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Berge Steingewordene Riesen

Gebirge, zum Beispiel unsere Alpen, mögen unerschütterlich aussehen, aber das sind sie nicht. Berge bewegen sich. Sie verändern sich täglich, aber jeden Tag nur ein ganz kleines bisschen ...

Von: Börni Schulz, Simone Wichert und Michaela Bold

Stand: 10.07.2018

Blick auf die Zugspitze | Bild: BR / Christine Gaupp

Die Haut der Erde

Was so unbeweglich und starr aussieht wie ein Berg, ist in Wirklichkeit das Ergebnis einer sehr langsamen, dafür aber umso gewaltigeren Bewegung: der Bewegung unserer Erdkruste. Wie eine Haut umspannt die kalte und starre Erdkruste das heiße Erdinnere, eine Haut aus Stein über einem Kern aus glühender Magma. Diese steinerne Haut ist durchzogen von Rissen, Stellen, an denen die Erdkruste nicht zusammengewachsen ist. Diese Risse unterteilen die Erdkruste in mehrere verschieden große Teile. Ein solcher Riss liegt zwischen Afrika und Europa. Afrika drückt hier mit seiner ganzen Masse gegen den europäischen Teil der Erdkruste.

Knautsch, schieb, türm

Solange der eine Kontinent gegen den anderen drückt, wird alles, was in der Mitte dazwischen liegt, zusammengepresst, aufeinander geschoben, verbogen und übereinander getürmt. Die beiden Kontinente stoßen zusammen wie zwei Autos. Dass Kontinente sich nur sehr langsam bewegen, ändert nichts am Ergebnis. Bis ein Gebirge entstanden ist, vergehen viele Millionen Jahre.

Deswegen können wir auch nicht zusehen, wie ein Berg wächst. Nur das Ergebnis dieses Wachstums können wir sehen. Zum Beispiel die Alpen. Sie sind sozusagen die Knautschzone zwischen Afrika und Europa. Ob und wie viel die Alpen heute noch wachsen, wird unter Wissenschaftlern diskutiert. Der Himalaja aber, das höchste Gebirge der Welt, wächst auf alle Fälle noch. Und zwar mindestens einen Zentimeter pro Jahr.

Berühmte Berge

Wie hoch ist der Berg?

So einfach, wie man Menschen messen kann, geht das bei den Bergen leider nicht. Denn man kann ja nicht einfach ein normales Maßband anlegen und nachmessen. Dafür sind die Berge viel zu groß. Man bräuchte ein unglaublich langes Maßband, das man über viele Kilometer gerade halten müsste. Und weil es so unglaublich groß wäre, wäre es auch richtig schwer. Also: keine gute Idee.

Trotzdem will man natürlich wissen, wie hoch die Berge sind. Nicht nur, damit man stolz sein kann, wenn man es beim Wandern endlich auf den Gipfel geschafft hat. Ob es nun bergauf oder bergab geht, ist auch wichtig, wenn man Häuser baut oder Straßen oder Tunnel. Man will ja schließlich nicht, dass etwas schief steht oder gleich wieder umfällt. Um ganz genau herauszufinden, auf welcher Höhe wir uns auf der Erde befinden, muss man vom Weltall aus auf unseren Planeten schauen. Mit Hilfe von Satelliten und GPS.

GPS: Signale aus dem Weltall

Spezielle Satelliten senden Signale aus, die wir hier auf der Erde mit bestimmten Empfängern empfangen können. Und aus diesen Signalen kann man die Strecke zu dem Satelliten bestimmen. Man kann sich das vorstellen wie den Lichtkegel einer Taschenlampe im Dunkeln: Nur dass ein Satellit eben Zahlen sendet statt Licht. Aber wenn man ein einziges Satellitensignal empfängt, dann weiß man nur, dass man irgendwo auf einer Kreislinie steht, in einem bestimmten Abstand zum Satelliten. Man weiß aber nicht, wo genau auf dieser Linie.

Deshalb empfängt man nicht nur ein Signal von einem Satelliten, sondern gleich vier Signale von vier verschiedenen Satelliten, die an verschiedenen Stellen über der Erde schweben. Und dort, wo sich alle vier Kreise schneiden, da steht man. Und das GPS-Gerät gibt einem die genaue Position inklusive Höhe an.

Wo fängt man an zu messen?

Aber woher weiß man eigentlich, ab welchem Punkt man messen muss, also wo die Höhe Null ist? Beim Metermaß ist das ganz einfach, da legt man das untere Ende, auf dem die Zahl Null steht, am Boden an. Aber beim Berg geht das ja nicht. Unser Nullpunkt, auf den sich unser Höhensystem in Deutschland bezieht, ist ein Pegel an der Nordsee und zwar in der Stadt Amsterdam. Man nennt ihn den Amsterdamer Pegel. Man hat lange beobachtet, wann das Wasser höher und wann es niedriger ist, und vor etwa zweihundert Jahren dann die durchschnittliche Wasserhöhe als Nullpunkt festgelegt.

Von Amsterdam über Berlin über ganz Deutschland

Von diesem Amsterdamer Pegel wurde dann erst der Höhenunterschied vom Meer nach Berlin vermessen und von Berlin aus die Höhen in ganz Deutschland. Damals gab es natürlich noch kein GPS. Deshalb nahm man zur Vermessung ein sogenanntes Nivellierinstrument zu Hilfe. Das sind zwei Meterstäbe, die man genau senkrecht in einem bestimmten Abstand zueinander auf die Erde stellt. In die Mitte stellt man ein Fernrohr, was absolut horizontal, also in der Waagerechten ausgerichtet ist. Und dann zielt man mit diesem Fernrohr einmal den einen Meterstab an und dann den anderen. Die Differenz zwischen dem, was man auf dem einen Meterstab und dem anderen ablesen kann, das ist der Höhenunterschied. Es dauerte sehr viele Jahre, bis endlich ganz Deutschland vermessen war.

Eine Brücke ins Nichts

Doch nicht überall wird so gemessen wie bei uns: Die Schweiz zum Beispiel richtet ihren Nullpunkt am Meeresspiegel von Marseille in Frankreich aus. Und das Mittelmeer dort ist ganze 27 Zentimeter höher als die Nordsee in Holland. Ein Klacks, könnte man meinen. Doch dieser kleine Unterschied hat schon zu großen Problemen geführt: Anfang der 2.000er Jahre wurde bei Laufenburg eine Brücke über den Rhein gebaut, die die deutsche und die Schweizer Seite verbinden sollte. Man fing an, von beiden Seiten zu bauen, in der Mitte sollten sich dann die Brückenteile treffen.

Aber irgendwann stellte man fest: Die beiden Seiten hatten eine unterschiedliche Höhe, sie würden sich nicht in der Mitte treffen, wenn man weiter bauen würde. Das Schweizer Planungsbüro hatte einen Rechenfehler gemacht und, statt 27 Zentimeter abzuziehen, 27 Zentimeter dazu gefügt. Deshalb musste man die Baupläne dann ein bisschen ändern und die Brücke auf der deutschen Seite etwas absenken. Die Brücke existiert - und man kann drüberfahren, ohne in den Rhein zu fallen.


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