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klaro-Thema: Umwelt Polizisten räumen Baumhäuser im Hambacher Forst

Seit mehreren Jahren besetzen Umweltschützer und andere Aktivisten den Hambacher Forst. Sie wollen damit verhindern, dass massenhaft Bäume gefällt werden, um dort Braunkohle zu fördern. Mitte September 2018 haben die Behörden damit angefangen, das Protestcamp zu räumen. Die Besetzer wehren sich.

Von: Oliver Fritzel

Stand: 21.09.2018

Es ist der größte Polizeieinsatz, den es in Nordrhein-Westfalen bisher gegeben hat: Hunderte Polizisten sind dabei, ein riesiges Protestcamp im Hambacher Forst zu räumen. Das ist ein Wald zwischen Köln und Aachen. Seit mehreren Jahren leben dort Menschen in Baumhäusern, selbst in den kalten Wintermonaten. Viele der bis zu 60 Baumhäuser sind in einer schwindelerregenden Höhe von rund 20 Metern. Das macht es den Polizisten besonders schwer, diese Baumhäuser zu räumen. Sie können nämlich nur in Kletteraktionen erreicht werden. Außerdem wollen viele der Besetzer nicht freiwillig gehen, auch wenn die Bagger quasi schon vor ihrer Nase stehen.

RWE will Bäume fällen, um nach Braunkohle zu baggern

Offiziell werden die Baumhäuser geräumt, weil die Behörden den Brandschutz für nicht ausreichend halten. Sie sagen, dass die Besetzer in den selbst gebauten Baumhäusern nicht sicher sind. Für die Umweltaktivisten ist aber ganz klar, dass es einen Zusammenhang mit den Plänen des Energiekonzerns RWE gibt, dem Besitzer des Waldes. Dieser will ab Oktober im Hambacher Forst so viele Bäume fällen, dass nicht mehr viel von dem Wald übrig bleibt. RWE will dort nach Braunkohle baggern, um in den benachbarten Kraftwerken weiter Strom erzeugen zu können.

Protest ist nicht immer nur friedlich

Die Bewohner der Baumhäuser wehren sich gegen die Räumung und haben dabei auch einige Tricks auf Lager. Einige ketten sich in ihren Baumhäusern an, andere verstecken sich in unterirdischen Tunneln. Einige wehren sich auch gewaltsam: Immer wieder gibt es Verletzte auf beiden Seiten.

Am 19. September ist in dem Waldstück etwas Schlimmes passiert: Ein Journalist, der mit den Menschen in den Baumhäusern gesprochen hatte, ist abgestürzt. Die Bretter einer Hängebrücke, auf der er unterwegs war, brachen durch und er fiel 15 Meter in die Tiefe. Ärzte konnten ihm nicht mehr helfen, er starb. Die Polizei hat daraufhin den Einsatz vorerst gestoppt.

Symbol gegen Braunkohle und für Klimaschutz

Der Hambacher Forst ist längst zu einem Symbol für den Kampf um den Klimaschutz geworden. Viele Leute können es nämlich nicht verstehen, dass weiter Braunkohle abgebaut wird, wo man doch aus dieser Form der Stromerzeugung aussteigen will. Braunkohlekraftwerke gelten als besonders schädlich für unser Klima. Allerdings wird gerade erst darüber verhandelt, wann Deutschland seine Braunkohlekraftwerke abschaltet. Ein Problem ist, dass viele Menschen in diesem Bereich arbeiten und dann ihre Jobs verlieren würden.


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