Gesundheitstag


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Studie mit Parkinsonpatienten Karate gegen Parkinson

Der Welt-Parkinson-Tag: An diesem Tag wird an die immer noch unheilbare Krankheit erinnert, an der geschätzt bis zu 400.000 Menschen erkrankt sind, allein in Deutschland. Eine Studie der Uni Regensburg versucht herauszufinden, ob Karate Patienten helfen kann.

Von: Julia Grantner

Stand: 10.04.2017

Sie kicken die Füße in die Luft, boxen mit den Armen - doch die Teilnehmer dieser Karatestunde kämpfen nicht nur für sich selbst. Sie kämpfen gegen die Krankheit Parkinson an und gleichzeitig für die Wissenschaft.

Studie: Mit Karate gegen Parkinson

Ein halbes Jahr werden die Teilnehmer im Auftrag der Uni Regensburg trainieren. Katharina Dahmen-Zimmer leitet die Studie: Sie ist Psychologin und trainiert selbst seit Jahren Karate. Weil sie aus eigener Erfahrung weiß, wie Karate auf den gesamten Körper wirkt, kam sie auf diesen außergewöhnlichen Forschungsansatz.

"Karate ist eine Sportart, die den ganzen Körper mit einbezieht und diese Gesamtbewegungen sind besonders sinnvoll und nützlich, wenn Bewegungseinschränkungen vorliegen."

Dr. Katharina Dahmen-Zimmer, Institut für Psychologie, Universität Regensburg

Karate: positiver Effekt auf die Motorik?

Die Psycholologin möchte herausfinden, ob Karate einen positiven Effekt hat auf die Motorik der Teilnehmer. Vor allem den Gleichgewichtssinn könnte Karate verbessern. Da die psychologischen Auswirkungen von Parkinson weltweit nur selten erforscht wurden, legt Katharina Dahmen-Zimmer zusammen mit ihrer Kollegin Petra Jansen bei der Studie deshalb hierauf den Schwerpunkt.

"Bei Parkinson ist es ja so, dass sich viel auf die Motorik konzentriert, weil es eine motorische Störung ist, aber natürlich ist es auch bekannt, dass es zu kognitiven Beeinträchtigungen führt. Das emotionale Wohlbefinden wird eigentlich vernachlässigt und deshalb haben wir uns gedacht, wollen wir uns besonders darauf konzentrieren."

Prof. Dr. Petra Jansen, Institut für Sportwissenschaft, Universität Regensburg

Karate-Studie: Welche Veränderungen gibt es?

Vor dem ersten Training haben die Teilnehmer Fragebögen ausgefüllt:  Abgefragt wurde der emotionale Zustand, zum Beispiel, ob sich die Patienten niedergeschlagen gefühlt haben in den vergangenen Tagen. Nach der sechsmonatigen Trainingsphase müssen die Teilnehmer die gleichen Fragen noch einmal beantworten. Über eine Kontrollgruppe, die nur die Fragen beantwortet, allerdings dazwischen kein Training erhält, wird dann ausgewertet, ob sich die Werte der Karate-Gruppe durch das Training verbessert haben.

Die Krankheit Parkinson

Bei Parkinsonkranken sterben Nervenzellen im Gehirn ab, genauer in einem bestimmten Hirnareal, der Substantia Nigra. Dadurch kommt es zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin. Die Kommunikation der Nervenzellen untereinander ist gestört. Es kommt zu einer Verlangsamung und Ausführung willkürlicher Bewegungen. In 80 Prozent der Fälle tritt die Erkrankung ohne erkennbare Ursache auf. Manchmal ist sie erblich bedingt. Die bekannteste Folge ist der „Tremor“, das Zittern.

Medikamente: die wichtigste Säule der Parkinson-Behandlung

"Wir brauchen einen gewissen Botenstoff, der heißt Dopamin. Wenn dieser Botenstoff fehlt, muss man versuchen, ihn mit Medikamenten zu ersetzen.Und da gibt es ein Dutzend verschiedene, die man nehmen kann, und die dann versuchen, den Botenstoff im Gehirn möglichst gut anzureichern."

Dr. med. Roland Benkowitsch, Neurologe, Neutraubling

Parkinson: körperliche Fitness und Beweglichkeit erhalten

"Schauen Sie sich Sportler oder Musiker an. Wenn die nicht jeden Tag intensiv ihre Bewegungen einüben, dann können sie das nicht mehr. Für den Parkinson-Patienten ist eben die Alltagsbewegung, das Aufstehen, das Gehen, Besteck benutzen, das ist seine Herausforderung sozusagen. Durch diesen schleichenden Verlust der Nervenzellen wird diese Beweglichkeit immer schlechter und nur dadurch, dass er es immer wieder einübt, sozusagen gegen den Verlust der Beweglichkeit ankämpft, kann er seine Beweglichkeit aufrechterhalten."

Dr. med. Roland Benkowitsch, Neurologe, Neutraubling

Karate gegen Parkinson: begeisterte Studienteilnehmer

Die Trainingsphase ist mittlerweile abgeschlossen. Die Forscherinnen der Uni Regensburg sind gerade dabei, die Daten akribisch auszuwerten. Einhundertprozentig fixe Ergebnisse gibt es noch nicht, die Aussagen der Teilnehmer aber sprechen für sich.

Bei manchen hat sich der Gleichgewichtssinn verbessert, viele können sich fließender bewegen und berichten von einer großen Verbesserung der psychischen Befindlichkeit.

Das sagen die Teilnehmer der Studie:

"Ich fühl mich nach der Stunde, die wir bis jetzt immer hatten, immer ganz anders, viel fitter und was auch die Krankheit betrifft, viel ausgewogener und einfach besser.

Ich denke, dass man es als Betroffener gar nicht so deutlich merkt, wie die Angehörigen. Meine Frau hat gesagt, dass die Beweglichkeit deutlich besser geworden ist.

Wenn ich jetzt (nach dem Training) heimkomme, dann bin ich ein anderer Mensch, da will ich was unternehmen, was machen, ich könnte Bäume ausreißen."

Studienteilnehmer

Karate gegen Parkinson: Sinnvoller Ansatz?

Ob es wirklich sinnvoll ist, mit Karate gegen Parkinson anzukämpfen? Die endgültigen Ergebnisse erwarten die beiden Forscherinnen im Sommer. Einen Erfolg können sie allerdings bereits verbuchen: Die Mehrheit der Teilnehmer möchte weiter Karate trainieren- zwar nicht mehr für die Wissenschaft, aber gegen die Krankheit Parkinson.


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