Gesundheitstag


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Meditation Ideal zur Stressbewältigung

Wer regelmäßig meditiert, tut seinem Körper etwas Gutes, kommt zur Ruhe und entspannt. Das ist sogar messbar: Die Hirnaktivität verändert sich, der Herzschlag wird langsamer, die Atmung tiefer. Doch Meditation ist nicht nur ein ideales Anti-Stress-Training; sie hilft auch bei psychosomatischen Erkrankungen.

Von: Antje Maly-Samiralow

Stand: 19.03.2018

Menschen, die in Meditation versunken sind, strahlen eine große Ruhe aus. Es scheint, als seien sie ganz bei sich. Tatsächlich berichten Meditierende, dass sie durch regelmäßige Meditation zur Ruhe gekommen sind und zu sich gefunden haben. Dass Meditation jedoch nicht nur den Geist beruhigt, sondern auch positive Effekte auf die Gesundheit hat, rückt immer mehr in den Fokus humanwissenschaftlicher Forschung.

Was ist Meditation?

"Das Ziel einer jeden Meditation ist, den Geist zur Ruhe zu bringen. Dazu gibt es mannigfaltige Möglichkeiten: Die einen konzentrieren sich auf einen Klang, andere auf ein Mantra, wieder andere auf eine Kerzenflamme oder auf den Atemrhythmus. All das dient letztlich dazu, den Geist auf eine Sache zu fokussieren und zu beruhigen."

PD Dr. Niko Kohls, humanwissenschaftliches Zentrum der LMU München

Warum meditieren Menschen?

Die Gründe, die den Einzelnen dazu bewegen, Meditation zu erlernen und zu praktizieren, sind individuell verschieden. Viele wollen ihr Bewusstsein erweitern, geistige Klarheit erlangen, einen anderen Blick auf sich selbst und die Welt bekommen. Andere meditieren, um strukturierter denken zu können bzw. kreativer zu sein. Vermutlich trachten auch viele Menschen nach einem Zustand der Erleuchtung, so wie ihn Buddha, Siddhartha Gautama, erfahren haben.

Heutzutage, in einer Zeit, in der stressbedingte Erkrankungen wie Burnout überhandnehmen, suchen viele Menschen nach einem Weg, trotz aller Hektik bei sich bleiben zu können.

Meditation hilft gegen Stress und Schmerzen

Etwa seit Ende der 70er-Jahre wird die Wirkung von Meditation auf menschliche Stressreaktionsmuster und die daraus resultierenden Folgeschäden wissenschaftlich untersucht. Der amerikanische Molekularbiologe Prof. Dr. Jon Kabat-Zinn hat die - aus der fernöstlichen Tradition stammenden - Meditationspraxen aus ihrem religiösen Kontext gelöst und sie auf eine Entspannungstechnik reduziert, die der Gesunderhaltung dient.

Ursprünglich wollte Jon Kabat-Zinn chronischen Schmerzpatienten, denen mit den herkömmlichen Therapieansätzen der Schulmedizin nicht geholfen werden konnte, eine Möglichkeit an die Hand geben, besser mit ihren Schmerzen umgehen und sie auf diesem Wege lindern zu können.

Das Mindfulness-Based-Stress-Reduction Programm

Das von ihm entwickelte Mindfulness-Based-Stress-Reduction Programm, was so viel wie „achtsamkeitsbasierte Intervention zur Stressreduktion“ bedeutet, wird heute in vielen Kliniken weltweit angeboten.

Patienten lernen durch ein gezieltes Aufmerksamkeitstraining unter anderem, eine andere Haltung zu ihren Schmerzen einzunehmen. Das führt dazu, dass sich die subjektive Wahrnehmung des Schmerzes verändert. Er wird als weniger schlimm oder schmerzhaft empfunden. Mittlerweile wird die Achtsamkeitsmeditation nicht nur bei chronischen Schmerzen erfolgreich eingesetzt, sondern auch bei anderen krankhaften Geschehen. Bei gesunden Menschen steigert die Achtsamkeitsmeditation das allgemeine Wohlbefinden.

Studien zeigen, dass Krankheitsverläufe unter dem Einfluss der Mindfulness-Based-Stress-Reduction häufig deutlich günstiger verlaufen als ohne begleitende Meditationsübungen. Solche positiven Auswirkungen können zum Beispiel für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes, Tinnitus und sogar Krebserkrankungen beobachtet werden.

