Gesundheitstag


4

Grillen ohne Gefahr Gesund durch die Grillsaison

Endlich ist der Sommer da und alle zieht es nach draußen zum Grillen. Gesundheit! begleitet Griller beim Ausflug an die Isar in München und fragt: Was gilt es zu beachten, um gesund durch die Grillsaison zu kommen?

Von: Florian Heinhold

Stand: 25.07.2017

dampfender Grill | Bild: BR

Beim Reinigen von Grillrosten mit Drahtbürsten sollen Drahtteile am Rost haften bleiben können und beim nächsten Grillen im Fleisch landen. Das ist das Ergebnis einer Studie aus den USA, die zur Zeit für Schlagzeilen sorgt.

Grillen: gefährliche Drahtteile im Fleisch?

Verschluckt man die Drahtteile, muss der Fremdkörper in der HNO-Chirurgie entfernt werden. Laut den US-Forschern passiert das öfter als man denkt. Gesundheit hat sich unter Grillern an der Isar in München und in bayerischen Kliniken umgehört und festgestellt: So richtig Sorgen haben die wenigsten wegen der Bürstengefahr. Mit ein bisschen Vorsicht lässt sich diese Bedrohung also recht einfach aus dem Weg räumen.

Grillen ohne Gefahr: Der Sicherheitscheck

Aber auf einige Gesundheitstipps sollte man beim Grillen trotz aller Vorfreude achten. In Nürnberg trifft Gesundheit! Rainer Weiskirchen, seines zeichens Oberlöschmeister bei der Freiwilligen Feuerwehr und Experte beim TÜV Rheinland. Mit ihm machen wir den Sicherheitscheck. Denn:

"In Deutschland passieren im Jahr allein circa 4000 Unfälle mit Grills, knapp zehn Prozent dieser Unfälle führen zu schweren Brandverletzungen, mit denen man womöglich ein Leben lang zu kämpfen hat. Deshalb hat die Sicherheit beim Grillen allererste Priorität."

Rainer Weiskirchen, TÜV-Rheinland, Nürnberg

Zuerst sollte man checken, dass der Grill auch sicher steht. Das GS-Siegel zeigt an, dass das Produkt unabhängig auf seine Sicherheit getestet worden ist. In Sachen Grillanzünder ist die Auswahl groß: von fest bis flüssig, von Chemie bis Bio.

Spiritus und Benzin haben beim Grillen definitiv nichts verloren. Beim Anzünden kann sich über dem Grill eine Dunstwolke bilden, die sich dann rasend schnell entzündet und zu schweren Verbrennungen führen kann.

Spezielle Flüssiganzünder mit Paraffin verursachen bei richtiger Dosierung keine Verbrennungsgefahr, sind aber auch nicht ganz ungefährlich. Vor allem wenn Kinder sie versehentlich verschlucken, können sie chemische Lungenentzündungen verursachen.

"Für ein Kind wäre ein Schluck von einem solchen flüssigen Grillanzünder lebensgefährlich. Die Organe werden geschädigt. Deshalb gilt: Grillanzünder sollten grundsätzlich von Kindern ferngehalten werden."

Rainer Weiskirchen, TÜV-Rheinland, Nürnberg

Bei festen Grillanzündern können Grillbegeisterte zwischen chemischen Anzünderwürfeln und biologischen Grillhilfen zum Beispiel aus Holzwolle wählen. Je mehr Chemie beim Grillanzünder im Spiel ist, desto eher nimmt das Grillgut bei falscher Anwendung den Geruch des Anzünders an.

Egal welchen Anzündertyp man verwendet, bevor Fleisch und Gemüse auf den Rost kommen, sollte die Kohle gleichmäßig glühen und mit einer leichten Ascheschicht überzogen sein.

Grillen im direkten Feuer: Gefahr durch PAKs

Aber auch die Wahl des Grillguts und die Art der Zubereitung ist in Sachen Gesundheit entscheidend. Ernährungsmedizinerin Dr. Christine Mücke aus Lappersdorf bei Regensburg warnt:

"Beim Grillen ist es wirklich ein großes Problem, dass bei der großen Hitze krebserregende Stoffe im Fleisch entstehen können. Dabei sind besonders die sogenannten Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe besonders bedenklich."

Dr. med. Christine Mücke, Ernährungsmedizinerin, Metabolikum Lappersdorf

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAKs sind eine Gefahr, die vor allem entsteht, wenn Fett in die Glut tropft und Stichflammen zum Fleisch schießen.

Auch der Klassiker, das Fleisch mit Bier abzulöschen, kann zu mehr gefährlichen PAKs führen. Mit Aluschalen lassen sich PAKs reduzieren. Allerdings gilt hier: Das Fleisch unmariniert in die Schale legen, damit beim Erhitzen kein Alumium an das Grillgut abgegeben wird. Aus gesundheitlicher Sicht, sind spezielle Grillpfannen besonders zu empfehlen.

Grillen und Nitrosamine: Weniger rotes, verarbeitetes Fleisch

Bei der Wahl des Grillguts werden sich viele Griller schwer tun, besonders gesundheitsbewusst einzukaufen. Denn Experten wie Dr. Mücke warnen: Vor allem rotes Fleisch und verarbeitete Fleischprodukte wie die Grillwurst bergen Gefahren.

"Vor allem verarbeitete Fleischwaren mit Pökelsalz sind aus gesundheitlicher Sicht problematisch. Hier bilden sich beim Erhitzen schädliche Nitrosamine. Grundsätzlich entstehen aufgrund der besonders starken Hitze beim Grillen im Fleisch auch heterozyklische aromatische Amine, die ebenfalls krebserregend sein können."

Dr. med. Christine Mücke, Ernährungsmedizinerin, Metabolikum Lappersdorf

Wer nicht ganz auf Wurst und rotes Fleisch verzichten will, kann zumindest darauf achten, dass auch noch ein paar gesündere Lebensmittel auf den Grill kommen. An der Isar in München trifft Gesundheit! viele Griller, die leckere Grillgerichte mit Zucchini, Aubergine und anderen Gemüsen zubereiten.

Aber auch mageres Geflügelfleisch erzeugt weniger krebserregende Stoffe. Wichtig: Es darf roh nicht mit anderem Essen in Berührung kommen. Wegen Geflügelbakterien wie Campylobakter sollte man Besteck und Hände nach jedem Kontakt gründlich reinigen.

Grillen und krebserregende Stoffe: Die richtige Marinade hilft

Studien haben außerdem gezeigt, dass die richtige Marinade dazu beitragen kann,  krebserregende Stoffe beim Grillen zu reduzieren. Vor allem Zutaten wie Thymian, Rosmarin, Knoblauch und Zwiebeln aber auch exotischere Varianten mit Granatapfel konnten dieses Ergebnis erzielen. Also: Wer ein paar Tipps beachtet, der braucht sich in der Grillsaison auch nicht zu viele Sorgen um seine Gesundheit machen.


4