Grips


1

Mach mit! Übung 3

Stand: 26.10.2011 | Archiv

3. Beantworte die folgenden Fragen zum Text

Überleitung

Immer wieder wird Kluftinger durch Gegenüberstellung mit seinen "Gegnern" genau charakterisiert. In der folgenden Szene  muss er mit Dr. Langhammer in ein Erlebnisbad, was für ihn wie ein Ausflug in die Hölle ist.

Aufgabe

Lies den Text und beantworte die Fragen

Nimm Stift und ein Blatt Papier zur Hand. Lies dir die folgende Leseprobe genau durch und beantworte im Anschluss die Fragen.

Lies dir den Text sehr genau durch! Um Fragen zum Text zu beantworten, muss man diesen vorher sehr genau lesen.

Leseprobe

"Erntedank",

Ein Zwiespalt der Gefühle tobte im Kommissar, als er auf dem Parkplatz des großen neuen Erlebnisbades in Kempten stand und auf das Eintreffen seiner Frau und des Ehepaars Langhammer wartete. ...
Er war nie ein großer Schwimmer gewesen. Genau wie er das Fliegen nicht mochte, hatte er auch mit dem Baden nicht viel am Hut, fühlte sich einfach wohler, wenn er festen Boden unter den Füßen hatte. Er war eben mehr für das Ergründliche. Er legte sich gerne einmal in die Liege im eigenen Garten, wo er sich keine Gedanken darüber machen musste, ob er vielleicht für ein so freizügiges Auftreten nicht schon zu sehr aus dem Leim gegangen war.
Außerdem wurden hier, im Angesicht der neuen Schwimmhalle, Erinnerungen heraufbeschworen, die er tief in sich vergraben hatte. Seine Grundschule hatte ein eigenes kleines Becken im Keller gehabt, eine für die damalige Zeit sehr fortschrittliche Einrichtung. Kluftinger aber hatte sie gehasst. Vor allem die Umkleidekabine. Weil seine Mutter stets darauf geachtet hatte, dass er auch warm genug angezogen war, hatte sie die langen Uniform-Unterhosen seines Vaters, der ebenfalls bei der Polizei gewesen war, etwas gekürzt und ihrem Sprössling angezogen. Und zwar von Oktober bis März. Ein gefundenes Fressen für die anderen, normal gekleideten Kinder, die ihn deswegen andauernd verlacht hatten. Und dann konnte er auch nicht tauchen. Nach etwa zehn Sekunden unter Wasser hatte er immer den hochroten Kopf aus dem Wasser strecken müssen, um wie ein Fisch auf dem Trockenen nach Luft zu japsen.
"Na, Sie können's wohl kaum noch erwarten?"
Eine Hand hatte sich auf seine Schulter gelegt und an der Stimme und den manikürten Nägeln erkannte er, dass es die von Dr. Martin Langhammer war. Kluftinger drehte sich um und versuchte ein Lächeln als Antwort auf Langhammers Vermutung, die nicht weiter von der Realität hätte entfernt sein können.
"Grüß dich", sagte seine Frau, hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und drückte ihm eine Ledertasche, begleitet von den Worten "deine Badesachen", in die Hand. ...
...
Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatten, umfing sie sofort schwül-warme Luft, deren Temperatur um mindestens dreißig Grad über der im Freien zu liegen schien. So jedenfalls empfand es Kluftinger, und ihm entging auch nicht der charakteristische, beißende Chlor-Geruch. Er dachte kurz daran, allmählich mit dem Vortäuschen einer Chlorallergie zu beginnen, was sein Badeproblem ein für alle Mal lösen würde.
...
Als Kluftinger das Wort "Sauna" vernahm, erstarrte er. Er hatte sich innerlich mit dem Gedanken abgefunden, sein leicht aus der Form gekommenes Hinterteil und seinen recht ausladenden Bauch in einer Badehose zur Schau zu stellen, aber von einer Sauna war bisher nie die Rede gewesen.
"Nur dreimal. Für mich keine Sauna."
Den fragenden Blick seiner Frau beantwortete er prompt: "Die Sauna ist mir viel zu heiß. Und ich weiß auch nicht, ob mein Kreislauf das im Moment mitmacht", zischte er. Dass er schlicht und einfach damit Probleme hatte, sich vor anderen Menschen gänzlich zu entkleiden, behielt er für sich.
"Ach, Sie haben ja einen guten Arzt dabei", tönte Langhammer aus dem Hintergrund. Gute Ohren hatte er also auch.
"Viermal", sagte seine Frau zur Kassiererin in einem Tonfall, der deutlich signalisierte, dass die Diskussion damit beendet war.
Wenige Minuten später stand Kluftinger in einer der viel zu engen Kabinen und packte die Tasche aus, die ihm seine Frau mitgegeben hatte.
Der Anblick der Badehose traf ihn unvermittelt und wirkte wie ein kleiner Schock: Gut, er hatte schon ein paar Jahre lang keine mehr angehabt, aber er war sich sicher, dass er noch andere zu Hause hatte. Die, die Erika ausgesucht hatte, war in seinen Augen der größte anzunehmende Hosenunfall: Auf dem in orange gehaltenen Grund waren diese psychedelisch anmutenden, braunen Kreise angebracht, wie sie für die Mode der siebziger Jahre typisch gewesen waren. Das Schlimmste aber war der Schnitt: Selbst für Kluftinger, der sich nie zu Boxershorts als Unterhosen hatte durchringen können, war diese Hose eindeutig zu knapp.
...
Mit einem Seufzer, der aus dem tiefsten Inneren zu kommen schien, machte er sich daran, sich umzukleiden. Und das stellte sich in dieser engen Kabine als besonders schwierig dar. Als seine nackten Füße zum ersten Mal den Kabinenboden berührten, setzte er sich blitzschnell auf das kleine Bänkchen und zog die Knie an die Brust. Mit den Augen inspizierte er den Boden: Ein feuchter, dickflüssiger Film, gesprenkelt mit Flusen und gekräuselten Haa­ren, bedeckte die weißen Kacheln und in Kluftinger stieg ein Ekelgefühl hoch, das ihn an den aufkeimenden Brechreiz erinnerte, den er in mit ähnlich schmierigem Belag ausgestatteten Freibad-Toiletten immer verspürt hatte. Wenn er sich vorstellte, was für bevölkerungsreiche Keim-Kolonien sich in jedem Tropfen dieser Flüssigkeit tummelten ... Vor allem vor Fußpilz hatte er eine Heidenangst, seitdem er einmal gehört hatte, dass der auch den Knochen angreifen könne.
...
Da fiel sein Blick in den Spiegel.
Es war schlimmer, als er es sich vorgestellt hatte: Sein Bauchansatz, wie er ihn so gern verharmlosend nannte, hing vorne so weit über die Badehose, dass sie nur noch zum Teil zu sehen war. Die Gummizüge der Hose schnitten sich tief in seine bleichen Beine, was die nackte Haut drumherum besonders stark hervorquellen ließ. Hinten verdeckte der Slip gerade so viel, wie nötig war, um nicht als Exhibitionist am Eintritt in den Schwimmbereich gehin­dert zu werden. Kluftinger erinnerte sich wehmütig an die Zeit, als die Hose noch nicht ganz so eng gesessen hatte. Dass die orange Farbe seine Haut noch käsiger erscheinen ließ, registrierte er schon gar nicht mehr.
...
Als auch er das Hallenbad betrat, nahm er zwei Dinge auf einmal wahr: Erstens den schier unerträglichen Lärm, ein Gemisch aus spitzen Schreien, dumpfem Grollen und unaufhörlichem Plätschern. Zweitens: den Doktor. Braun gebrannt stand er in einer eng anliegenden, mintgrünen Short am Beckenrand, und obwohl er sogar ein paar Jährchen älter war als Kluftinger, erkannte er kaum ein Gramm Fett an seinem Körper. Er war nicht sehr muskulös, aber drahtig, was die zahllosen Kilometer erahnen ließ, die er in den letzten Jahren gejoggt sein musste. Als er sich umdrehte und Kluftinger sah, grinste er mit seinen perfekten, sicherlich bekronten Zähnen und winkte den Kommissar zu sich her. Kluftinger hasste ihn in diesem Moment mehr denn je.

