1960er Jahre wurde er künstlerischer Leiter beim Modehaus Chloé, zugleich entwarf er aber auch Mode für Fendi und all diese Häuser führte er zu großem Erfolg. Erst im Jahr 1974 gründete er zusätzlich sein eigenes Unternehmen. Mitte der 1980er Jahre stieg er noch dazu bei Chanel ein.

"Karl, der Große"

Coco Chanel, Gründerin des Modehauses Chanel.

Vor allem dies begründete seinen Weltruhm: Das Modehaus Chanel - von Coco Chanel im Jahr 1913 gegründet und berühmt durchs Chanelkostüm, den "Anzug für die Dame"- war inzwischen in die Jahre gekommen und galt als etwas angestaubt. Karl Lagerfeld brachte mit seinen ungewöhnlichen und verrückten Designideen frischen Wind ins Haus, zog damit jüngere Käufer an und machte die Marke Chanel wieder bedeutend. Und so bekam "Karl, der Große", wie er inzwischen genannt wurde, bei Chanel einen Vertrag auf Lebenszeit.

Am 19. Februar 2019 starb Karl Lagerfeld vermutlich im Alter von 85 Jahren, das ist zumindest das Alter, das Chanel in der Mitteilung über seinen Tod angab. Er selbst machte um sein wirkliches Alter immer ein Geheimnis.

Markige Sprüche und Ansichten

Karl Lagerfeld hinerlässt ein geschätztes Vermögen von 400 Millionen Euro und mehrere Häuser und Wohnungen auf der ganzen Welt; er soll jedes Jahr rund 40 Millionen Euro verdient haben. Von ihm bleiben nicht nur viele wundervolle Kreationen, sondern auch Aussprüche, die fast ebenso berühmt geworden sind, denn ein Blatt vor den Mund hat er nie genommen. Hier sind einige davon:

"Meine Mutter hat versucht, mich für das Klavierspiel zu begeistern. Eines Tages klappte sie den Klavierdeckel auf meinen Fingern zu und meinte: 'Zeichne lieber, das macht weniger Lärm'."

"Am Fließband stehen, das ist Arbeit. Was ich mache, ist Freizeitgestaltung mit beruflichem Hintergrund."

"Das Rauskommen nach einer Schau ist eine gute Disziplin für mich. Denn ich muss aufpassen, dass ich nicht aussehe wie ein alter Gartenzwerg zwischen all diesen 20-Jährigen."

"Ich gehe nicht mehr in die Sonne. Schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich will nicht aussehen wie eine alte Schildkröte."

"Jogginghosen sind das Zeichen einer Niederlage. Man hat die Kontrolle über sein Leben verloren und dann geht man eben in Jogginghosen auf die Straße."

Übrigens: Einige Jahre später widerlegte er sich selbst - und schickte Models in selbst designten Jogginghosen über den Laufsteg. Begnadigung für die Jogginghose also von Karl, dem Großen.


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