Gesundheitstag


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Hilfe bei Schlafapnoe Zungenschrittmacher verhindert Atemaussetzer

Für Schlafapnoe-Patienten birgt die Nacht Gefahr, denn wenn sich nachts Zunge und Gaumensegel entspannen, können die Atemwege ganz versperrt werden und der Atem aussetzen. Rund jeder Zehnte leidet darunter – doch es gibt Hilfe.

Von: Herbert Hackl

Stand: 22.10.2018

Die Betroffenen erleben meist schreckliche Nächte. Immer wenn sich ihr Körper im Schlaf entspannt, erschlafft auch ihre Zungenmuskulatur. Und zwar so sehr, dass die Zunge weit nach hinten in den Rachen fällt und dort die Atemwege blockiert.

Auch können schlaffe Gaumensegel und Gaumenbögen die oberen Atemwege einengen oder zusammen mit der Zunge ganz versperren. Obstruktive Schlafapnoe nennen die Mediziner dieses Krankheitsbild. Etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung leiden darunter. Es ist die häufigste unter den schlafbezogenen Erkrankungen.

Schnarchen und Atemaussetzer

Das unweigerliche Schnarchen, das die Nächte solcher Patienten begleitet, ist dabei das kleinere Übel, auch wenn Partner gerade darunter leiden und kaum erholsamen Schlaf finden. Durch die Blockade der oberen Atemwege kommt es immer wieder zu Atemaussetzern. Der Schlafende bekommt keine Luft mehr, bis schließlich der Körper reagiert, durch Stresshormone "Alarm" signalisiert und den Schlafenden zum Aufwachen zwingt. Die Atmung setzt wieder ein.

Bis zu 60 oder mehr Atemaussetzer pro Stunde sind möglich. Sauerstoffunterversorgung tritt schon nach zehn Sekunden auf. Die längsten Atemaussetzer können bis zu einer Minute dauern. Auf Dauer kann das lebensbedrohliche Folgen haben.

Schwere Folgeerkrankungen

Die Patienten leiden unter:

  • Kopfschmerzen,
  • Tagesschläfrigkeit und
  • Konzentrationsmangel.
  • Ebenso haben sie ein erhöhtes Unfallrisiko und neigen zu
  • depressiven Empfindungen

Durch den Sauerstoffmangel drohen aber noch weit schwerwiegendere Folgen:

  • Der Blutdruck erhöht sich dauerhaft, was schließlich zu einer Reihe von
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann, auch zu
  • Herzinfarkt und
  • Schlaganfall.

Die Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe ist also unbedingt notwendig. Übergewicht und regelmäßiger Alkohol- oder Nikotingenuss gelten als Risikofaktoren.

Atemmasken für die Nacht

Therapie der Wahl ist die Verwendung von sogenannten CPAP-Atemmasken (Continous Positive Airway Pressure). Die CPAP-Masken haben im Prinzip einen sehr guten Behandlungserfolg. Die Atemaussetzer lassen sich damit erheblich reduzieren.

Patientin mit CPAP-Maske

Aber für viele Patienten ist diese Therapie nicht erträglich. Die Masken werden oft als viel zu unbequem und störend empfunden. Auch gibt es manchmal Probleme mit der Funktionalität. Ruhiger, erholsamer Schlaf ist deshalb auch mit Maske oft nicht möglich und sie verschwindet im Schrank.

CPAP Atemmasken

Es gibt sie als:
- Maske über Mund und Nase (full face)
- bis zu kleinen Masken nur für die Nase.
Alle Masken dienen dazu, die oberen Atemwege durch Überdruck offen zu halten. An die Masken ist eine Art Kompressor angeschlossen. Die arbeiten heute sehr leise und pumpen die Luft in die Atemwege.

Zungenschrittmacher

Eine echte Alternative für Patienten, die mit der Maske nicht zurechtkommen, ist ein kleines Gerät. Der ‚Zungenschrittmacher‘ wird, wie ein Herzschrittmacher, unter das Schlüsselbein eines Patienten eingesetzt.

Zungenschrittmacher

Eine Sonde, die von dem Gerät zu Muskeln zwischen den Rippen führt, registriert, wann der Patient im Schlaf einatmet. Der Schrittmacher sendet zeitgleich einen Stromimpuls über eine Elektrode an den Zungennerv. Der Nerv wird gereizt und aktiviert die Zungenmuskulatur. Die Zunge streckt sich nach vorne und gibt so die Atemwege beim Einatmen frei.

Gute Erfolge

Bislang zeigen die klinischen Studien sehr gute Erfolge. Bei etwa 70 Prozent der mit dem Zungenschrittmacher Behandelten ist keine weitere Therapie nötig. Tagesschläfrigkeit und Lebensqualität sind wieder im Normalbereich. Allerdings ist diese Therapie mit 20.000 Euro Kosten ziemlich teuer. Sie wird deshalb nie zur Standard-Therapie werden.

Und sie kann auch nicht bei allen Patienten eingesetzt werden. Zu starkes Übergewicht, zu große Mandeln und Herzerkrankungen schließen eine Operation aus. Auch wenn die Schlafapnoe zentral, also durch eine Fehlsteuerung im Gehirn verursacht wird, kann die Therapie nicht helfen.
Trotzdem bietet der Zungenschrittmacher eine effektive Behandlungsalternative für diejenigen Patienten, die mit der Atemmaske nicht zurechtkommen und so unbehandelt blieben. Im begründeten Einzelfall übernimmt die Krankenkasse deshalb schon heute die Kosten.


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