Gesundheitstag


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Die fünf größten Rücken-Irrtümer Richtiger Umgang mit Rückenschmerzen

Fast jeder kennt sie: Rückenschmerzen. 85 Prozent aller Deutschen haben sie mindestens einmal im Leben. Sie zählen zu den drei häufigsten Ursachen für Krankschreibungen und Frühverrentung. Aber um den richtigen Umgang mit Rückenschmerzen ranken sich immer noch hartnäckige Mythen. Sollte man sich schonen, Schmerzmittel einnehmen oder hilft womöglich nur eine Operation? "Gesundheit!" räumt weitverbreitete Rückenirrtümer aus.

Von: Jonathan Schulenburg

Stand: 07.11.2017

Irrtum 1: Rückenschmerzen sind eine Frage des Alters

Der Münchner Orthopäde Dr. Martin Marianowicz beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit dem Rücken. Er weiß: Rücken-Patienten werden immer jünger.

Laut einer DAK-Studie von 2017 klagen 30 Prozent der Schüler zwischen 10 und 18 Jahren regelmäßig über Rückenschmerzen. 75 Prozent aller Rückenprobleme treten zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr auf.

"Früher war die Lehrmeinung, dass man unter 21, 22 Jahren keinen Bandscheibenvorfall haben kann. Heute sind meine jüngsten Patienten 13 oder 14 Jahre jung."

Dr. med. Martin Marianowicz, Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie und Schmerztherapie, München

Irrtum 2: Bei Rückenschmerzen helfen Bettruhe und schonen

"Bewegung heilt. Die Zeiten, wo man gesagt hat: Sie müssen zwei Wochen ins Bett und Würfel unter die Knie, sich nicht bewegen, die sind lange vorbei. Die Ergebnisse waren katatstrophal, gerade für die Wirbelsäule."

Dr. med. Martin Marianowicz, Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie und Schmerztherapie, München

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bekommen fast die Hälfte der Patienten immer noch Ruhe und Schonung verschrieben. Dr. Marianowicz sagt seinen Patienten, dass sie sich bewegen müssen. Er rät: Wer beim Gehen keine Schmerzen hat, der sollte mehrmals täglich kleine Spaziergänge einbauen.

Irrtum 3: Große Muskeln helfen gegen Rückenschmerzen

Physiotherapeut Florian Endrich hat viele Patienten, die falsch trainieren.

"Die dicken, großen Muskeln brauchst du eigentlich nicht. Wir wollen stattdessen die Stabilisationsmuskulatur trainieren, die tiefe Muskulatur. Das ist die kleine Muskulatur - die große oberflächliche Muskulatur ist eigentlich nur die Fassade. Wir wollen aber das Fundament trainieren."

Florian Endrich, Physiotherapeut, München

Zwerchfell, Rücken, Bauch und Gesäßmuskulatur sind wichtig, um die Lendenwirbelsäule zu stabilisieren. Dabei kommt es auf die Kraftausdauer an, also wie lange ein Muskel eine Belastung aushalten kann. Eine Übung zehn Sekunden halten und dann fünf Mal wiederholen. Auf Übungen wie Sit-ups oder Crunches sollte man verzichten. Sie schaden dem Rücken.

Irrtum 4: Der Rücken muss beweglich sein

Dem widerspricht Dr. Stuart McGill. Er ist Professor für Biomechanik in Kanada und forscht seit über 30 Jahren über den Rücken. Er entdeckte schon vor Jahren die Risiken von Übungen wie Sit-ups.

"Wir haben das untersucht: Je flexibler man im Rücken ist, desto größer ist das Risiko, Rückenschmerzen zu bekommen."

Prof. Dr. Stuart McGill, Professor für Biomechanik, Universität von Waterloo, Kanada

Ein sehr beweglicher Rücken ist Risikofaktor für Rückenschmerzen.

Schon einfaches Nachvornebeugen belaste die Wirbelsäule mit bis zu 300 Kilogramm Gewicht. Die Wirbelsäule ist keine freistehende Säule, die die ganze Last alleine trägt. Laut McGill haben Muskeln und Bänder die Funktion von Spannseilen, die unsere Wirbelsäule umgeben und schützen.

Irrtum 5: Oft bleibt nur eine Operation

Rückenschmerzen: Neun von zehn Operationen sind laut Techniker Krankenkasse überflüssig,

Laut einer Studie landeten im Jahr 2015 über 770.000 Patienten auf dem OP-Tisch. Zehn Jahre zuvor waren es noch halb so viele. Dr. Marianowicz kritisiert, dass bei uns in Deutschland zu viel operiert wird. 80 Prozent der Operationen seien unnötig, sagt er. Die Techniker Krankenkasse geht sogar davon aus, dass neun von zehn Operationen unnötig sind.

"Auch wenn die Aufklärung zugenommen hat und immer mehr Menschen wissen, dass vorschnell operiert wird, haben sich die Operationszahlen nicht nach unten bewegt."

Dr. med. Martin Marianowicz, Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie und Schmerztherapie, München

  • Gesundheit! Rückenschmerzen: fünf häufige Irrtümer. 11.04.2017, 19:00 Uhr, BR Fernsehen

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