Franken - Zeitgeschichte


0

Chronik 350 Jahre Akademie der Bildenden Künste

Privat gegründet, verstaatlicht, im Dritten Reich gleichgeschaltet, bombardiert und wieder aufgebaut: Die Nürnberger Akademie der Bildenden Künste ist Deutschlands älteste Kunstschule und blickt auf bewegte Zeiten zurück.

Stand: 22.06.2012

  • 1662
    Ehemaliges Wohnhaus von Jakob Sandrart am Maxplatz in Nürnberg | Bild: Akademie der Bildenden Künste

    Ehemaliges Wohnhaus von Jakob Sandrart am Maxplatz in Nürnberg

    1662

    Gründung

    Unter der Führung des Kupferstechers Jakob von Sandrart und des Architekten Elias von Goedeler wird in Nürnberg eine private Kunstakademie gegründet. Gefördert wird die Schule von dem Ratsherrn Joachim Nützel von Sündersbühl. In Nürnberg entsteht damit die erste Kunstakademie im deutschsprachigen Raum. Zunächst treffen sich die Künstler und Kunstfreunde, um sich im Zeichnen von Akten und Antikenstudien zu üben und künstlerische Probleme zu besprechen.

  • 1672
    Porträt von Joachim von Sandrart aus: Georg Martin Preissler, das sogenannte Goldene Buch der Kunstakademie, 1724 | Bild: Akademie der Bildenden Künste

    Joachim von Sandrart, erster Direktor der Akademie

    1672

    Aufnahme erster Schüler

    Unter Direktor Joachim von Sandrart blüht die Akademie auf. Es werden Schüler aufgenommen, neben der Ausbildung im Malen und Zeichnen werden Kunsttheorie und Naturwissenschaft gelehrt. Ein wesentlicher Aspekt der Akademie ist es, einen höheren Status gegenüber Handwerkern geltend zu machen. 1674 wird die Akademie im ehemaligen Franziskanerkloster untergebracht. 1688 wird sie als reichsstädtische Institution anerkannt. Damit wird die Akademie eine öffentlich geförderte Institution und steht unter dem Schutz der Reichsstadt Nürnberg. 1699 zieht die Akademie ins Katharinenkloster.

  • 1704
    Aus dem dritten und vierten Band der Zeichenschule von Johann Daniel Preißler, 1725 und 1763 | Bild: Grafische Sammlung der Museen der Stadt Nürnberg

    Aus Zeichen-Lehrbüchern von Johann Daniel Preißler, 1725 und 1763

    1704

    Kunsthandwerk an der Akademie

    Die sogenannte Malerordnung von Johann Daniel Preißler klärt vorerst das Verhältnis zu den Handwerkerorganisationen. Sie wird zur Grundlage der Künstlerausbildung. Hinsichtlich der Arbeitszeiten, des Schulgelds oder auch den Leistungsanforderungen wird sich die Ausbildung in den nächsten 100 Jahren kaum verändern. 1716 stiftet der nürnbergische Gesandte am Kaiserhof in Wien, Heinrich Christoph Hochmann Freiherr von Hohenau, eine Zeichenschule zur Ausbildung von Kunsthandwerkern. Ihr Besuch ist kostenlos. 1718 wird sie der Akademie angegliedert und 1754 eine eigenständige Institution.

  • 1806
    Studiensaal der Akademie der Bildenden Künste in der Burg | Bild: Akademie der Bildenden Künste

    Studiensaal der Akademie auf der Nürnberger Kaiserburg

    1806

    Eingliederung ins Königreich Bayern

    Mit der Eingliederung von Nürnberg in das Königreich Bayern wird die Akademie unter staatliche Obhut gestellt. Fortan werden die Lehrer von München angestellt. Die Akademie zieht in die Burg und wird dort mit der Staatlichen Gemäldegalerie von Kronprinz Ludwig zusammengelegt. Nach der Gründung der Akademie der Bildenden Künste in München verliert Nürnberg den Akademiestatus und wird später in eine Kunst- und Kunstgewerbeschule umgewandelt. Damit soll im Zeitalter der Industrialisierung das Niveau von Handwerk und Gewerbe gehoben werden - die Schule dient als Vorbild für ganz Deutschland.

  • 1853
    Die Errungenschaft der Gasnutzung von August von Kreling, Glasfenster (1863 bis 67) | Bild: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

    Glasfenster "Die Errungenschaft der Gasnutzung" von August von Kreling (1863 bis 1867)

    1853

    Lehrplanreform

    Wieder einmal wechseln die Räumlichkeiten: Die Kunstgewerbeschule zieht zusammen mit Teilen der städtischen Kunstsammlung in Räume des Landauerschen Zwölferbundes. Dort wird unter Direktor August von Kreling der Lehrplan umfassend reformiert. Das Lehrangebot wird erweitert und mit Fächern wie Dekorationsmalerei oder Ornamentik stärker auf die Gewerbe ausgerichtet. Die Ausbildung wird in ein Grundlagenstudium und ein Aufbaustdium je nach angestrebtem Beruf gegliedert. Der grafische Unterricht erfolgt nach der Natur, nicht wie bisher nach grafischen Vorlagen. Die Schülerzahlen steigen.

