Franken - Zeitgeschichte


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Reichsparteitagsgelände Zehn Jahre Dokumentationszentrum

Jahrzehnte lang überließ Nürnberg das braune Erbe am Rande der Stadt sich selbst und der Natur. Erst 1997 beschloss der Stadtrat die Errichtung des "Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände". Nun wird es zehn Jahre alt.

Stand: 04.11.2011 | Archiv

Seit den 80er-Jahren erkundeten jedes Jahr weit über 100.000 Besucher das Reichsparteitagsgelände als Schauplatz der Geschichte. Sie interessierten sich für die Kulissen von Hitlers monströsen Selbstinszenierungen. Dies konnten die Stadtherren Nürnbergs nicht mehr ignorieren. Doch eine 1985 eingerichtete Ausstellung "Macht und Gewalt" erwies sich bald als zu bescheiden. Erst 1997 beschloss der Stadtrat schließlich die Errichtung des "Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände", das die Hintergründe der alljährlichen Nazipropaganda beleuchten sollte. Am Freitag (04.11.11) wird die Dauerausstellung zehn Jahre alt.

Bundesweite Anlaufstelle

Rund zwei Millionen Menschen haben sich bislang im Dokumentationszentrum informiert. Einst nur als schlichtes Besucherzentrum geplant, ist die Ausstellung im Kopfbau der früheren Nazikongresshalle inzwischen zu einer bundesweiten Anlaufstelle für alle geworden, sie sich mit der Ideologie der Nazis auseinandersetzen möchten. Die Anschaulichkeit der Ausstellung zieht vor allem Schulklassen an - 40 Prozent der Besucher sind Schüler. 

"Pfahl im Fleisch"

Nürnbergs Vergangenheit bleibt ein "Pfahl im Fleisch" - der Eingang zum Dokuzentrum

Fachleute überrascht der Ansturm nicht. Viele Besucher fasziniert schon allein die Architektur des Museumsbaus. Für die nötigen Um- und Neubauten am Kongresszentrum entschied sich Architekt Günther Domenig, die Außenfront im Nordflügel zu durchschneiden, um einen Steg aus Stahl und Glas quer und leicht ansteigend durch das Gebäude zu treiben. Der Architekt bezeichnete ihn sinnträchtig als "Pfahl im Fleisch". Ansonsten blieb der Zustand des Rohbaus weitgehend erhalten. Man wolle nicht vollenden, was die Nazis angefangen haben, betont Hans-Christian Täubrich, der Leiter des Zentrums. Neun Millionen Euro hat die Gestaltung der 13 Ausstellungsräume auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern gekostet, gut zehn Millionen Euro das gesamte Projekt.

"Faszination und Gewalt"

Mit Hilfe eines Audioguides, den jeder Besucher erhält, erklärt sich die Ausstellung selbst. Zudem sorgen interaktive Präsentationen, Touch-Screen-Monitore und Endlosschleifen für Aufmerksamkeit und Aufklärung. Ziel der Ausstellung: Die Parteitage darstellen und erklären, warum sie auf die Menschen so großen Einfluss ausüben konnten. Im Mittelpunkt stehen dabei auch die Folgen der verbrecherischen Machtausübung des NS-Staates.

Studienforum im Dokuzentrum

Neben der Dauerausstellung bietet das Studienforum die Möglichkeit der Vor- und Nachbearbeitung. In Seminarräumen auf dem Dach der Kongresshalle, im Kino bzw. Vortragssaal bieten die Museen der Stadt in Zusammenarbeit mit verschiedenen Instituten ein vertiefendes pädagogisches Programm für Schulen, Jugend- und Erwachsenengruppen. Das Angebot reicht von der 45-minütigen Nachbereitung der Ausstellung bis zu Seminartagen.

Pläne für die Zukunft

Künftig möchte sich das Dokumentationszentrum vor allem für Schüler besser rüsten. Für von weither angereiste Schüler- und Jugendgruppen will das Museum einen eigenen Empfangsbereich schaffen. Für Studenten und Wissenschaftler soll es nach Plänen der Stadt Inforäume mit einer kleinen Bibliothek und einem Medienarchiv geben. Dies ließe sich nach Angaben der Stadt aber nur umsetzen, wenn Land und Bund sich an der Finanzierung beteiligen.

Web-Tipp

Aktuelle Informationen sowie Hinweise auf Veranstaltungen finden Sie auf der Website des NS-Dokumentationszentrums Nürnberg


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