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Komponisten-Lexikon Claude Debussy - Töne wie Farbtupfer

Der Komponist Claude Debussy hat nie eine normale Schule besucht. Aber er lernt, wunderbar Klavier zu spielen und Noten aufzuschreiben. Später verwandelt er alles in Töne: Vom Heuhaufen bis zum Segelboot - und dem Meer ...

Von: Sylvia Schreiber

Stand: 05.01.2019 | Archiv

gezeichnetes Porträt des Komponisten Claude Debussy. | Bild: BR | Teresa Habild

Lesen, Schreiben, Rechnen? Unwichtig. Ein Instrument spielen? Wozu das denn? Musik??? Eine lächerliche Beschäftigung. Ein Kind hat still zu sein, gehorsam und am besten unsichtbar. Das zumindest hätten die Eltern von Claude Debussy am liebsten - und weil sich keiner für ihn und seine Zukunft interessiert, besucht der kleine Claude auch keine Schule. Deshalb beherrscht Claude Debussy in seinem ganzen Leben die französische Grammatik nie richtig und die Rechtschreibung sowieso nicht. Das ist ihm auch als Erwachsener noch sehr peinlich.

Lebensdaten

Claude Debussy wurde am 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye in Frankreich geboren. Er starb am 25. März 1918 mit 55 Jahren in Paris.

Und doch hat Claude nicht nur Pech, es gibt da nämlich seine Taufpaten. Sie laden das Kind oft in ihr luxuriöses Haus ein, hier wird der stille Junge verwöhnt: Man spricht mit ihm über Kunst und Musik und zudem unternehmen die Taufpaten mit Claude die erste große Reise in seinem Leben. 

Das Meer und die Musik

Es geht nach Cannes, ein quirliges Hafenstädtchen am Mittelmeer, an der Cote d´Azur. Dort, an der "blauen Küste" in Cannes lernt Claude zwei Dinge kennen, die ihn faszinieren. Die ihn, das den Eltern so lästige Kind, richtig glücklich machen: Das Meer und die Musik. Sechs Jahre alt ist Claude, als er in Cannes seine ersten Klavierstunden erhält. Was für ein toller Kasten, auf dem man das, was man fühlt, den Rhythmus, den man spürt, in Töne verwandeln kann. Eine richtige Zauberkiste! Sein Traum ist eine Meeres-Melodie: das sanfte Meeresrauschen, das Gluckern der Wasserbläschen, das ewig wiederkehrende Brechen der Wellen am Strand, all das soll man hören und spüren können. Immer und überall, auch in der riesigen Stadt Paris, wo es ja leider gar kein Meer gibt! Aber, bis Claude Debussy seinen Traum vom Meer, das man überall hören kann, verwirklichen wird, müssen noch ein paar Jährchen vergehen, genau genommen 37 Jahren. Dann komponiert er das Stück "La mer". Das Meer.

Vom Klavierschüler zum Komponisten

Erst einmal muss Claude ordentlich Klavierspielen. Dafür erhält er Unterricht bei einer Lehrerin, die schnell bemerkt, was für ein begabtes Kind sie vor sich hat. "Der Junge muss Pianist werden, Konzertpianist!" offenbart sie den Eltern. Und die finden Musik plötzlich gar nicht mehr "lächerlich", sondern großartig! Allerdings nur, weil sie hoffen, dass sie mit ihrem Kind viel Ruhm ernten werden, und vor allem, dass sie mit Claude viel viel Geld verdienen können. Wenn er dann erst einmal auf der halben Welt Konzerte geben wird ... 

Claude besucht mit zehn Jahren das Konservatorium, wo nur die besten aufgenommen werden. Er gewinnt Preise ... Zunächst läuft alles wie am Schnürchen. Doch auf einmal macht Claude keine Fortschritte mehr. Claude schmeißt die Klavierausbildung hin und reist als Klavierlehrer für die Kinder einer reichen Familie durch halb Europa. Wie viele fremde Melodien er hört, welche Komponisten es gibt und was die sich alles ausdenken können! Claude Debussy sperrt die Ohren auf, so groß und weit wie Sattelitenschüsseln. Und als diese gesammelten Melodien in seinem Kopf wild herumschwirren, beschließt er: Ich werde Komponist. Das bedeutet aber leider für ihn: wieder ans Konservatorium! Debussy beißt in den sauren Apfel. Und wird bald schon mit Kompositionspreisen belohnt! 

Töne wie Farbtupfer

Zunächst läuft alles glatt: Debussy verdient sogar ein wenig Geld und gehört nicht mehr zu den armen Schluckern von Paris. Aber er will seine Art zu komponieren, seinen Stil, weiter entwickeln. Er will ungewohnte Melodien verwenden und Neues lernen. 

Debussys Werke werden oft mit Gemälden der französischen Impressionisten verglichen: Hier eines der berühmten "Seerosen"-Bilder von Claude Monet.

Debussy interessiert sich für Malerei. Das heißt nicht etwa, Debussy beginnt mit Pinsel und Farben herumzuklecksen. Nein, er betrachtet Bilder: von Heuhaufen, von Sonnenuntergängen, von Meeresstimmungen, Seerosenteichen, Segelbooten und - von Wellen. Oft scheint ein zarter Schleier über dem Bild zu hängen, genau so etwas Geheimnisvolles will er auch in Tönen einfangen. Manche im Konzertpublikum sind verzaubert von den neuen Tönen, die dieser Debussy anschlägt. Aber die meisten Menschen in Paris verstehen die Musik von Claude Debussy nicht. NOCH nicht. 

Als die erste und einzige Oper "Pelleas et Melisande" von Debussy aufgeführt wird, bricht Chaos im Publikum aus, mit Kreischen und Buhrufen. Da wagt es doch glatt einer, Musik zu schreiben, zu der man nicht mitschunkeln kann, wie das damals Mode ist. Aber Debussy lässt sich kein bisschen von den Maulaffen im Publikum und den Schmierfinken bei der Zeitung, die gemeine Artikel über ihn schreiben, beirren. Er hält fest an seiner Art, Musik zu schreiben, weil er sowieso meint, dass man über Musik gar nicht schreiben kann! Dass die Zahl seiner Fans immer größer und größer wird, gibt ihm Recht! "La mer" wird das berühmteste Musikstück über das Meer.


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