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GRIPS Deutsch 19 Richtiges Argumentieren und Erörtern

Der erste Urlaub alleine mit Freunden? Eine super Idee. Aber wie überzeugst du deine Eltern davon? Jetzt ist gekonntes Argumentieren gefragt und wir zeigen dir, wie's geht. Und wie du eine schriftliche Argumentation aufbaust.

Stand: 29.08.2011 | Archiv

Illustration GRIPS Deutschlehrerin- Lektion 19 | BR | Bild: BR

Wie kannst du Informationen zu einem Thema finden, eine Gliederung verfassen und einzelne Argumente klug auflisten? Aus welchen Teilen besteht eine sinnvolle Argumentation? Hier findest du die wichtigsten Tipps für eine gelungene Erörterung.

Um welches Thema geht es?

Tipp für die Prüfung

In Prüfungsaufgaben begegnen dir oft unterschiedliche Begriffe für das Argumentieren: erörtere, beziehe Stellung, verfasse eine Stellungnahme - damit ist das schriftliche Argumentieren gemeint!

Zunächst muss dir klar sein, welches Thema tatsächlich im Mittelpunkt steht. Wenn es darum geht, ob Bahn fahren besser als Auto fahren ist, dann will niemand wissen, ob du einen Führerschein hast. Man möchte wissen, welche Vorzüge das Auto oder der Zug hat. Nur wenn du dir also sicher bist, worum es geht, kannst du auch passende Argumente für oder gegen etwas finden.

Unser Thema

Ist die Kartbahn als Ausflugsziel für deine Freunde geeignet? Was spricht dafür und was dagegen?

Tipps für eine gelungene Argumentation

Tipp 1: Als Erstes brauchst du Informationen zum Thema.
Tipp 2: Mach ein Brainstorming und leg eine Mindmap an. Mach eine Stoffsammlung.
Tipp 3: Ordne deine Argumente und Gedanken unter Oberbegriffe; ordne sie nach für (pro) und wider (kontra).
Tipp 4: Erstelle eine einfache Gliederung.
Tipp 5: Baue deine Argumentation auf aus:
- einer Einleitung, die zum Thema hinführt;
- einem Hauptteil mit den Argumenten; das wichtigste als letztes Argument;
- einem Schluss, mit einer eigenen Meinung.

Wie mache ich eine Erörterung?

Eine Erörterung besteht immer aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss. Aber bevor du loslegst, solltest du dir zunächst Gedanken zu dem Thema machen und deine Ideen in einer Stoffsammlung sammeln.

Wo findest du Informationen zum Thema? (Stoffsammlung)

Aller Anfang ist schwer!
Nur mit genauen Informationen und Beispielen gelingt dir eine überzeugende Argumentation. Google / Durchsuche das Internet! Befrage einen Experten oder sammle eigene Erfahrungen zum Thema. Schreibe die gewonnenen Informationen in einem sogenannten Brainstorming auf. Dazu legst du eine Mindmap an.

Begriffserklärungen

Brainstorming: Ein Verfahren, bei dem man zu einem Thema spontane Einfälle sammelt und aufschreibt. Brainstorming ist der englische Begriff für eine Methode des Ideensammelns.

Mindmap (Mind = Gedanken, Geist; Map = Plan, Entschlüsselung; "Gedankenkarte"): Eine Mindmap hilft dir, möglichst viele Ideen und Gedanken zu einem bestimmten Stichwort oder Thema zu finden. Du schreibst das Stichwort in die Mitte eines unlinierten Blattes, dann schreibst du deine Gedanken rundherum auf und verbindest sie mit einer Linie mit dem Wort in der Mitte. Zu einigen gefundenen Begriffen hast du weitere Ideen. Verbinde diese mit weiteren Linien.

Wie ordnest du die Informationen richtig? (Stoffordnung)

Ordnung ist die halbe Miete, deshalb solltest du deine Gedanken zunächst ordnen:

  • 1. Viele deiner Ideen passen inhaltlich zusammen? Dann sammle zusammengehörige Gedanken unter sogenannten Oberbegriffen.
  • 2. Jetzt kannst du dir überlegen, welche Punkte für (pro) den Besuch der Kartbahn und welche dagegen (kontra) sprechen.

