Gesundheitstag


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Kinderspeisekarten Wie gesund essen Kinder in Restaurants?

Schnitzi-Bitzi, drei kleine Schweinchen, Dino-Nuggets: Für Kinder gibt es in Restaurants oft eigene Gerichte mit phantasievollen Namen. Doch dahinter verbergen sich meist dieselben Speisen: Schnitzel, Pommes, Spaghetti. Was bedeutet das für die Gesundheit der Kinder?

Von: Veronika Keller, Monika Hippold

Stand: 09.10.2019

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind übergewichtig. Gleichzeitig nehmen Restaurantbesuche zu. Über 60 Prozent der Familien in Deutschland gehen jeden Monat essen, 14 Prozent sogar jede Woche. Für viele Familien gehört Essengehen mittlerweile zum wöchentlichen oder monatlichen Ritual. Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Jutta Mata erklärt, welchen Einfluss Restaurantbesuche auf Essverhalten und Gewicht der Kinder haben.

"Natürlich sind Schulkantinen, ist die Ernährung im Elternhaus wichtiger als eine Kinderspeisekarte. Trotzdem haben die Speisekarten einen Einfluss auf die öffentliche Gesundheit. Sie senden auch ein Signal: Wie kann Kinder-Ernährung aussehen? In einer Zeit, in der jedes dritte Kind in Europa übergewichtig ist und wir noch keinen Rückgang dieses Zustandes erlebt haben, müssen wir uns fragen: Wie können wir das ändern? Wir müssen alle Hebel drehen, um überhaupt etwas zu bewirken. Restaurantbesuche sind ein Weg, daran zu arbeiten."

Prof. Dr. Jutta Mata, Gesundheitspsychologin, Universität Mannheim

Speisekarten von 500 Restaurants untersucht

Also: Was essen Kinder in Restaurants? Das wollten Wissenschaftler der Universitäten in Heidelberg und Mannheim herausfinden. In einer Studie haben Forscher um Prof. Dr. Sven Schneider Kinderspeiskarten von 500 Gaststätten untersucht – und damit insgesamt etwa 1.800 Kindergerichte.  

Kinderspeisekarte im Restaurant

Das Angebot glichen sie mit den aktuellen Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Verpflegung von Kindern ab. Die DGE empfiehlt: Vollkornprodukte, Obst, Seefisch, Rohkost oder Salat, Milch oder Milchprodukte, Getreideprodukte oder unfrittierte Kartoffelprodukte, Gemüse, mageres Muskelfleisch.

Zu wenig Gemüse auf den Speisekarten

Auf den untersuchten Kinderspeiskarten fand sich kein einziges Gericht mit Vollkornprodukten und nur 94 Gerichte enthielten Obst (5 Prozent). Fisch und Rohkost oder Salat gab es in etwa 10 Prozent der Gerichte, Fleisch oder Gemüse bei über 30 Prozent.

"Ein Drittel der Gerichte enthält Gemüse. Das heißt, zwei Drittel haben überhaupt kein Gemüse – egal, ob mein Kind das mag oder nicht. Es ist gar nicht im Angebot."

Prof. Dr. Jutta Mata, Gesundheitspsychologin, Universität Mannheim

Immer wieder Pommes

Die Hälfte der Kindergerichte enthält Pommes.

Außerdem enthielten über 50 Prozent der untersuchten Kinderteller Pommes Frites oder andere frittierte Kartoffelprodukte. Jedes zehnte Gericht bestand sogar ausschließlich daraus. Und das Angebot beschränkte sich in rund 70 Prozent der Fälle auf die gleichen sechs Gerichte: Schnitzel oder Chicken Nuggets, Pommes, Nudeln mit Soße, Süßspeisen, Wurst, Burger.

Ein Problem dabei: Wenn das Angebot sich auf wenige Gerichte beschränkt, kann sich der Geschmackssinn der Kinder nicht weiterentwickeln.

Die Forscher urteilen also: Das Angebot in Kinderspeisekarten ist nicht ausgewogen. Sie bemängeln die hohe Energiedichte und niedrige Nährstoffdichte der Gerichte. Diese sind zudem oft hochverarbeitet und beinhalten niedermolekulare Kohlenhydrate - wie zum Beispiel Weißmehl im Teig. Bei den frittierten Speisen nehmen Kinder dann noch gesättigte Fettsäuren auf.

Zu viel Fett, Salz, Zucker

Die Angebote in Restaurants für Kinder sollten also verbessert werden. Bisher enthalten sie zu viel Salz, Fett und Zucker – so fasst Prof. Dr. Jutta Mata die Ergebnisse zusammen. Wie aber sieht eine ideale Kinderspeisekarte aus?

"Sie müsste möglichst viele nährstoffreiche Speisen enthalten, in denen Vitamine und Ballaststoffe drin sind und möglichst wenig Fett, Zucker und Salz. Wir reden über Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, zum Beispiel über gegrillten Fisch oder mageres Fleisch. wenig Frittiertes, aber dafür viel Frisches. Das wären sinnvolle Kinderprodukte."

Prof. Dr. Jutta Mata, Gesundheitspsychologin, Universität Mannheim

Eine weitere Anregung: Gesunde Gerichte sollten auf den Speisekarten besonders betont werden, zum Beispiel mit Hilfe einer Figur oder durch eine prominente Platzierung. Restaurants könnten diese Gerichte auch günstiger anbieten und damit zusätzlich attraktiver machen.


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