Gesundheitstag


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Wenig Zeit zum Kochen Ernährungsanforderungen im Alltag

Warum ist es so schwer, sich gesund zu ernähren? Nicht nur schmackhafte, sondern auch ausgewogen Mahlzeiten zuzubereiten, kostet Zeit. Deshalb greifen viele Menschen zu Fertiggerichten, gehen ins Restaurant oder nutzen die Kantine.

Von: Uli Hesse

Stand: 23.11.2017

Schüler essen in der großen Pause Pizza in der Kantine. | Bild: BR/Julia Müller

Viele Deutsche würden gerne selbst kochen, kommen aber nicht dazu. Sogenanntes "Convenience Food" – also bereits vorbereitetes oder vorgekochtes Essen – soll helfen, Zeit zu sparen. Auch Gemüse aus der Dose oder Tiefkühltruhe soll uns das Leben erleichtern. Auf die Zusammensetzung haben wir dabei allerdings keinen Einfluss. Das gleiche gilt für Restaurant- und Kantinenessen.

Selberkochen

Drei Viertel der Deutschen sagen, dass sie gerne kochen. Allerdings kommen die meisten kaum dazu: Nur 40 Prozent geben an, dass sie täglich kochen, 37 Prozent stehen nach eigenen Angaben zwei bis dreimal in der Woche am Herd oder Backofen. Viele Familien behelfen sich mit Fastfood und Fertiggerichten, um sich den Alltag zu erleichtern. Dadurch lernen weniger Kinder das Kochen.

"Früher hat die Oma die Zutaten für den Pfannkuchenteig gekauft und selbst angerührt. Heute liegt der Pfannkuchen fertig im Kühlregal des Supermarkts und die Kinder freuen sich schon, wenn sie Marmelade oder Apfelmus darauf streichen dürfen."

Prof. Dr. Julia Mayerle

Fremdbekocht

Panierte Schnitzel mit Pommes, Nudeln in Sahnesoße oder Pizza mit vier verschiedenen Käsesorten sind deswegen so lecker, weil das Fett als Geschmacksträger dient. Speisekarten richten sich nach den Wünschen der Gäste: Bestellt wird was schmeckt und nicht die mageren und damit gesünderen Gerichte. Laut Ernährungsreport 2019 essen knapp drei Viertel der Befragten mindestens einmal pro Monat im Restaurant und ein Fünftel mindestens einmal pro Woche in der Kantine.

"Kinder werden inzwischen häufig im Kindergarten oder in der Schule ganztags betreut und fremdbekocht. Und dass dieses Essen nicht immer den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin entspricht, kommt – glaube ich - nicht unerwartet."

Prof. Dr. Julia Mayerle

Langsamer Umschwung

Gesunder Ernährung wird im Alltag wieder zunehmend Beachtung geschenkt. Eltern hinterfragen inzwischen, was ihre Kinder im Kindergarten oder in der Schule mittags zum Essen bekommen und ersetzen Fertiggerichte aus dem Supermarkt durch gemeinsam selbstgekochtes Essen.

Konserven und Tiefkühlgemüse

Frisches Obst und Gemüse ist meist besser als Konserven, da die Konservierung zu einer Reduktion von Vitaminen und Nahrungsergänzungsstoffen führt. Allerdings kann tiefgefrorenes Gemüse wiederum mehr Nährstoffe enthalten als solches, das zwar frisch geerntet, aber danach lange gelagert wurde. Ein größeres Problem bei Fertigprodukten sind jedoch die zugesetzten Mengen an Geschmacksverstärkern wie Zucker und Fett. In vielen Konserven verstecken sich daher im Vergleich zu frischen Produkten mehr Kalorien.

Bioprodukte sind kein Muss

Wer sich Bio leisten kann – gut. Aber für viele ist es eine Kostenfrage. Relativ strenge Lebensmittelverordnungen begrenzen Schadstoffe bei allen Lebensmitteln, deswegen kann man sich auch ohne "Bio" gesund ernähren. Denn gesunde Ernährung hängt vor allem vom Zusammenspiel der Lebensmittel ab und nicht, ob das Ei von einem Freilandhof stammt oder aus einer Legebatterie. Eine artgerechte Tierhaltung ist sicherlich besser für das Tier. Aber ob Fleisch oder Eier aus nicht artgerechter Haltung tatsächlich schädlich für den Menschen sind, wurde bisher nicht belegt.

Immer weniger Geld für Ernährung

Die Deutschen geben seit Jahrzehnten immer weniger Geld fürs Essen aus: 1960 waren es noch 38 Prozent des Monatseinkommens. Heute sind es etwas über zehn Prozent. Dafür sind die Kosten fürs Wohnen und für die Mobilität gestiegen.

"Deswegen könnten wir es uns eigentlich leisten, mehr für Lebensmittel auszugeben, und zwar über alle Bevölkerungsschichten hinweg. Das ist auch deshalb wichtig, weil Gesundheit so stark von der Ernährung abhängt."

Prof. Dr. Julia Mayerle


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