Erörterungsarten

Es gibt Argumentationen, bei denen nur eine Seite eines Themas diskutiert werden soll (lineare Erörterung), zum Beispiel nur die Vorteile oder nur die Nachteile. Bei vielen Erörterungsthemen wird dagegen verlangt, Vor- und Nachteile zu erörtern (dialektische Erörterung).

Schau dir genau die Fragestellung an, damit du enstprechend erörterst.

Wie erstellst du eine einfache Gliederung?

Die richtige Reihenfolge bringt's!
Nun benötigst du einen Schreibplan, also eine Gliederung. Mit ihrer Hilfe vergisst du keine deiner Ideen und Argumente. Aber auch die richtige Anordnung der Argumente in der Gliederung hilft dir überzeugend zu schreiben. Grundsätzlich gilt: Das schwächste Argument am Anfang, das stärkste Argument zum Schluss. Du willst schließlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Wie schreibst du eine Einleitung?

Der erste Eindruck zählt!
Zuerst führst du den Leser mit einer kurzen Einleitung in das Thema ein. Dabei solltest du auf jeden Fall sein Interesse wecken. Das gelingt dir, indem du dich auf ein persönliches Erlebnis, ein aktuelles Ereignis oder auf Zahlen und Fakten beziehst. Auch Redewendungen eignen sich gut als Einstieg in die Einleitung.

Einleitung

Achtung

Keine Argumente in die Einleitung!
Schreibe Argumente erst in den Hauptteil. Wenn du wichtige Behauptungen, Begründungen und Beispiele schon in der Einleitung schreibst, fehlen dir beim Argumentieren im Hauptteil die Worte!

Hinführung

Führe den Leser zum Thema hin!
Ein Überleitungssatz schließt die Einleitung ab und führt zum Hauptteil hin. Er enthält die Themenfrage als Aussagesatz formuliert. Die Einleitung soll Interesse wecken.

Überleitung

Beispiele für einen Überleitungssatz
Aufgrund der großen Beliebtheit der Kartbahnen frage ich mich, ob dieses Ausflugsziel auch für meine Freunde und mich geeignet wäre.
Diese Satzanfänge helfen dir:
- Deshalb stelle ich mir die Frage, ob ...
- Aus diese Grunde frage ich mich, ob ...

Beispiel 1

Mustereinleitung 1: "Ist die Kartbahn als Ausflugsziel für deine Freunde geeignet?"
Es gibt viele Möglichkeiten wie Jugendliche ihre Freizeit verbringen können. Fußball spielen, Kino, Hallenbad oder Eislaufen im Winter sind einige davon. Meine Freunde und ich wollen aber einen außergewöhnlichen Ausflug machen. Durch einen Flyer wurden wir auf das Angebot einer Münchner Kartbahn aufmerksam und stellten uns die Frage, ob das nicht ein geeignetes Ausflugsziel für unsere Clique wäre.

Beispiel 2

Mustereinleitung 2: "Ist die Kartbahn als Ausflugsziel für deine Freunde geeignet?"
Vor allem seit den Erfolgen von Michael Schumacher in der Formel 1 werden Kartbahnen immer beliebter. Es gibt zahlreiche Kartbahnen auf denen auch Hobby-Rennfahrer ihre sportlichen Talente unter Beweis stellen können. Allein in München gibt es sechs verschiedene, die Spaß für Jung und Alt versprechen. Einige meiner Mitschüler fahren regelmäßig Kart und erzählen von ihren spannenden Rennen. Deswegen stelle ich mir die Frage, ob ein Besuch auf der Kartbahn nicht auch ein gutes Ausflugsziel für mich und meine Freunde wäre.

Wie schreibe ich den Hauptteil?

Die Gliederung hilft dir!

Jetzt ist es wichtig, dass du dich an deine Gliederung hältst. Achte darauf, die einzelnen Argumente richtig aufzubauen. Verbinde die einzelnen Argumente durch unterschiedliche Satzanfänge miteinander.

Zum Beispiel mit: des Weiteren ... Anschließend ... Einerseits ... Andererseits ... Abgesehen davon ...

Was kommt in den Schluss?