Achtsamkeitsmeditation – gut erforschte Meditationsmethode

Die positive Wirkung von Meditation beruht unter anderem darauf, dass Stress während der Dauer einer Meditation reduziert wird. Solange der Körper in einer Stressreaktion ist, werden Stresshormone ausgeschüttet, die die körpereigene Immunabwehr schwächen bzw. unterdrücken. Ein geschwächtes Immunsystem öffnet Tür und Tor für Krankheitserreger jedweder Art, aber auch für körperliche Entgleisungen, beispielsweise die Entwicklung bösartiger Krebszellen.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich, warum Meditation und die damit einhergehende Stressreduktion einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat.

Die Achtsamkeitsmeditation ist eine der am besten beforschten Meditationsmethoden. Aber auch mit anderen Meditationsformen werden  gesundheitlich relevante positive Effekte beobachtet.

Die Transzendentale Meditation

Dr. Ulrich Bauhofer, Arzt, Ayurvedaspezialist und Meditationstrainer, lehrt und praktiziert die Transzendentale Meditation. Vor allem Patienten, die unter Bluthochdruck leiden, können durch regelmäßiges Meditieren ihre Blutdruckwerte regulieren.

"Vor allem stressbedingte Erkrankungen wie Kopfschmerzen, Migräne, aber auch Allergien können durch regelmäßiges Meditieren sehr gut geheilt werden."

Dr. Ulrich Bauhofer

Während der Meditation schüttet das Gehirn unter anderem körpereigene Morphine aus. Diese initiieren die Bildung von Stickstoffmonoxyd. Stickstoffmonoxyd wiederum bewirkt, dass sich die Gefäße weiten, der Herzschlag ruhiger wird, die Atemfrequenz abnimmt und der Blutdruck sinkt. Die Ausschüttung von Morphinen erklärt, warum Schmerzen während einer Meditation nachlassen bzw. ganz abklingen. Es ist also nicht nur die veränderte Aufmerksamkeit, die dem Schmerzempfinden entgegengebracht wird, sondern auch ganz konkrete biochemische Prozesse, die schmerzlindernd wirken.

Welche Meditationsform ist die richtige?

Welche Meditationsform für den einzelnen die richtige ist, hängt vor allem von seinen individuellen Neigungen ab.

"Man sollte sich für die Methode entscheiden, die einem entspricht bzw. die man gut und gern praktizieren kann, ohne sich zu verbiegen. Man sollte sich nicht in Meditationstechniken zwingen, die einem Unbehagen bereiten; davon hätte man am Ende nichts. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die Methode, die dem einzelnen am ehesten entspricht, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Methode sein wird, mit der er die für ihn besten Effekte erzielt."

PD Dr. Niko Kohls, humanwissenschaftliches Zentrum der LMU München

Zum Einstieg einen Kurs besuchen

Wer Meditation erlernen will, kann dies mithilfe von Büchern oder CDs tun. Allerdings empfiehlt es sich, zumindest für den Einstieg einen Kurs zu belegen - und zwar bei einem erfahrenen Meditationslehrer. Im Internet gibt es unzählige Angebote. Man sollte darauf achten, welche Ausbildungen der Lehrer bzw. die Lehrerin absolviert hat und über welche Erfahrungen er oder sie verfügt.

Meditation - ein Prozess der Bewusstseinsveränderung

Dr. Ulrich Bauhofer weist darauf hin, dass man zwar Meditation mithilfe eines Buches erlernen kann, allerdings mit seinen Erlebnissen als Folge der Meditation allein bleibt. Gerade unerfahrene Meditierende können die Zustände, in die sie während einer Meditation geraten, oft nicht einordnen. Meditation ist immer auch ein Prozess der Bewusstseinsveränderung, die sich bei jedem Menschen anders darstellen kann.

Wer  bei einem Lehrer die Meditation erlernt, hat die Möglichkeit, sich über seine Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen und diese zu analysieren.

Dies gilt insbesondere für Menschen mit psychischen Erkrankungen - etwa Psychosen. Sie sollten nach Möglichkeit nicht auf eigene Faust meditieren, sondern sich Hilfestellung bei einem Meditationslehrer bzw. einem erfahrenen Psychologen oder Psychotherapeuten suchen. In der Meditation können psychisch kranke Menschen in Zustände geraten, die für den einzelnen eher kontraproduktiv als hilfreich sind. Daher wird die Anleitung und Begleitung durch einen ausgewiesenen Spezialisten für solche Patienten empfohlen.


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