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15.8. Obon Japanisches Ahnenfest

Ähnlich wie an Allerheiligen gedenken japanische Familien am Obon-Fest der Toten. Nach ihrer Vorstellung kommen die Seelen der Verstorbenen zurück ins Haus der Familie. Kleine Kerzen am Straßenrand leuchten ihnen den Weg.

Stand: 22.01.2016

Es ist eines der größten Feste Japans: das Obon-Fest. Das ganze Land erinnert sich an die verstorbenen Angehörigen, die nach buddhistischem Glauben einmal im Jahr aus dem Jenseits zurückkehren. Die Angehörigen besuchen die Gräber der Toten, zünden dort Papierlaternen an und schwenken Weihrauch. Auf Gebetsstäben stehen gute Wünsche für die Verstorbenen. Das Fest dauert mehrere Tage lang.

"Obon-Tag bedeutet Totentag und das heißt, zu meiner Kindheit durften wir nicht im Fluss schwimmen, am Ende würden wir sonst noch einen kleinen Fisch töten. Wir Buddhisten glauben ja an die Reinkarnationslehre: Wir dürfen kein Tier töten. Wenn ich sterbe, wenn ich das gut mache, vielleicht komme ich wieder als Mensch. Aber wenn ich böse bin, komme ich vielleicht als Insekt. Wir haben am 15. August eine Menge Moskitos, aber wir dürfen nicht töten."

Tetsu Tanimura, Leiter des Deutsch- Japanischen Stammtisches in München.

Das Fest des Feuers

Überall in Japan gibt es zum Obon-Fest Feuerwerke, Kerzen und Fackeln werden entzündet.

Feuer spielt beim Obon-Fest eine wichtige Rolle. Zu Beginn werden die Toten mit Feuern begrüßt und am Ende der Feiertage, nach drei Tagen, leuchten Feuer wiederum den Toten den Weg zurück ins Jenseits. Während des Festes ziehen Mönche von Haus zu Haus, um mit den Familien gemeinsam zu beten.

Dokuho Meindl leitet das Zen-Zentrum in Dornach. Er verbrachte mehrere Jahre in einem Kloster in Japan und erzählt: "Die Familien haben Hausaltäre, auf denen Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen stehen. Dann rezitiert man mit einer Glocke und einer Trommel buddhistische Lehrtexte, hauptsächlich die Herzsutra." Das Fest entstand vermutlich aus einer Mischung aus dem "Fest der hungrigen Geister", vorbuddhistischen Ahnenfeiern und verschiedenen Erntebräuchen.

"Während des Obon-Festes ist Tokio beinahe leer. Es bleiben nur etwa zehn Prozent der Einwohner in der Stadt, die anderen 90 Prozent fliegen nach Hause, um das Obon-Fest zu feiern. Obon-Zeit ist Chaos-Zeit, weil so viele Japaner verreisen. Man sieht kaum Autos und Menschen auf der Straße. Normalerweise ist ja Tokio wie ein Ameisenhaufen, aber in der Obon-Festzeit sind kaum Leute da."

Tetsu Tanimura, Leiter des Deutsch-Japanischen Stammtisches in München.

Zweimal im Jahr wird das Obon-Fest gefeiert

Um die Menschenmassen aus den Städten zu ihren Familien aufs Land zu bewegen, wurden in Japan Sonderzüge eingerichtet. Doch das allein reichte nicht, um das Verkehrschaos einzudämmen. Deshalb feiert Japan mittlerweile das Obon-Fest zweimal im Jahr. Ein großer Teil Tokios und Okinawas feiert Obon Mitte Juli traditionell nach dem Mondkalender. Der Rest des Landes feiert einen Monat später, Mitte August. Die Aufteilung der Feiertage in Etappen kommt auch den Mönchen zu Gute.


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