Achtung

Deine Meinung ist gefragt!
Leite mit einem Satz, der deine Argumente zusammenfasst, zum Schluss über. Am Schluss kannst du dich auf eine aktuelle Information aus den Medien beziehen oder eine Zukunftsaussicht geben. Deine eigene Meinung zum Thema darf auf keinen Fall fehlen.

Wie stehst du zu dem Thema? Was ist deine Meinung? Genau das gehört in den Schluss.
Wie ein möglicher Schluss zum Thema Kartfahren aussehen kann, siehst du an zwei Beispielen, die du hier nachlesen kannst.

Beispiel 1

Möglicher Schluss 1
Es gibt viele Argumente, die gegen einen Besuch auf der Kartbahn sprechen. Der hohe Kostenfaktor und die gesundheitlichen Gründe sind nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem finde ich, dass der Spaß, den man beim Kartfahren als Gruppe haben kann, und die Schulung des Teamgeistes für das Karfahren sprechen. Davon abgesehen, muss man die Kartbahn ja nicht monatlich besuchen. Wenn man etwas von seinem Taschengeld spart, kann man sich das Kartfahren zweimal im Jahr leisten und dabei Freude erleben.

Beispiel 2

Möglicher Schluss 2
Zahlreiche Gründe sprechen für den Besuch der Kartbahn. Natürlich hat diese Freizeitbeschäftigung einen hohen Funfaktor. Ebenso können wir unseren Teamgeist während des Wettkampfs mit Freunden weiterentwickeln. Ich bin aber der Meinung, dass das auch bei Sportarten wie Fußball oder Basketball gut möglich ist. Sie schonen die Umwelt und unseren Geldbeutel und sind davon abgesehen besser für unsere Gesundheit. Denn wo kann man sich besser erholen als bei der Bewegung an der frischen Luft. Vielleicht könnte unsere Clique auch eine Radtour zum Badesee machen. Dort finden wir Tretboote, Sprungbrett und Wasserrutsche und haben sicherlich mehr Erholung als in einer stickigen Karthalle.

Was ist ein Argument?

Jetzt ist dir bekannt, wie man eine Argumentation aufbaut und eine Erörterung schreibt. Doch: Was ist eigentlich genau ein Argument und wie baut es sich auf?

Checkliste

Aufbau

Aus was besteht ein Argument?
In Stellungnahmen und Erörterungen legt man seinen Standpunkt mit Argumenten dar. Dir ist bereits bekannt, wie eine ganze Stellungnahme aufgebaut ist. Auch jedes einzelne Argument muss nach bestimmten Regeln aufgebaut werden. Das funktioniert so: Ein Argument besteht in der Regel aus drei Teilen: Behauptung, Begründung und Beispiel.

Am Ende kann auch noch eine Folgerung kommen.

Behauptung

Behaupten
Wenn du beispielsweise das Argument "Unfallgefahr" ausarbeiten willst, beginnst du mit einer klaren Aussage. Diesen ersten Satz nennt man Behauptung. Um von einem zum anderen Argument überzuleiten, verwendest du unterschiedliche Satzanfänge.

Behauptung: Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die Unfallgefahr beim Kartfahren groß ist.

Begründung

Begründen
Jetzt kommt es darauf an zu begründen, warum die Unfallgefahr groß ist.

Begründung: Denn eine Sportart, die mit hoher Geschwindigkeit zu tun hat, bringt eine Verletzungsgefahr mit sich. Beim Kartfahren sitzt man außerdem sehr niedrig am Boden und kann seinen Körper nur durch den dünnen Rennanzug und einen Helm schützen. Eine schützende Karosserie gibt es nicht.

Beispiel

Beispiel
Deine Begründung bekräftigst du mit einem möglichst konkreten Beispiel. Das heißt, bleibe klar und anschaulich und beginne nicht mit "Meinem Großcousin Thomas ist nämlich auch irgendwann mal beim Kartfahren was passiert!" Mache es lieber so:

Beispiel: Allein im letzten halben Jahr gab es in Bayern sechs Kartunfälle, bei denen die Betroffenen schwer verletzt wurden.

