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5.5. Beginn des Ramadan Enthaltsamkeit bis Sonnenuntergang

Viele Religionen kennen die Einrichtung einer Fastenzeit. So auch das Judentum, das Christentum und der Islam. Im Judentum wird am Versöhnungstag und an nationalen Trauertagen gefastet. Davon ausgenommen sind aber in jedem Falle Sabbat- oder Festtage. Im Christentum gehört das Fasten ebenfalls dazu.

Stand: 21.05.2017

Muslime beim Gebet | Bild: picture-alliance/dpa

Im Gegensatz zu der Regel der Bergpredigt „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Mt 6,16-18) führte die Kirche aber bald einen öffentlichen Verzicht auf Essen und Trinken an Karfreitag und Karsamstag ein. Mit der Ausdehnung des Fastens auf die gesamte Karwoche und später auf die gesamte uns aus dem Katholizismus bekannte Fastenzeit kam es zu einer Abkehr von dem Vollfasten. Unter Verzicht auf Wein und Fleisch sollte nun nur noch eine sättigende Mahlzeit eingenommen werden. Heute wird die Fastenzeit, auch in der evangelischen Kirche, als eine Zeit des Konsumverzichts „wiederentdeckt“.

Die Pflicht des Fastens im Islam

Der Prophet Mohammed vor der Kaaba in Mekka.

Der Prophet Mohammed selbst führte das Fasten als göttliches Gebot ein. Ähnlich wie im Judentum und im Christentum sind folgende Gründe für das Fasten zu nennen:

  • Fasten dient der Buße und der Vergebung von Sünden.
  • Mit dem Fasten gelingt ein Sieg über die Begierden und Triebe durch den Geist.
  • Frömmigkeit, Gemeinschaftssinn und Vergebungsbereitschaft werden gestärkt.

Die Fastenpraxis ist aber gegenüber dem Christentum sehr verschieden. Im Fastenmonat Ramadan wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefastet. In dieser Zeit ist es nicht nur verboten, Speisen und Getränke zu sich zu nehmen. Es ist auch nicht erlaubt, sich den Mund auszuspülen, zu rauchen oder Geschlechtsverkehr zu haben.

Die fünf Säulen des Islam

Die Kaaba in Mekka, Ziel der Hadsch.

Das Halten des Ramadan, der jährlichen Fastenzeit, gehört zu den fünf wichtigsten Pflichten gläubiger Muslime. Zu diesen so genannten fünf Säulen des Islam zählen folgende Pflichten:

  • Die Anerkennung und das Sprechen der Schahada, des Glaubensbekenntnisses
  • Salat, das rituelle Gebet
  • Zakat, die Almosensteuer
  • Saum, das Fasten im Ramadan
  • Hadsch, die Wallfahrt nach Mekka

Ramadan: mal im Sommer, mal im Winter

Der Monat Ramadan ist der neunte des islamischen Mondkalenders, er wandert durch das ganze Jahr, da der Mondkalender gegenüber dem Sonnenkalender jedes Jahr um elf Tage zurückfällt. Deshalb sind auch die Belastungen des Ramadan jahrezeitlich bedingt unterschiedlich groß. Im Winter, wenn die Tage kürzer und die Witterung kühler ist, ist die Einhaltung des Gebotes verhältnismäßig leicht. Fällt der Ramadan aber in den Hochsommer, so kann der Verzicht auf Wasser einige Schwierigkeiten mit sich bringen, besonders, wenn man bedenkt, dass viele Muslime in sehr heißen Ländern wohnen. Grundsätzlich gilt die Pflicht zu Fasten für jeden erwachsenen Muslim. Allerdings gibt es wegen der besonderen Belastungen einige Einschränkungen. So sind menstruierende Frauen, Schwangere, Stillende, Alte und Kranke, aber auch Reisende und hart körperlich Arbeitende von dieser Pflicht dispensiert. Wenn die Umstände, die zu der Befreiung von der Fastenpflicht geführt haben, sich geändert haben, sollen allerdings die versäumten Fastentage nachgeholt werden.

Ramadan - auch eine Zeit des Feierns

Fastenbrechen in Köln.

Im Unterschied etwa zur christlichen Fastenzeit nach Aschermittwoch ist die islamische Fastenzeit eher eine Zeit des Feierns. Diese zunächst merkwürdige Beobachtung erklärt sich aus der tageszeitlichen Begrenzung des Fastens. In der Zeit nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang darf ja das Fasten gebrochen werden. So wird die Zeit nach Sonnenuntergang vielfach zum gemeinschaftlichen feierlichen Essen genutzt. Begleitend werden in den Moscheen viele gesellschaftliche und religiöse Aktivitäten angeboten. So dient diese Zeit des Fastens und Feierns der Stärkung der islamischen Gemeinschaft, die ja überall auf der Welt dieser religiösen Pflicht nachgeht.


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