Frage 1

Kommissar Kluftinger hasst Schwimmbäder und sieht sich vom Ehepaar Langhammer und seiner Frau gezwungen mit in das Erlebnisbad zu gehen. Weshalb mag er keine Schwimmbäder?

a) Er ist auf Chlor allergisch und bekommt einen roten Ausschlag im Schwimmbad.
b) Bereits der Schwimmunterricht in der Grundschule war unangenehm für ihn.
c) Er mag seinen Körper nicht zur Schau stellen.
d) Er fürchtet sich vor Fußpilz.
e) Er hat generell nicht viel für Sport übrig, Schwimmen bildet da keine Ausnahme.
f) Er kann nicht schwimmen.

Antwort 1

Richtig sind:

b) Bereits der Schwimmunterricht in der Grundschule war unangenehm für ihn.
c) Er mag seinen Körper nicht zur Schau stellen.
d) Er fürchtet sich vor Fußpilz.
e) Er hat generell nicht viel für Sport übrig, Schwimmen bildet da keine Ausnahme.

Frage 2

Am Ende der Leseprobe wird beschrieben, dass Kluftinger Langhammer in diesem Moment mehr hasst denn je. Objektiv betrachtet hat Langhammer ihm rein gar nichts getan. Warum hasst er ihn trotzdem?

a) Kluftinger wird von Langhammer oft zu Freizeitaktivitäten genötigt, die ihm überhaupt keinen Spaß machen.
b) Ohne es jemals zuzugeben – ein bisschen neidisch ist Kluftinger auf das gute Aussehen von Dr. Langhammer schon.
c) Kluftinger glaubt, dass Langhammer in seine Frau verliebt ist.
d) Kluftinger hasst Dr. Langhammer, weil er die gleiche Badehose trägt wie er.
e) Dr. Langhammer lässt Kluftinger wie so oft seine Überlegenheit spüren.

Antwort 2

Richtig sind:

a) Kluftinger wird von Langhammer oft zu Freizeitaktivitäten genötigt, die ihm überhaupt keinen Spaß machen.
b) Ohne es jemals zuzugeben – ein bisschen neidisch ist Kluftinger auf das gute Aussehen von Dr. Langhammer schon.
e) Dr. Langhammer lässt Kluftinger wie so oft seine Überlegenheit spüren.


1