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Gustav Mahler Komponist, Dirigent und "fahrender Geselle"

Der Komponist und Dirigent Gustav Mahler war ein sehr ungeduldiger Mensch. Stillstand war ihm zuwider. Zu Fuß war er immer schnellen Schrittes unterwegs. Da kam ihm das Fahrrad als modernes Verkehrsmittel gerade recht. Mahler war viel unterwegs und sein Leben gleicht dem eines "fahrenden Gesellen". So heißen auch wunderschöne, aber traurig klingende Lieder, die er vertont hat.

Von: Sylvia Schreiber und Veronika Baum

Stand: 11.11.2018 | Archiv

Geboren wird Gustav Mahler am 7. Juli 1860 in Kalischt in der heutigen Tschechischen Republik. Er ist der Sohn einfacher jüdischer Kaufleute aus einem kleinen böhmischen Dorf, das damals noch zu Österreich gehört. Das Klavierspielen bringt er sich selbst bei, es macht ihm viel Spaß. Und das Komponieren erst - was für ein feiner Zeitvertreib! Wie gerne würde er das als Beruf machen, das Komponieren. Also reicht er eines seiner Stücke bei einem Wettbewerb ein und hofft auf einen Preis. Als er den nicht bekommt, ist Mahler ziemlich sauer und beschließt, lieber Dirigent als Komponist zu werden. Damit beginnt das große Reiseleben des Gustav Mahler. In Wien dirigiert er, in Hamburg, in New York, in Frankreich ist er unterwegs, in Budapest, in Russland. Das Reisen ist damals noch recht mühsam, mit Eisenbahn und Kutsche, gelegentlich auch schon mit dem Auto. 

Ein Leben aus der Reisetasche ...

Das viele Reisen schreckt Mahler nicht ab, denn er liebt es, vor einem riesigen Orchester zu stehen und eine Oper zu dirigieren. Für ihn ist es, als ob er die Musiker bändigen würde, ja, er fühlt sich manchmal wie ein Dompteur im Löwenkäfig. Doch leider ergibt sich aus dem vielen Herumreisen, dass Mahler kein gemütliches Zuhause hat, wo er es sich abends auf dem Sofa mit einem guten Buch bequem machen kann. Nein, Mahler muss in Hotels wohnen. Und weil er fürchterlich lärmempfindlich ist, weil er heikel ist, was das Essen angeht, weil er sich manchmal schwer damit tut, dass er nicht der einzige Mensch auf der Welt ist, entwickelt er sich zu einem Nörgler. Nur der allerfeinste Luxusschuppen behagt ihm.

Hauptsache Ruhe!

Bescheidene Hütte: In seinem Komponierhäuschen in Steinebach am Attersee fand Gustav Mahler die nötige Ruhe.

Ansonsten ist Gustav Mahler gar nicht so anspruchsvoll. Sein Abendessen besteht oft nur aus einem Apfel und einer Scheibe Brot, dazu trinkt er Wasser. Und wohnen kann er auch in einer ganz einfachen Holzhütte, Hauptsache, er hat seine Ruhe. Mahler ist sehr empfindlich, was seinen inneren Frieden angeht. Und der wird durch das viele Reisen, durch ungemütliche Betten, knallende Türen, schlechten Geruch und speckige Möbel ganz schön durcheinandergewirbelt. 

Zu Fuß oder mit dem Fahrrad? Hauptsache schnell!

Um sich für seine umfangreichen musikalischen Aufgaben fit zu halten, treibt Gustav Mahler viel Sport - vielleicht auch, um seine Unruhe und Ungeduld ein wenig auszugleichen. Er spaziert viel und sehr schnell, alleine oder mit Freunden, schwimmt im Sommer durch eiskalte Seen, rennt Berge hinauf, rudert und: fährt Fahrrad. Zu einer Zeit, in der es erst wenige Autos gibt und das "Veloziped", also das Fahrrad, so wie wir es heute kennen, brandneu ist.

Im Urlaub im österreichischen Salzkammergut begegnete Gustav Mahler beim Fahrradfahren auch seiner späteren Frau Alma.

Auf seinen Fahrradtouren erlebt er mitunter haarsträubende Stürze. Aber das macht ihm gar nichts: Ist der Reifen repariert, sitzt Gustav Mahler auch schon wieder auf dem Sattel und radelt um den Wörthersee. Ans Komponieren wagt er sich übrigens auch wieder. Dass er damals als junger Hüpfer keinen Komponistenpreis bekommen hat, stört ihn inzwischen nicht mehr. Zehn Symphonien schreibt er in seinem Leben, wobei die letzte nicht vollendet ist. Und viele wunderschöne, oft etwas traurig klingende Lieder - die eines "fahrenden Gesellen" zum Beispiel oder auch das "Lied von der Erde".

Als Komponist hat Gustav Mahler viele neue Ideen: So vergrößert er die Besetzung des Orchesters auf ein bis dahin unbekanntes Maß. Bei der Uraufführung seiner 8. Sinfonie wirken 1.030 Musiker mit. Das Stück trägt daher den Titel "Sinfonie der Tausend". Am 18. Mai 1911 stirbt Gustav Mahler im Alter von 50 Jahren in Wien.


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