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Jüdisches Lichterfest Chanukka - Weihnachten auf jüdisch

Warmer Kerzenschein, der Duft von Gebackenem, leckere Süßigkeiten und viele Geschenke – das ist typisch für Weihnachten. Aber nicht nur für Weihnachten! Auch in der jüdischen Religion gibt es um diese Zeit des Jahres ein Fest, auf das sich die Kinder besonders freuen: das jüdische Lichterfest, genannt Chanukka.

Von: Michaela Bold und Kirsten Zesewitz

Stand: 19.12.2019

"Chanukka" wird jedes Jahr um die Weihnachtszeit herum gefeiert. Los geht's am 25. Kislew. So heißt der neunte Monat im jüdischen Mondkalender. Seine Mondmonate verschieben sich immer etwas gegen die Monate aus unserem Sonnenkalender: Darum verändert sich der Zeitpunkt von Chanukka jedes Jahr. Auf jeden Fall wird Chanukka immer acht Tage lang gefeiert. Das hat mit dem so genannten "Öl-Wunder" zu tun. 

Die Geschichte vom Öl-Wunder

Im 2. Jahrhundert vor Christi Geburt wurde der jüdische Tempel in Jerusalem von den Griechen zerstört. Als die Juden den Tempel aufräumten, fanden sie nur ein einziges kleines Fässchen Öl, um das Licht im Tempel zu entzünden. Neues, geweihtes Öl herzustellen, hätte mehrere Tage gedauert. Aber es geschah ein Wunder: Das Fässchen Öl reichte sage und schreibe acht Tage – genug Zeit, um neues Öl herzustellen.

Leuchter mit acht Armen

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin steht seit einigen Jahren Europas größter Chanukka-Leuchter.

In Erinnerung an dieses Wunder hat der Chanukka-Leuchter heute noch acht Arme: An jedem Chanukka-Abend wird ein Licht mehr angezündet, immer von rechts nach links. So dass am achten Abend alle acht Kerzen brennen. Und weil der Leuchter zu Chanukka gehört wie der Christbaum zum Weihnachtsfest, wird er "Chanukkia" genannt. Die meisten jüdischen Familien haben sogar mehrere Chanukkias zu Hause: Einen fürs Wohnzimmer, einen fürs Fenster – ja, sogar die Kinder haben ihre eigene Chanukkia im Kinderzimmer stehen. Ganz schön viele Kerzen sind das, aber schließlich heißt Chanukka ja nicht umsonst "Lichterfest".  

Chanukka – Ganz traditionell

Natürlich starren die jüdischen Kinder nicht die ganze Zeit ihre Kerzen an, das wäre ja auch langweilig. Nein, traditionell wird an Chanukka "Dreidel" gespielt. Der Dreidel ist ein Holzkreisel mit vier Seiten. Je nachdem, welche Seite man erdreidelt hat, kann man ein Gummibärchen gewinnen, ein Stück Schokolade – oder einen Latkes. So heißen die jüdischen Kartoffelpuffer. Ein ganz typisches Essen für Chanukka.

Neuer Mix aus alten Festen

Obwohl diese Chanukka-Bräuche sehr viel Spaß machen, wollten die jüdischen Kinder in Deutschland irgendwann auch gern mal einen Weihnachtsbaum haben. So einen, wie sie bei ihren Nachbarn gesehen hatten, mit bunten Kugeln, Kerzen – und mit vielen Geschenken. Irgendwann wurde einigen Eltern das Gequengele der Kinder zu viel und sie kauften einen Weihnachtsbaum. Das war der Anfang von Weihnukka. Seitdem – und das ist schon über 100 Jahre her! – ist Weihnukka in vielen Familien ein richtiger Renner geworden. Nicht bloß als Wortspiel, sondern als jüdisch-christlicher Weihnachtsbaum. 

Christbaumkugel und Davidstern

In jüdischen Familien haben Weihnukka-Kalender statt Engeln und Glöckchen eben Chanukkias und Synagogen im Fensterchen. Und am Christbaum hängen neben den bunten Kugeln auch jüdische Davidsterne und hebräische Buchstaben. In Amerika haben weihnachtsbegeisterte Juden sogar eine jüdische Kippa - so heißt das Käppchen der frommen Juden - mit einem Weihnachtsmann drauf erfunden. Warum nicht?!


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