Gesundheitstag


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Fasten Den Lebensstil ändern in 12 Wochen?

Ein typischer Fall: Unser Protagonist ist zu dick - ein Gesundheitsrisiko. Deshalb sein Plan: abnehmen und Sport treiben - mithilfe des sogenannten individuellen Gesundheitsmanagements der TU München. In einem 12-Wochen-Programm ein gesünderer Mensch werden - klappt das?

Von: Antje Samiralow

Stand: 09.05.2010 | Archiv

Diät, Abnehmen, gesunde Ernährung | Bild: picture-alliance/dpa

Das Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde der TU München unter Leitung von Prof. Dr. Dieter Melchart hat ein Programm entwickelt, in dem Fasten und der regelmäßige Verzicht auf bestimmte Lebensmittel einen wichtige Rolle spielen.

Vorzeitig Gesundheitsschäden erkennen

Mit dem sogenannten individuellen Gesundheitsmanagement wollen sie Menschen, die im Berufsalltag stehen oder gern anonym bleiben möchten, unterstützen, aktiv und konsequent ihren Gesundheitsstatus zu verbessern. Die Interessenten geben über einen individuellen Zugangscode ihre persönlichen Daten in den Computer ein. Die Daten sind nur für das Programm lesbar, also absolut anonym. Dazu gehören neben Alter und Geschlecht, der Blutdruck, der Bauchumfang, das Körpergewicht und die Größe.

Aus diesen Parametern kann das System erkennen, ob der Proband ein potentielles Risiko trägt, Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte zu entwickeln. Ziel des Programms ist es, rechtzeitig zu intervenieren, bevor die genannten Schäden eintreten und nur noch mit Medikamenten therapiert werden können.

Bewegung in den Alltag integrieren

Um solche Risiken zu reduzieren, heißt es in den meisten Fällen: Gewicht reduzieren, Stress abbauen und Sport treiben. Dabei geht es nicht darum, joggen, rudern oder schwimmen zu gehen, sondern Bewegung in den Alltag zu integrieren. Wir Menschen, die eigentlich dazu ausgestattet sind zu laufen, gehen kaum noch. Wir fahren zur Arbeit, ins Kino und ins Restaurant. Dabei könnten wir viele dieser Strecken genauso gut zu Fuß zurücklegen.

Bequemlichkeit überlisten

Das Programm soll keine zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen. Denn wer ohnehin einen vollen Terminkalender hat, tut sich schwer, einen Trainingsplan mit festen Zeiten einzuhalten. Die Zeit, die man im Auto oder im Bus verbringt, kann man jedoch genauso gut zu Fuß oder auf dem Fahrrad verbringen. Ziel ist es, die Bequemlichkeit zu überlisten.

Gewohnheiten ändern statt Diäten machen

Diäten bringen in aller Regel nur kurzfristige Erfolge und mindern das gesundheitliche Risiko häufig nicht. Deshalb geht es beim Abnehmen auch um, kleine Ernährungsumstellungen. So können die Lebensgewohnheiten, die zu Übergewicht und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken geführt haben, peu á peu umgestellt werden.

Einen Tag essen, was man will

Je nachdem, welches Maß die Gesundheitsrisiken bereits angenommen haben, müssen sich die Betroffenen an bestimmte Regeln halten. Dazu gehört in der Regel, auf Süßigkeiten, Alkohol sowie Kohlenhydrate nach 18.00 Uhr zu verzichten. An einem Tag in der Woche darf man jedoch essen, worauf man Appetit hat. Dieser Tag ist aus Sicht von Professor Melchart deshalb so wichtig, weil permanenter Verzicht auch zu Frust führen und dann ins Gegenteil umschlagen kann, was zu ungezügelten "Fressattacken" führen kann. Außerdem ist dieser eine Tag eine Art Belohnung dafür, dass man die ganze Woche durchgehalten hat.

Den Körper ans Fasten gewöhnen

Ferner wird einmal pro Woche ein Entlastungstag eingelegt, an dem nur Obst oder Gemüse oder Kartoffeln beziehungsweise Reis gegessen werden darf. Diese Entlastungstage helfen dem Körper auf lange Sicht, sich von der äußeren Energiezufuhr auf einen Fastenstoffwechsel umzustellen. Der Körper gewöhnt sich daran, dass eben nicht jedes Lebens- und Genussmittel jederzeit verfügbar ist, und dass er sich auf eine begrenzte Anzahl von gesunden und kalorienarmen Lebensmitteln beschränken muss.

Durch diese Entlastungstage fällt es den Teilnehmern des Programms später leichter zu fasten. Denn nach den ersten sechs Wochen steht eine komplette Fastenwoche auf dem Programm.

Diese Fastenwoche dient nicht nur dazu, weiter Gewicht zu reduzieren. Sie gibt den Probanden auch die Möglichkeit, sich darüber klar zu werden, was dazu geführt hat, dass sie über die Jahre "aus dem Leim gegangen" sind.

Essen als Ersatzbefriedigung

Die Probanden werden dazu angehalten, sich klarzuwerden, in welchen Situationen sie zur Schokoladentafel oder zur Bierflasche gegriffen haben. Essen wird häufig dazu genutzt, Bedürfnisse zu befriedigen, die weit über das reine Hunger- und Appetitgefühl hinausgehen. Wer kennt das nicht- ein gutes Essen als Belohnung für einen anstrengenden Tag? Schon als Kinder bekommen wir Süßigkeiten, wenn wir brav sind. Oft sind genau diese Ersatzbefriedigungen die Ursache dafür, dass Essen konsumiert wird, wann immer wir traurig, frustriert oder übellaunig sind. Während des Fastens kann man über sich und seine gewohnheitsmäßigen Bedürfnisse hinauswachsen. Das "Nein-Sagen" zu trainieren, hilft, künftig anders als mit Schokolade auf emotionale Durststrecken zu reagieren.

Den inneren Schweinehund überwinden

Internetadresse::

Zentrum für naturheilkundliche Forschung

http://www.muemo.med.tu-muenchen.de/

Das individuelle Gesundheitsmanagement will seine Teilnehmer dazu befähigen, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen und diese aktiv zu beeinflussen. Dass dafür eine gehörige Portion Disziplin notwendig ist, steht außer Zweifel. Aber der Preis, mit dem man für die Ausdauer entlohnt wird, ist es allemal wert. Wer endlich wieder Treppensteigen kann, ohne zu schnaufen, und wer endlich wieder seine Schuhbänder zubinden kann, weil der Bauch nicht mehr im Wege ist, wird eine neue Lebensqualität erfahren. Außerdem ist die Überwindung der eigenen Angewohnheiten und Süchte auch ein Prozess der Willensstärkung. Wer den inneren Schweinehund überwunden hat, fühlt sich innerlich gestärkt.


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