Gesundheitstag


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Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule Unspezifische Symptome, schwierige Diagnose

Schwindel, Übelkeit, Herzstechen, Fußhebeschwäche – das alles können Anhaltspunkte für einen Bandscheibenvorfall an der Brustwirbelsäule sein. Gerade weil viele Symptome unspezifisch sind, haben Patienten nicht selten einen langen Leidensweg bis zur Diagnose.

Von: Katharina Kerzdörfer

Stand: 07.11.2017

Dr. Josef Ramsbacher hat immer wieder Patienten in seiner Praxis, bei denen der Bandscheibenvorfall an der Brustwirbelsäule erst spät erkannt wurde. Das hat vor allem zwei Gründe:

"Der Bandscheibenvorfall an der Brustwirbelsäule ist deutlich seltener und betrifft nur etwa zwei Prozent aller Bandscheibenvorfälle. Die Symptome sind unspezifischer und sind deutlich zum Beispiel zu verwechseln mit Lungenproblemen, Herzproblemen oder Magenproblemen."

Dr. med. Josef Ramsbacher, Facharzt für Neurochirurgie, Berlin

Schwierige Diagnose: Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule

Im Bereich der Lenden- oder Halswirbelsäule ist die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls in der Regel leichter. Eindeutige Symptome, wie Lähmungserscheinungen, weisen direkt auf die jeweilige Erkrankung hin.

Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule: Unspezifische Symptome

Je nachdem, wo genau an der Brustwirbelsäule sich der Bandscheibenvorfall befindet, können die Beschwerden ganz unterschiedlich sein.

Symptome, wenn der Bandscheibenvorfall auf das Rückenmark drückt:

  • Gefühlsstörungen
  • Schmerzen in den Beinen
  • Probleme bei der Blasen- und Darmentleerung, wenn der Druck besonders groß ist. Es wird auch von einer Querschnittssymptomatik gesprochen.

Symptome, wenn der Bandscheibenvorfall direkt auf einen Nerv drückt:

  • starke Schmerzen: Der Schmerz strahlt oft von der Wirbelsäule bis vor zur Körpermitte aus.
  • Gefühlsstörungen zum Beispiel im Bereich des Brustkorbs, die von Patienten nicht immer bemerkt werden
  • Übelkeit und Schwindel

Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule: Die richtige Therapie

Haben die Patienten akut starke Schmerzen, werden in der Regel Schmerzmittel verschrieben. Zum Muskelaufbau und zur Stabilisierung der Wirbelsäule sind Sport und Krankengymnastik wichtige Bestandteile der konservativen Therapie. Kommt es zu neurologischen Ausfällen, muss operiert werden, erklärt Dr. Thomas Westermaier vom Universitätsklinikum Würzburg.

"Ein typisches Leitsymptom ist eine Gangstörung als Ausdruck für eine Druckschädigung des Rückenmarks. Wenn das so ist, dann besteht eine dringende Operationsindikation, um das Rückenmark zu entlasten und eine Erholung möglich zu machen."

Privatdozent Dr. med. Thomas Westermaier, Facharzt für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Würzburg

Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule: Operation mit Risiken

Die Operation an der Brustwirbelsäule gilt als riskanter und komplizierter als ein Eingriff an der Lenden- oder Halswirbelsäule.

Bei den Halswirbeln verläuft zwar Rückenmark, Ärzte können aber hier von vorne operieren, damit das Rückenmark beim Eingriff nicht verletzt wird. Im Lendenwirbelbereich sind OPs ebenfalls oft nicht so heikel, denn dort verläuft kein Rückenmark mehr, es kann von hinten operiert werden.

Liegt der Vorfall im Bereich der Brustwirbel, ist das anders. Hier verläuft Rückenmark und das darf nicht verletzt werden. Sonst droht die Gefahr einer Querschnittslähmung. Der Eingriff muss meistens von hinten seitlich erfolgen. Und das ist gefährlich.

"Diese Strukturen und Organe, die im operativen Zugangsweg liegen, beziehungsweise im Operationsgebiet, können geschädigt werden. Also die Lunge, die großen Gefäße und eben das Rückenmark. Und bei letzterem wäre das Schlimmste durch einen zusätzlichen Schaden durch die Operation ein Querschnittssyndrom."

Privatdozent Dr. med. Thomas Westermaier, Facharzt für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Würzburg

  • Gesundheit! Bandscheibenschäden der Brustwirbelsäule. 11.10.2016, 19 Uhr, BR Fernsehen

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