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radioMikro-Kinderbuch-Tipp Im Gefängnis (Thomas Engelhardt, Monika Osberghaus)

Ins Gefängnis kommt man nicht so leicht, erst recht nicht als Kind. Es ist ein Ort, von dem jeder weiß, dass es ihn gibt, den aber fast keiner kennt. Dabei arbeiten viele Menschen dort. Noch mehr Menschen verbringen Jahre ihres Lebens im Gefängnis: Papas, Mamas, Onkel und große Brüder. In Deutschland gibt es rund 100.000 Kinder und Jugendliche, von denen ein Elternteil hinter Gittern sitzt. Ihnen geht es wie Sina. Ihre Geschichte erzählt das Buch "Im Gefängnis".

Von: Mirjam Uhrich und Simone Wichert

Stand: 15.03.2018

Buchtipp: Thomas Engelhardt, Monika Osberghaus ("Im Gefängnis") | Bild: Cover: Klett Kinderbuch Verlag; Montage BR

"Heute muss Papa ins Gefängnis. Vorhin sind sie losgefahren. Ich wollte so gerne mit, aber das wollten sie nicht. Es ist doch so schon schwer genug, mein Mädchen, hat Papa gesagt und mich zum tausendsten Mal ganz fest umarmt."

Aus: Im Gefängnis

Sina fällt der Abschied von ihrem Papa furchtbar schwer. Sie ist acht Jahre alt. Wenn ihr Papa wieder aus dem Gefängnis kommt, wird sie elf sein. Das ist eine Ewigkeit. Der Papa war doch noch nie länger als ein paar Tage weg. Wenn Sina an das Gefängnis denkt, hat sie ein ganz blödes Gefühl im Bauch. Überall hohe Mauern, Stacheldraht, verschlossene Türen und klirrende Schlüssel.

Hinter einer dieser Türen sitzt jetzt Sinas Papa Robert. Er hat eine Tankstelle überfallen und muss dafür drei Jahre ins Gefängnis. Andere sind dort, weil sie etwas Wertvolles geklaut oder einen Menschen schwer verletzt haben. Sina kann sich gar nicht vorstellen, wie es ihrem Papa jetzt geht. Deshalb gibt es nun dieses Buch. Für Kinder wie Sina und für alle anderen, die schon immer mal einen Blick hinter Gitter werfen wollten. Darin wird ganz genau erklärt, was im Gefängnis passiert.

"Im Haftraum gibt es nur das Nötigste: ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl, einen schmalen Schrank, ein Regal, eine Toilette und ein Waschbecken. Robert durfte ein paar persönliche Sachen mitbringen, um seine Zelle ein bisschen gemütlicher zu machen. Im Regal stehen ein paar Bücher, die er lesen möchte. An seinem ersten Abend allein in der Zelle hat Robert aber kein Buch gelesen. Er lag auf seinem Bett und starrte die Bilder seiner Familie an."

Aus: Im Gefängnis

Infos zum Buch:

Im Gefängnis. Ein Kinderbuch über das Leben hinter Gittern
Thomas Engelhardt und Monika Osberghaus
Klett Kinderbuchverlag
Ab acht Jahren

Die ersten Tage im Gefängnis sind schwer für Robert. Er kann sich nicht frei bewegen. Andere bestimmen, was er tut und wann er es tut. Jeden Morgen pünktlich um 7.15 Uhr wird er zu seinem Arbeitsplatz in die Gefängnisküche gebracht. Sinas Papa kocht gern für die anderen Gefangenen. Auch wenn sein Stundenlohn gerade mal für zwei Tafeln Schokolade reicht. Aber zumindest muss er nicht den ganzen Tag in seiner Zelle sitzen. Dort ist es furchtbar einsam.

Auch Sina ist jetzt oft allein, so ganz ohne Papa. Ihre Mama muss mehr arbeiten als früher. Sie ist dauernd müde und meckert viel. Sina weiß dann gar nicht mehr, wohin mit sich. Sich an Papa kuscheln geht nicht. Sie kann ihn ja noch nicht mal anrufen.

So gefällt uns das Buch:

Ganz schön traurig, die Geschichte von Sina und ihrem Papa. Deshalb ist es gut, wenn ihr das Buch zusammen mit euren Eltern oder Oma und Opa lest. Dann könnt ihr mit ihnen darüber reden. Obwohl das Thema so schwierig ist, macht das Buch Mut. Auf jeder Seite steht ganz unten, wie lange es noch dauert, bis Sinas Papa frei kommt. Wenn man umblättert, sind schon wieder ein paar Tage vergangen. Bis es endlich soweit ist, darf Sina ihren Papa im Gefängnis besuchen. Im Buch ist sogar ein Bild von Sinas Besuch. So kann sich jeder vorstellen, wie es in einem Gefängnis ausschaut. Überhaupt gibt es viele bunte Zeichnungen: von den Leuten, die im Gefängnis arbeiten, von all den Dingen, die man dorthin mitnehmen darf oder die verboten sind. So mischen sich die Sachbuchthemen mit der Erzählung von Sina und ihrem Papa.


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