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GRIPS Deutsch 28 Was man über Literatur wissen sollte

Man könnte sagen, unter Literatur fällt alles, was sich jemand ausgedacht und aufgeschrieben hat, damit jemand anderes es liest. Aber, das stimmt dann doch nicht, denn Einkaufszettel sind keine Literatur, oder?

Stand: 22.08.2011 | Archiv

Illustration GRIPS Deutschlehrerin- Lektion 28 | BR | Bild: BR

Über Literatur lässt sich sehr viel sagen, so ist Literaturwissenschaft auch ein eigenes Studienfach, das man in jeder Sprache der Welt studieren kann. So weit wollen wir es nicht treiben, es geht darum ganz grundsätzlich zu klären, was man sich unter Literatur vorstellen kann. Grob gesagt fällt unter Literatur etwas, das jemand sich ausgedacht und aufgeschrieben hat, damit jemand anderes es liest. Einkaufszettel werden auch geschrieben, damit jemand sie liest. Trotzdem sind sie keine Literatur, denn sie erzählen keine Geschichte. Sie haben keine Handlung, sondern sind einfach nur Notizen, die nicht veröffentlicht werden sollen.

Literatur wird in verschiedene Gattungen unterteilt. Mehr darüber kannst du in den Lektionen Epik & Dramatik sowie Lyrik erfahren.

Mitfiebern - Miterleben

In unserem Fall sehen wir uns einen Roman genauer an und zwar einen Kriminalroman. In dieser speziellen Art Roman dreht sich alles darum einen Mörder zu finden und das Mordmotiv zu klären. Wie jeder Roman hat er einen Helden und einen Gegenspieler. Je besser und packender der Roman geschrieben ist, desto leichter kann man sich in den Helden hineinversetzen, den Gegenspieler hassen, für den Moment die gleichen Vorlieben und Abneigungen wie der Held haben und etwas miterleben, was man niemals tun würde im echten Leben.

Stimmung - Bilder im Kopf

Roman

Der Roman zählt zur literarischen Gattung Epik. Näheres zur Epik erfährst du in der Lektion Epik und Dramatik.

Ziel des Autors ist es, Szenen so genau zu beschreiben, dass die Stimmung eines Tatorts zum Beispiel nachempfunden werden kann. Wenn das gelingt, dann gruselt es uns beim Lesen, wir empfinden Spannung und lesen weiter. Lesen macht uns nur Spaß, wenn dabei Bilder im Kopf entstehen und wir richtig mitfiebern. Wird ein Buch verfilmt, denkt sich jemand anderes die Bilder aus und setzt sie dem Zuschauer als Film vor.

Verfilmte Literatur

Wenn man ein Buch gelesen hat, ist man vom Film meistens enttäuscht. Egal, wie gut der Film ist. Man erinnert sich an die eigenen Vorstellungen und Bilder, vieles muss im Film ausgelassen oder gekürzt werden. Ein Buch kann nur eine Vorlage für ein Drehbuch sein, da filmisch Vieles nicht so umsetzbar ist, wie in einem Roman geschrieben. Das bedeutet natürlich nicht, dass verfilmte Literatur keinen Spaß macht, sie ist eben nur anders als ein Buch.

Hörbücher

Wer nicht selbst lesen will oder aus Zeitgründen nicht kann, greift vielleicht zum Hörbuch. Hier kann man sich ganz bequem die meist gekürzte Geschichte vorlesen lassen und nebenbei andere Dinge erledigen. Die eigene Vorstellungskraft ist trotzdem gefragt, trotzdem ist es sehr bequem. Einordnen kann man es als Mittelding zwischen Film und selbst lesen.

Wie kommen Autoren zu ihren Ideen?

Am Anfang eines jeden literarischen Textes steht eine Idee, die ganz unterschiedlichen Ursprungs sein kann. Mal ist sie selbst erlebt, mal in der Zeitung gelesen, mal einfach ausgedacht. Es ist der Aufhänger, um den der Autor die Geschichte herumerzählt. Literarische Texte sind in der Regel fiktiv, also erfunden, müssen aber natürlich einen Bezug zur Realität haben, damit sie für viele Leser interessant sind. Gerade bei Krimis wird es besonders gruselig, wenn die Geschichte so wirkt, als könnte sie jederzeit gleich nebenan passieren.

