Gesundheitstag


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Pflanzliche Schlafmittel Erholung ohne Sucht

Schlafstörungen können den Alltag zur Qual machen. Synthetische Schlafmittel wirken meist schnell, doch viele Patienten sorgen sich wegen möglicher Nebenwirkungen und der Suchtgefahr. Pflanzliche Schlafmittel können eine Alternative sein. "Gesundheit!" zeigt, welche Pflanzen helfen und wie sie unseren Schlaf fördern.

Von: Florian Heinhold

Stand: 03.09.2018

Lavendel in Blüte | Bild: picture-alliance/dpa

Früh morgens mit ihrem Hund Gassi gehen – nach einer durchwachten Nacht ist das für Melanie Stangl nicht immer einfach. Sie hat ein Problem, an dem Millionen Deutsche leiden: Schlafstörungen.               

"Ich denke mir immer wieder, es kann nicht sein, dass ich nicht einschlafen kann.  Ich bin hundemüde und finde einfach nicht in den Schlaf."

Melanie Stangl

Schlafmittel: chemisch-synthetisch oder pflanzlich?

Melanie Stangl hat schon viel probiert, auch synthetische Schlafmittel. Die wirkten bei ihr sofort. Doch der Morgen danach bereitete häufig Probleme, Melanie war matt und antriebslos und hatte das Gefühl, sich überhaupt nicht im Schlaf erholt zu haben.
In der Praxis von Dr. Elke Seebach in München sucht sie Rat. Die Allgemeinärztin setzt bei Patienten mit Einschlafstörungen auf pflanzliche Medikamente.

"Der Vorteil der pflanzlichen Mittel ist, dass sie keinen Suchtfaktor haben. Sie wirken nicht nur in die eine Richtung, nämlich edierend, sondern vielmehr balancierend und ausgleichend."

Dr. med. Elke Seebach, Allgemeinärztin, München

Pflanzliche Schlafmittel: Schonende Therapie braucht Zeit

Ein Hauptunterschied ist aber auch: Die pflanzliche Therapie braucht Zeit und knockt die Patienten nicht nach der ersten Tablette aus. Dafür hat die Ärztin bei vielen ihrer Patienten die Erfahrung gemacht, dass der Schlaf erholsamer ist als nach der Einnahme synthetischer Mittel.

Schlaffördernde Pflanzen in der Naturheilkunde

Astrid Gruber schwört auf die bewährten Hausmittel. Mit der Ernte aus ihrem Kräutergarten macht sie zum Beispiel duftende Beruhigungskissen mit Lavendel und Schlaftee aus Hopfen.

Pflanzliche Einschlafhilfen: Vom Hausmittel zum Medikament

Früher beruhte der Einsatz von Heilpflanzen vor allem auf überlieferten Erfahrungen. Mittlerweile gibt es aber auch immer mehr belastbare Daten aus der Forschung. Margit Schlenk ist Expertin für pflanzliche Medikamente bei der Bayerischen Landesapothekerkammer und stellt in ihrem Labor in Neumarkt in der Oberpfalz selbst pflanzliche Beruhigungsmittel her.

"Es ist spannend, dass man heute mit modernen Studien entdeckt hat, dass Pflanzeninhaltsstoffe an den gleichen Rezeptoren andocken, wie es chemische Wirkstoffe können. So kann man heute die Erfahrungsheilkunde auf eine wissenschaftliche Basis stellen und weiß, warum bestimmte Pflanzenwirkstoffe schon über Jahre und Jahrhunderte angewandt wurden."

Margit Schlenk, Apothekerin Bayerische Landesapothekerkammer, Neumarkt  

Pflanzliche Schlafmittel: Forschung bestätigt Wirksamkeit

Pflanzliche Wirkstoffe sorgen also dafür, dass Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, an Rezeptoren im Gehirn andocken, die für unseren Schlaf zuständig sind. Trotzdem können Phyto-Medikamente synthetische Mittel wie Benzodiazepin oder Z-Substanzen nicht komplett ersetzen.

"Es gibt natürlich Patienten, für die die pflanzenheilkundliche Wirkung nicht ausreicht, für die die schlafanstoßende Wirkung zu gering ist. Es gibt auch Fälle, in denen man den Patienten aus einer aggressiven Gesamtsituation herausholen und ihm den Schlaf mit synthetischen Schlafmitteln ermöglichen muss."

Margit Schlenk, Apothekerin Bayerische Landesapothekerkammer, Neumarkt

Pflanzliche Schlafmittel: komplementärer Einsatz in der Schulmedizin

Pflanzliche Schlafmittel haben ihre Grenzen. Sie spielen trotzdem eine immer wichtigere Rolle in der Medizin, zum Beispiel bei der begleitenden Behandlung von schwerkranken Patienten.

Am Zentrum für Komplementärmedizin des Klinikums rechts der Isar in München setzen die Ärzte pflanzliche Wirkstoffe bei der Behandlung von Tumorpatienten mit Schlafstörungen ein. Dr. Axel Eustachi stellt für jeden seiner Patienten eine individuelle Kombination von Wirkstoffen zusammen, die die Patienten meist in Form von Tinkturen einnehmen.

"Die Erfahrungsheilkunde kombiniert in der Regel mehrere Heilkräuter miteinander. Es gibt eine Reihe neuerer Studien, die in die Richtung deuten, dass die Kombination von mehreren schlaffördernden Kräutern, zum Beispiel Baldrian, Hopfen und Passionsblume, eine bessere Wirkung hat, als wenn man das Kraut für sich genommen gibt."

Dr. med. Axel Eustachi, Facharzt für Allgemeinmedizin, Klinikum rechts der Isar, München

Mit pflanzlichen Schlafmitteln & Lebensstiländerungen zu erholsamem Schlaf

Am besten verbindet man pflanzliche Beruhigungsmittel mit Verhaltensänderungen wie:

  • viel Bewegung an der frischen Luft,
  • einem schlaffördernden Umfeld daheim sowie
  • dem Verzicht auf Lichtquellen wie Bildschirmen während des Einschlafens.


So macht es auch Melanie Stangl. Dank Baldrian und Hopfen hat sie ihr Schlafproblem mittlerweile in den Griff bekommen.


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