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Gute Drachen, böse Drachen Von fiesen Fabelwesen und Glücksdrachen

Bestimmt kennt ihr den einen oder anderen davon: Der kleine Drache Kokosnuss, der Enderdrache in Minecraft, Ohnezahn und die anderen Drachen aus "Drachenzähmen leicht gemacht", der Drache Malzahn bei Jim Knopf, Fuchur aus der "Unendlichen Geschichte" von Michael Ende, einen der Drachen von Harry Potter oder vielleicht den Tatzelwurm aus der Alpenregion?

Von: Cornelia Neudert und Simone Wichert

Stand: 26.08.2019

Chinesischer Drache, emaillierte Metalltreibarbeit aus China | Bild: Drachenmuseum Furth im Wald / Andreas Mühlbauer

Geschichten über Drachen gibt es schon sehr lange. In den Sagen, die die alten Griechen sich vor dreitausend Jahren erzählten, kommen haufenweise Drachen vor. Die Hydra ist bloß einer davon:

Die Hydra

"Die Hydra ist ein schlangenähnliches Ungeheuer. Sie lebt in den Sümpfen von Lerna und hat viele Köpfe. Immer, wenn sie einen dieser Köpfe verliert, wachsen ihr an seiner Stelle zwei neue!"

Manche Drachen haben mehrere Köpfe wie die Hydra, manche nur einen. Manche haben Hörner, manche Fledermausflügel, andere haben Adler- oder Löwenkrallen. Immer aber sind sie irgendwie schlangenähnlich. Das steckt schon im Wort "Drache". Es kommt vom altgriechischen Wort drákōn und bedeutet "Schlange".

Drachen waren in den Geschichten ursprünglich riesige Schlangen. Sie waren nicht immer nur böse. Aber nach und nach wurden die Erzählungen über die Drachen immer gruseliger:

"Drachen haben schwarzes, giftiges Blut. Sie verursachen Feuersbrünste, rauben und fressen Menschen, und wenn ein Drache einen Menschen anhaucht, wird er mindestens blind. Oder er fällt gleich tot um."

Für viele Menschen früher waren Drachen keine Fabelwesen, sondern man war sich sicher, dass es solche Tiere irgendwo auf der Welt gibt. Der mittelalterliche Mönch und Gelehrte Bartholomäus Anglicus schrieb:

"Der Drache ist die größte aller Schlangen. Oft fliegt er aus seiner Höhle hoch in die Luft. Er hat Zähne wie eine Säge. Und Kraft! Nicht nur in den Zähnen, sondern auch im Schwanz und verursacht so Unheil, sowohl mit Beißen als auch mit Stechen. Er hat nicht so viel Gift wie andere Schlangen, denn das ist nicht nötig, weil er so riesengroß ist. Nicht einmal der Elefant ist vor ihm sicher!"

Bartholomäus Anglicus, mittelalterlicher Gelehrter

Obwohl Drachen so gefürchtet waren, meinte man doch, dass zum Beispiel das Blut von Drachen Heilkräfte besitzen könnte. Hildegard von Bingen war eine Nonne und Ärztin im Mittelalter. Sie empfahl verdünntes Drachenblut gegen Nieren- oder Gallensteine. Und natürlich ist da die Geschichte von Siegfried, dem Drachentöter:

Über Siegfried, den Drachentöter:

"Noch ein Abenteuer ist mir von ihm bekannt:
Einen Drachen erschlug der Held mit eigener Hand.
Dann badete er im Drachenblut.
So wurde seine Haut jetzt
so hart, dass keine Waffe sie je wieder verletzt!"

Das Drachenblut machte Siegfrieds Haut also unverwundbar.

In Geschichten treffen oft Helden und Drachen aufeinander. Die Helden besiegen die Drachen, befreien Gefangene – meistens Jungfrauen – und reißen sich oft auch noch den Drachenschatz unter den Nagel. Denn Drachen sammeln gerne Schätze und bewachen sie dann jahrhundertelang. Jedenfalls machen das die europäischen Drachen so. Aber es gibt noch ganz andere Drachen.

In China und vielen benachbarten Ländern werden die Drachen als Gottheiten verehrt. Sie leben oft in Flüssen oder Seen und sorgen für Regen, damit alles wächst. Sie sehen auch ein bisschen anders aus als die europäischen Drachen.

Chinesische Glücksdrachen

"Die typischen chinesischen Drachen besitzen den Körper einer Schlange, eine Löwenmähne, ein Geweih und vier Beine. Neben der Nase haben sie zwei lange Bartfäden."

Normalerweise verhalten sich diese Drachen gegenüber Menschen freundlich. Nur wenn man sie ärgert, dann werden auch sie ärgerlich und verursachen eine Überschwemmung oder eine Dürre, so dass alles vertrocknet. Eins haben sie allerdings mit den europäischen Drachen gemeinsam: Beide schlüpfen aus Eiern.


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