Beispiel: Krimireihe mit Kommissar Kluftinger

Autoren

Bei den Kluftinger Romanen sind für die Ideen und die Geschichten, die daraus entstehen gleich zwei Autoren verantwortlich: Volker Klüpfel und Michael Kobr. Die Idee für den ersten Roman entwickelten die beiden während einer gemeinsamen Autofahrt, setzten sie einige Zeit später um und landeten einen ungeahnten Erfolg damit.

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Kluftinger-Krimis, die alle im Allgäu spielen. Dank des großen Erfolges wurden einige Romane auch als Hörspiel herausgebracht und dienten als Grundlage für Krimiverfilmungen.

Krimi "Erntedank"

In diesem Roman rankt sich die Geschichte um das Bild des Sensenmannes, einem Bild aus dem Volksglauben. Der Sensenmann ist ein Bild für den Tod, sinnbildlich "mäht" er die Leute um, wenn ihre Zeit gekommen ist zu sterben. In Volksliedern und Gedichten kommt der Sensenmann immer wieder vor. Der Mörder, mit dem man es hier zu tun hat, mordet mit einer Sense und schickt seinen Opfern vor dem Mord ein Gedicht über den Sensenmann per Post zu. Da eine Sense in Zeiten des Rasenmähers und des Mähdreschers kaum noch zum Mähen verwendet wird, wird schnell klar, dass das Mordwerkzeug kein Zufall ist.

Kommissar Kluftinger ist die Hauptfigur in den Allgäu Krimis von Michael Kobr und Volker Klüpfel. Das Allgäu ist ein Landstrich in Bayern, das eher ländlich geprägt ist und landschaftlich sehr reizvoll ist. Viele Leute verbringen dort ihren Urlaub.

Kluftinger

Kommissar Kluftinger stellt den typischen Allgäuer Ureinwohner dar. Ihm gefällt es da wo er ist, Reisen sind nicht so seine Sache. Er ist übergewichtig, redet Dialekt und liebt eigentlich ein ruhiges Leben ohne neumodische Erscheinungen wie Sushi, Joggen oder das Internet. Mit der modernen Technik hat er seine Not. Er liebt Zwetschgendatschi und Allgäuer Kässpatzen, fährt ein Auto, das schon etwas in die Jahre gekommen ist und beim Anblick einer Leiche wird ihm schlecht.
Obwohl er auf den ersten Eindruck nicht gerade ideale Voraussetzungen mitbringt – er wirkt eher wie ein Anti-Held, löst er seine Fälle doch souverän und man fängt an, ihn immer mehr zu mögen. Gerade durch seine Ecken und Kanten kann man sich als Leser vorstellen wie er denkt und handelt, bekommt Appetit auf Kässpatzen und rätselt mit, wer denn nun der Mörder ist.

Der Dengelstein

Den Felsklotz mitten im Wald gibt es wirklich. Der Findling ist einer der letzten Eiszeiten zu verdanken. Während die Gletscher schmolzen, blieben Gesteinsbrocken, die diese mit sich schoben, liegen. Die Menschen sind von diesem großen Stein seit je her fasziniert. Zur Zeit der Kelten gab es dort vermutlich eine Kult- und Opferstätte. Seinen Namen erhielt der Stein, weil hier einer Legende nach der Teufel den Tod immer dann hinbestellt, wenn er vorhat eine großes Loch in die Menschheit zu mähen. Dengeln ist ein Vorgang, bei dem das Sensenblatt mit einem speziellen Hammer bearbeitet wird, um es zu schärfen und Unebenheiten aus dem Blatt herauszuarbeiten. Zu Beginn des Filmes dengelt der Sensenmann eine Sense am Dengelstein. Als Schauplatz für einen Krimi erweckt dieser Ort bei den Lesern ganz unterschiedliche Bilder und macht die Geschichte von Anfang an spannend.


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