Folgerung

Zusammenfassung
Auch am Ende jeden Argumentes solltest du kurz zusammenfassen. Stütze und bekräftige mit einem kurzen Satz deine Behauptung. Diesen Teil des Arguments nennt man übrigens Folgerung.

Das könnte so aussehen:
Offensichtlich ist das Verletzungsrisiko ein großer Nachteil des Kartfahrens, der gegen unseren Ausflug dorthin spricht.

Also, wenn du alle drei Sätze aneinanderreihst, entsteht dein erstes Argument.

AufbauBeispiel
ÜberleitungDarüber hinaus ist zu bedenken ...
Behauptung... dass die Unfallgefahr beim Kartfahren groß ist.
BegründungDenn eine Sportart, die mit hoher Geschwindigkeit zu tun hat, bringt eine große Verletzungsgefahr mit sich. Beim Kartfahren sitzt man außerdem sehr niedrig am Boden und kann seinen Körper nur durch den dünnen Rennanzug und einen Helm schützen. Eine schützende Karosserie gibt es nicht.
BeispielAllein im letzten halben Jahr gab es in Bayern sechs Kartunfälle, bei denen die Beteiligten schwer verletzt wurden.

Ein Beispiel für ein ausgearbeitetes Argument (Nachteil hohe Kosten)

Auch die hohen Kosten, die beim Besuch der Kartbahn entstehen, sind nachteilig für uns. Im Verhältnis zur kurzen Fahrzeit ist der Preis für das Kartfahren sehr hoch. Für 15 Minuten Fahrt muss man immerhin 16 Euro zahlen. Hinzu kommen Kosten für den Verleih von Sturmhaube und Helm in Höhe von je 1,50 Euro. Auch an das leibliche Wohl will gedacht sein. Getränke und Pizza erfordern zusätzliche Ausgaben. Insgesamt kostet der Besuch der Kartbahn mit 30 Euro ungefähr die Hälfte des monatlichen Taschengeldes eines Jugendlichen. Der hohe finanzielle Aufwand spricht klar gegen die Kartbahn als Ausflugsziel.

Satzanfänge

Abwechslung

Abwechslungsreiches Schreiben
Was tut man, wenn der eigene Text langweilig klingt? Der Grund dafür sind Wortwiederholungen oder immer ähnlich aufgebaute Sätze.

Mach dir doch eine Liste mit unterschiedlichen Satzanfängen, die du immer verwenden kannst! Natürlich solltest du diese üben oder auswendig lernen, damit sie für dich immer verfügbar sind.

Überleitungen

Zum Argument überleiten
Diese Satzanfänge kannst du für die Überleitung zum nächsten Argument verwenden:

- Außerdem sollte man bedenken, dass ...
- Einerseits ... / Andererseits ...
- Darüberhinaus ...
- Abgesehen von ..., ist nicht außer Acht zu lassen, dass ...

Folgerungen

Für Folgerungen geeignet
Diese Satzanfänge kannst du für Folgerungen verwenden:

- Aus meinen Beispielen wird ersichtlich, dass ...
- Es ist offensichtlich, dass ...
- ... spricht deutlich gegen .../ ... spricht deutlich für ...

Achtung: Behältst du den Überblick?

Wie überzeugend deine Argumentation ist, hängt nicht nur vom Aufbau und Inhalt deiner Argumente, sondern auch vom Satzbau ab. Lange Sätze ohne Punkt und Komma sind für den Leser schwer verständlich und oft unlogisch.

Achte auf den Satzbau!

  • Grenze Behauptung, Beispiel und Folgerung klar voneinander ab. Beginne dazu immer einen neuen Satz.
  • Schreibe nicht zu lange Sätze.
  • Begründe in einfachen Nebensätzen (... ist so, denn ...)
  • Verwende Satzzeichen wie Punkt und Komma - überprüfe, ob alle Punkte und Kommas vorhanden sind.

So geht's:

zum Artikel GRIPS Deutsch 19 Erörterung: Musteraufsatz

Hier ein Aufsatz, der als Anregung dienen soll. So könnte eine ausgearbeitete Stellungnahme zu unserem Thema aussehen: Ist die Kartbahn als Ausflugsziel für deine Freunde geeignet? Was spricht dafür und was dagegen. [mehr]


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