Franken - Zeitgeschichte


7

Sekretärin bis Ankläger Zeitzeugen erinnern sich

Ob als Sekretärin bei Anwälten der Nürnberger Prozesse oder Ankläger im Hauptkriegsverbrecherprozess oder bei den Folgeprozessen - im Bayerischen Rundfunk berichteten Zeitzeugen von ihren Erinnerungen an die Gerichtsverhandlungen.

Stand: 18.11.2010 | Archiv

Sekretärin Irmgard Purlein

Irmgard Purlein hat die Prozesse als junge Frau verfolgt. Damals, gerade Anfang 20, arbeitete sie als Sekretärin bei verschiedenen Anwälten. "Eine Freundin, die für die Verteidiger Ribbentrops arbeitete, war zu mir gekommen und sagte, dass dringend Leute gesucht werden, die sehr gut Steno, Schreibmaschine und Englisch können - und die unbelastet waren", erzählt die ehemalige Sekretärin. Die Arbeit am Gericht war ein Privileg. Bei den US-Amerikanern gab es immer ausreichend Essen und sogar Zigaretten, die als Zweitwährung Gold wert waren. "Das war eine Wonne. Wir haben schon am Vormittag Tomatensaft, Kakao oder Sandwich bekommen", erinnert sich Purlein.

Chefankläger Benjamin Ferencz

Benjamin Ferencz war amerikanischer Chefankläger im sogenannten SS-Einsatzgruppen-Prozess, einem der Nachfolgeprozesse. Den Schwurgerichtssaal 600 im Nürnberger Justizpalast wird er nie vergessen. "Deutschland hat seine Lektion gelernt, dass Krieg schlecht ist", sagt der ehemalige Chefankläger heute. "Die Mächtigen können die Menschen nicht an der Nase herumführen, weder in den Vereinigten Staaten noch in Deutschland, noch sonst irgendwo auf der Welt", zieht Ferencz als Fazit.

Ankläger Whitney Harris

Professor Whitney Harris arbeitete damals als Ankläger im Hauptkriegsverbrecherprozess. "Wir mussten uns unter den Anklägern zunächst darüber einig werden, wo und in welchem Rahmen der Prozess stattfinden sollte, welches die Anklagepunkte waren. Und wir mussten die Angeklagten auswählen. Das war ein großes Unterfangen, das wir zu einem erfolgreichen Ende gebracht haben. Schließlich mussten wir eine Entscheidung treffen, wo wir den Prozess durchführen sollten. Die Sowjets wollten ihn in Berlin abhalten, wir wollten natürlich lieber, dass er in der amerikanischen Besatzungszone stattfindet." Somit wurde der Prozess formal in Berlin durch die Übergabe der Anklageschrift am 18. Oktober 1945 eröffnet. Die eigentlichen Gerichtsverhandlungen fanden dann aber ab 20. November 1945 in Nürnberg statt.

Armeefotograf Ray D'Addario

Altbürgermeister Willi Prölß

Übersetzer George Sackheim


7