  • 1897
    Akademie der Bildenden Künste in der Flaschenhofstraße | Bild: Akademie der Bildenden Künste

    Akademie der Bildenden Künste in der Flaschenhofstraße

    1897

    Eigenes Gebäude

    Die "Kunstgewerbeschule" zieht erstmals in ihrer Geschichte in eigene Gebäude. Konradin Walther und Karl Hammer haben einen großzügig bemessenen Bau im Neorenaissancestil in der Flaschenhofstraße entworfen. Wenige Jahre später wird im Zuge der Kunstgewerbereform in Deutschland ein neuer Lehrplan eingeführt, um Theorie und Praxis in der Ausbildung zu verbinden. Es werden Versuchs- und Lehrwerkstätten eingerichtet: Werkstätten für Metallkunst, Formen und Gießen, Lithografie und Kupferdruck, Schreinerei, Drechslerei, ab den 1920er-Jahren auch Stoffdruckerei, Färberei, Keramik.

  • 1940
    Josef Pöhlmann arbeitet am Schild für das "Gästehaus Reichsparteitag", Blick ins Atelier, um 1936 | Bild: Grafische Sammlung der Museen der Stadt Nürnberg

    Josef Pöhlmann arbeitet am Schild für das "Gästehaus Reichsparteitag", um 1936

    1940

    Drittes Reich

    Die Hochschule wird zur "Akademie der Bildenden Künste in der Stadt der Reichsparteitage" erklärt. Einige Fächer werden neu eingeführt: So wird eine Klasse für Bildstickerei eingerichtet, um die Bauten der NSDAP mit Gobelins auszustatten. In den letzten Jahren des Krieges wird das Akademiegebäude in der Flaschenhofstraße von den Alliierten bombardiert. Die Anstalt wird im Deutschordensschloss im südmittelfränkischen Ellingen untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg werden einige politisch belastete Professoren suspendiert und entlassen, in den meisten Fällen jedoch wieder eingestellt.

  • 1954
    Ein Innenhof in der Akademie der Bildenden Künste in Mögeldorf | Bild: Akademie der Bildenden Künste

    Innenhof am Mögeldorfer Campus der Akademie der Bildenden Künste

    1954

    Neubau am Tiergarten

    Die Akademie zieht in ihre bislang letzten Räumlichkeiten. Sep Ruf, einer der bekanntesten Architekten des Wiederaufbaus, der auch die Gebäude der Bayerischen Staatsbank, das Germanische Nationalmuseum und den Kanzlerbungalow in Bonn entworfen hat, plant den Campus zwischen den Nürnberger Stadtteilen Mögeldorf und Zerzabelshof. In der Nähe des Tiergartens entstehen mehrere Gebäude. Die offene Konstruktion mit großen Glasflächen sowie fließenden Übergängen zwischen Innen und Außen zählt unter Architekten auch heute noch zu den erhaltenswertesten Bauten des frühen Nachkriegsdeutschlands.

  • 1960
    Kaiserburg in Lauf an der Pegnitz | Bild: Akademie der Bildenden Künste

    Außenstelle der Akademie in der Kaiserburg in Lauf an der Pegnitz

    1960

    Wieder Hochschule

    Mit Einführung der Präsidialverfassung wird die Nürnberger Kunstakademie auf eine Stufe mit der bis dahin höher bewerteten Münchener Akademie gehoben. In den folgenden Jahren werden in Nürnberg auch Kunstlehrer und -erzieher ausgebildet. Ab 1985 müssen die Lehramtsstudenten wegen Platzmangel in eine Außenstelle in Lauf an der Pegnitz ausweichen.

  • 2010
    Plan zur Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste | Bild: Akademie der Bildenden Künste

    Planzeichnung für den Neubau neben der Akademie der Bildenden Künste

    2010

    Erweiterung

    Der Bayerische Landtag genehmigt den Ausbau der Kunstakademie, ab 2013 sollen auch die angehenden Kunsterzieher wieder in Nürnberg studieren. Der Erweiterungsbau entsteht in Mögeldorf direkt neben den Gebäuden der Kunstakademie aus der Nachkriegszeit. Entworfen wurde er vom Berliner Architekturbüro Hascher Jehle Architektur.

  • 2011
    Soldaten marschieren während des Reichsparteitags 1936 durch Nürnberg | Bild: picture-alliance/dpa

    Soldaten marschieren während des Reichsparteitags 1936 durch Nürnberg

    2011

    Die Akademie in der Stadt der Reichsparteitage

    Die Kunstakademie beginnt mit der Aufarbeitung ihrer Rolle während des Dritten Reichs: Auf einer Tagung von Kunsthistorikern wird untersucht, wie Professoren der Akademie mit dem nationalsozialistischen Regime in Verbindung standen und inwieweit Künstler aus Nürnberg den Nazis zugearbeitet haben.

  • 2012
    Logo für das Jubiläum der Akademie | Bild: Akademie der Bildenden Künste

    Logo des Akademie-Jubiläums

    2012

    Jubiläum

    Die Kunstakademie feiert ihr 350-jähriges Bestehen. Die Studenten können mittlerweile zwischen elf Basis- und zwei Aufbaustudiengängen wählen: von Gold- und Silberschmieden über Grafikdesign bis Architektur und Stadtforschung. Die Akademie verfügt über einen Ausstellungsraum in Mögeldorf und mit der "Akademie Galerie Nürnberg" in der Adlerstraße auch über Räumlichkeiten in der Innenstadt.


0

Kommentare

Inhalt kommentieren

Mit * gekennzeichnete Felder sind verpflichtend.

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein: