Gesundheitstag


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Crash-Diäten Sind Blitzdiäten gar nicht so schlecht?

In kurzer Zeit viel Gewicht verlieren – das klingt verlockend. Allerdings gelten radikale Diäten als wenig nachhaltig. Eine australische Studie kommt nun zu einem ganz anderen Ergebnis. Gesundheit! hakt nach: Wie Erfolg versprechend sind Blitz-Diäten tatsächlich?

Von: Veronika Keller

Stand: 27.10.2014 | Archiv

Abnehmen, Diät, Ernährung | Bild: adpic/M. Dietrich

Schnelle Diäten haben bei vielen einen eher schlechten Ruf. Wer rasant abspeckt, nimmt auch schnell wieder zu, heißt es. Eine Studie aus Australien zeigt jetzt: Das muss nicht sein. Wissenschaftler der Universität Melbourne haben Testgruppen in unterschiedlichem Tempo abnehmen lassen. Das Ergebnis: Der Jo-Jo-Effekt war bei der schnellen und der langsamen Diät gleich stark.

Katja Reindl ist auf dem Weg zu ihrem Wohlfühlgewicht. 16 Kilo hat sie schon abgenommen, acht Kilo will sie noch schaffen. Sie hat schon mehrere Diäten probiert, die verlorenen Kilos kamen aber immer wieder zurück. Jetzt hat sie sich für eine so genannte Formula-Diät entschieden. Dabei ersetzt sie einzelne Mahlzeiten durch kalorienarme Eiweißdrinks.

"Ich habe mich bewusst für diese Art von Diät entschieden, weil ich weiß, sie bringt schnell Erfolge, und ich brauche das, also ich muss motiviert sein. Ich kann nicht monatelang eine Diät machen, und es passiert auf der Waage nichts. Da bin ich schnell demotiviert, und dann gebe ich auf."

Katja Reindl

Motivation durch schnelle Erfolge

Ernährungsmediziner Prof. Hans Hauner von der Technischen Universität München kennt sich aus mit Diäten. Dass schnelles Abnehmen gut sein kann, ist für ihn nichts Neues:

"Überraschend sind die Ergebnisse dieser Studie nicht, wir haben das eigentlich früher schon immer wieder beobachtet. Was hier natürlich wichtig ist, ist, dass diese schnelle Gewichtsabnahme Menschen motiviert. Sie wollen ja Erfolge sehen, und das geht mit diesen Formula-Diäten ganz gut, das stärkt die Motivation."

Prof. Dr. med. Hans Hauner, Ernährungsmediziner

Ein weiterer Vorteil der schnellen Diät ist, dass sie relativ einfach umzusetzen ist. Manchen Menschen fällt es leichter, sich an klare Regeln und Verbote zu halten als mitzudenken und selbst zu entscheiden, was genau sie essen.

Vorsicht bei Herzerkrankungen

Doch für jeden sind Blitzdiäten nicht geeignet, zumindest nicht ohne ärztliche Betreuung. Bei jungen, gesunden Menschen sind sie meist unbedenklich, solange man sie nur für kurze Zeit macht. Doch wer zum Beispiel herzkrank ist, sollte vorsichtig sein und vor einem starken Kalorienentzug mit seinem Arzt sprechen. Denn im schlimmsten Fall kann es passieren, dass nicht nur Speckröllchen abgebaut werden, sondern auch der Herzmuskel. Auch Herzrhythmusstörungen können ausgelöst werden.

Mangelnder Lerneffekt

Ein Problem der Formula-Diäten ist, dass es oft am Lerneffekt mangelt. Nach einigen Wochen muss man wieder zur normalen Kost zurückkehren. Dann droht die Gefahr, in falsche Essgewohnheiten zurückzufallen. Dass bei der australischen Studie auch die schnelle Abnehm-Gruppe etwas gelernt zu haben scheint, führt Ernährungsmediziner Hans Hauner auf das Ernährungstraining zurück, dass die Teilnehmer im Rahmen der Studie bekamen.

"Den Jo-Jo-Effekt kann man nur verhindern, indem man nach einer solchen Diät wirklich ganz konsequent auf seine Ernährung achtet und einfach auf Dauer weniger isst als vorher."

Prof. Dr. med. Hans Hauner, Ernährungsmediziner

Ernährungswissenschaftlerin Carmen Gilles hilft übergewichtigen Menschen beim Abnehmen. Sie setzt auf Gewichtsreduzierung durch eine dauerhafte Umstellung der Ernährung. Auch wenn ihre Patienten ihr Idealgewicht erreicht haben, kommen sie zur Nachsorge, schreiben Essprotokolle und müssen sich regelmäßig wiegen.

"Es geht darum, langfristig die Ernährung umzustellen, den Fokus auf andere Lebensmittel zu richten. Und man muss auch lernen, mit Dickmachern richtig umzugehen. Jeder, der sich irgendwann im übergewichtigen Bereich bewegt hat, muss, auch wenn er abgenommen hat, noch aufpassen und auf Dauer an sich arbeiten."

Carmen Gilles, Ernährungswissenschaftlerin


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