Franken - Wir über uns


5

1949 bis 1959 Mit Musik, Tanz und Schlagerbabys

Am 3. Juni 1949 fällt in Nürnberg der Startschuss für das "Studio Nürnberg" des Bayerischen Rundfunks: Statt Pferden wird von da an die fränkische Kultur gepflegt. Kult-Moderatoren wie Peter Frankenfeld oder Hans-Joachim Kulenkampff machen mit ihren Unterhaltungssendungen den Anfang.

Stand: 05.08.2011

Peter Frankenfeld (r) mit Gästen der Sendung Schlagerbabys | Bild: BR-Studio Franken

Bei der Eröffnungsfeier im Juni 1949 betonte BR-Intendant Rudolf Scholtz, dass das Studio Nürnberg "ein Mittler und Künder (...) für fränkische Eigenart und alle Formen künstlerischen Ausdrucks, die hier beheimatet sind" sein soll.

Eröffnungsfeier am 3. Juni 1949

Bis im Nürnberger Sender allerdings tatsächlich fränkisches Programm ausgestrahlt wird, gehen noch einige Jahre ins Land. Dennoch etabliert sich das Studio schnell zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Bayerischen Rundfunks: Auf dem Gelände in der Wallensteinstraße wird Musik produziert und ab 1950 ein zweites bayerisches Radioprogramm ausgestrahlt, das heutige Bayern 2.

Tanz & Musik - Produktionen in der Turnhalle

Kurt Edelhagen mit Band (1964)

Im Mittelpunkt der Radioprogramme steht in den 1950er-Jahren die Musik. Bereits 1949 engagiert das Studio Nürnberg das "Orchester Kurt Edelhagen" als hauseigenes Ensemble und beginnt die Zusammenarbeit mit dem Fränkischen Landesorchester, den heutigen Nürnberger Symphonikern. Außerdem stehen dem Studio Nürnberg das Nürnberger Tanzorchester (später Orchester Ed Sperber) und die Kapelle Steff Lindemann zur Verfügung. Weil die Nürnberger Studios jedoch für die Ensembles zu klein sind, müssen die Radioleute für ihre Produktionen teilweise auf Turnhallen, Theater oder Nachtlokale ausweichen, wo bis in die Morgenstunden gespielt und aufgenommen werden kann. Die leichte Tanzmusik aus der Nürnberger Produktion trifft den Geschmack des Publikums in Bayern.

"Tafel-Confect": Eine von Europas ältesten Musiksendungen

Willy Spilling: "Vater" des Musikalischen Tafel-Confects (seit 1952)

Als weitere tragende Säule des Nürnberger Musikprogramms etabliert sich in den 1950er-Jahren die Ernste Musik: Seit dem 2. November 1952 wird aus Nürnberg die Sendereihe "Musikalisches Tafel-Confect" ausgestrahlt. Bis heute bietet die sonntägliche Sendung Musik vom Mittelalter bis zur Klassik, angereichert mit Informationen und Humor. Mit mehr als 2.000 Sendungen ist das "Musikalische Tafel-Confect" heute eine der ältesten Musik-Sendereihen im europäischen Rundfunk. Auch im Nürnberger Rundfunk entstanden ist die Konzertreihe "Musica Antiqua", die ebenfalls noch heute ausgestrahlt wird.

UKW: Aus der Not wird eine Tugend

Der Nürnberger Sender zu Zeiten des "Dampfradios". 1949 wird Nürnberg zum UKW-Standort.

Die dem Bayerischen Rundfunk durch die Kopenhagener Wellenkonferenz 1948 zugeteilte neue Mittelwellenfrequenz führt zu großen Empfangsschwierigkeiten. Besonders in den Abendstunden erreicht der Sender nicht einmal mehr 30 Prozent seiner Hörer. Um die flächendeckende Rundfunkversorgung gewährleisten zu können, weicht der Bayerische Rundfunk auf neue UKW-Frequenzen aus. Zunächst wird am 28. Februar 1949 ein UKW-Sender in München-Freimann in Betrieb genommen. Im Juli 1949 wird auch Nürnberg UKW-Standort.

Franken macht die zweite Welle

Eingang des Studio Nürnberg in den 1950er-Jahren

Vom August 1950 bis zur Neuverteilung der Frequenzen im Jahr 1957 wird von Nürnberg aus in den Abendstunden ein zweites bayerisches Hörfunkprogramm ausgestrahlt. Gespielt werden unbekanntere Orchesterstücke und Kammermusik von fränkischen Komponisten. Allerdings ist Nürnberg nur technischer Standort: Die redaktionellen Vorgaben und Wortanteile kommen aus München. Um fränkische Themen geht es kaum, lediglich Sendetechnik und Sprecher haben ihren Sitz im Nürnberger Studio. Charakteristisch für das neue Programm ist sein höherer Unterhaltungsanteil mit Vorträgen, Hörspielen und Live-Übertragungen. Aus der UKW-Lösung in Nürnberg wurde später das eigenständige Vollprogramm Bayern 2.


5