Gesundheitstag


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Bergwandern, Wandern Bergwandern – gut für Körper und Seele.

Für manche ist es nur ein Freizeitvergnügen, doch viele denken beim Wandern auch an Prävention: Denn eine gut geplante Bergtour hält fit. Gesundheit! ist mit zwei Orthopäden und einer Psychotherapeutin unterwegs zum Gipfel des Brünnstein. Auf dem Weg erzählen die Experten, warum Wandern unter anderem das Herz-Kreislauf-System stärkt, Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder stabilisieren kann und Stress entgegenwirkt.

Von: Peter Künzel

Stand: 28.11.2017

Der Brünnstein, felsiger Gipfel über dem Inntal, ist heute das Ziel dreier Münchner Freunde: Belinda, Hannah und Stephan. Zwei Orthopäden und eine Psychotherapeutin, die gerne gemeinsam in die Berge gehen – auch, weil es gesund ist.

Bergwandern: Freizeitvergnügen mit Gesundheitseffekt

"Es trainiert die Muskulatur und zwar bis ins Kleinste. Durch die Unebenheiten hat man ein viel besseres Training für die ganze Muskulatur, viel unbeschwerter als du das in irgendeinem Studio machen kannst."

Dr. med. Belinda Bach, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Wien

"Da weitet sich der Geist, wenn ich da rausschauen kann und mich trotzdem sportlich ein bisschen fordere und das einfach in der freien Natur."

Dr. med. Stephan Deckelmann, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Alpinmediziner, München

"Und das ist einfach ein wunderschönes Gefühl: sich einmal körperlich betätigt zu haben, dann die Ausblicke und die Natur zu genießen."

Hannah Jilg, Psychotherapeutin, München

800 Höhenmetern liegen vor den dreien und knapp drei Stunden Aufstieg. Los geht es am Waldparkplatz mit den letzten Vorbereitungen.

Bergwandern: Das sollte jeder dabei haben

  • gutes Schuhwerk
  • Mütze, Kappe
  • Sonnenschutz  
  • Sonnenbrille
  • Regenschutz
  • ausreichend Getränke
  • Tourenstöcke
  • Karte

Weil es fast dreißig Grad warm werden soll, haben die drei eine Tour ausgewählt, die zu größeren Teilen angenehm schattig im Wald liegt. Zu Beginn geht es entspannt bergauf über einen Forstweg.  Belinda und Stephan kommen gleich auf ihr Thema: Wie gut nämlich ihren Patienten Bewegung tut. Stephan, der als Orthopäde am Münchner Rotkreuz-Krankenhaus arbeitet, nennt als Beispiel Arthrose, wo Ärzte früher eher zur Ruhe geraten haben.

"Viele Leute meinen, wenn sie das noch weiter schonen würden, das abgenutzte Kniegelenk, dass es dann noch viel länger hält, aber das ist ganz verkehrt. Gerade so ein arthrotisches Gelenk will ja bewegt werden, dass es sich auch ernähren kann, mit Sauerstoff und Nährpartikeln."

Dr. med. Stephan Deckelmann, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Alpinmediziner, München

"Und in den Bergen kannst Du Dir die Tour auch aussuchen. Jeder kann sich entscheiden: Ok ich geh rauf, runter ist oft schwierig – da nehme ich eben die Bahn."

Dr. med. Belinda Bach, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Wien

Der Reiz der Tour ist oft die Vielfallt: Bei dieser Tour stimmt das in jedem Fall. Wurzeln und kleine Stufen sind eine Herausforderung für die Stabilität der Gelenke. Gerade diese Passagen stärken aber auch Sehnen und Bänder, weiß Orthopädin Belinda Bach.

"Das ist auch ein gutes Training. Man muss eben aufpassen und gutes Schuhwerk tragen."

Dr. med. Belinda Bach, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Wien

Tourensteckbrief: Brünnstein

Brünnstein, 1619 Meter ü.N.N.
Ausgangspunkt: Waldparkplatz, Tatzelwurm (800m)

Charakter:  Vielseitige Bergwanderung mit einem kleinen Klettersteig zum Gipfel als Finale. Von Forstwegen über Waldpfade und Bergwiesen, bis hin zu ausgesetzten  Passagen im leichten Fels bietet diese Tour auf den Brünnstein eine denkbar abwechslungsreiche Route.  Für den Steig  sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit  und erste alpine Erfahrung erforderlich. Der Gipfel belohnt mit einem 360 Grad Panorama von den Chiemgauer Vorbergen über den Wilden Kaiser bis zum Alpenhauptkamm.

Aufstieg: circa 3 Stunden
Abstieg: circa  2 Stunden

Einkehrmöglichkeit: Brünnsteinhaus (bis dahin einfache Bergwanderung)

Dann ist die Hälfte der Tour geschafft und zum ersten Mal der Gipfel zu sehen. Der Brünnstein, 1619m hoch.

Bergwandern: Fitness und Ausdauer für Herz und Kreislauf

Wer in die Berge geht baut nicht nur Muskeln auf und fördert seine Ausdauer, sondern macht aus medizinischer Sicht auch ein wertvolles Herz-Kreislauf- Training. Am Brünnsteinhaus sind 550 Höhenmeter, also zwei Drittel der Tour gemeistert. Von hier aus geht ein kleiner Steig Richtung Gipfel.

Er erfordert Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Über ein paar ausgesetzte, meist drahtseilversicherte Stufen steigen die drei jetzt deutlich steiler bergauf. Und als besondere Herausforderung gibt es eine Engstelle durch die Felsen. Für Psychotherapeutin Hannah Jilg ist wichtig, dass jeder am Berg seine eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzt.

"Es gibt Situationen, die schwierig sein können, und da ist jeder selber verantwortlich, geh ich drüber oder nicht. Wenn ich mich entscheide umzudrehen, ist das auf jeden Fall die bessere Möglichkeit und dann sollte ich das auf jeden Fall auch machen. Das ist dann unter Umständen auch mutiger als mich durchzuquälen."

Hannah Jilg, Psychotherapeutin, München

Wer die Herausforderung meistert, wird belohnt mit viel frischer Luft, Sonne, Bewegung und schließlich mit einem herrlichen Ausblick von den Chiemgauer Bergen bis in den Alpenhauptkamm. Und natürlich immer mit den positiven gesundheitlichen Effekten des Bergsteigens, wie die Orthopädin Belinda Bach auch aus eigener Erfahrung weiß.

"Seit ich 25 Jahre alt war, hatte ich Rückenschmerzen. Über die Jahre habe ich das Klettern, Bouldern aber auch das Bergwandern als Weg entdeckt, das in den Griff zu bekommen. Besonders das Bergwandern macht mir wahnsinnig viel Spaß, ich muss mich nicht dazu überwinden und ich kann es nur jedem empfehlen."

Dr. med. Belinda Bach, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Wien

Bergsteigen ist also nicht nur gesund, sondern macht auch noch glücklich.


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