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Firmenporträt Schaeffler Vom Leiterwagen zur Weltraumtechnik

Wie adidas und Puma hat auch die Schaeffler-Gruppe ihren Sitz im fränkischen Herzogenaurach. Das Familienunternehmen ist in der Öffentlichkeit zwar nicht so bekannt wie die Sportartikelhersteller, dennoch spielt Schaeffler ganz vorne mit.

Stand: 18.08.2009

Lager des Automobilzulieferers Schaeffler | Bild: picture-alliance/dpa

Schaeffler ist nach dem schwedischen SKF-Konzern zweitgrößter Wälzkugellagerhersteller der Welt. 2008 erwirtschaftete der Konzern mit seinen drei Marken INA, LuK und FAG einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro - und gehört damit zu den größten deutschen Industrieunternehmen in Familienbesitz. Die Franken fertigen nach eigenen Angaben Kugellager "für alles, was sich bewegt - in Maschinen, Anlagen, Kraftfahrzeugen und in der Luft- und Raumfahrt".

Durchbruch mit dem "Nadellager"

Die Geschichte des Weltkonzerns beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach ihrer Flucht aus Schlesien gründeten die Brüder Wilhelm und Georg Schaeffler 1946 in Herzogenaurach das "Industriewerk Schaeffler Nadellager" (INA). Damals stellte der Betrieb noch Leiterwagen und andere Holzprodukte her.

Ihren Durchbruch schafften die Brüder mit der Erfindung des sogenannten Nadellagers, eines Kugellagers, das statt der Kugeln längliche Stifte verwendet. Die INA-Nadellager kamen beispielsweise im VW-Käfer zum Einsatz und wurden millionenfach verbaut. In den 50er-Jahren entstanden Zweigwerke in Homburg (Saarland) und im französischen Haguenau, seit 1958 fertigt INA auch in São Paulo (Brasilien). Es folgten Werke in den USA, Korea, China, Rumänien und Indien.

Rasantes Wachstum

Vor allem um die Jahrtausendwende ist die Schaeffler-Gruppe rasant gewachsen. 1998 lag der Umsatz bei geschätzten 1,5 Milliarden Euro. Damals waren bei Schaeffler etwa 22.000 Mitarbeiter beschäftigt, heute sind es weltweit 66.000. Zurzeit arbeiten 30.000 Menschen an deutschen Standorten, darunter 8.500 am Firmensitz in Herzogenaurach. Schaeffler ist in der Region Nürnberg hinter Siemens der zweitgrößte Arbeitgeber.

Mächtige Firmenchefin an der Spitze

Seit 1996 wird das Unternehmen von Maria-Elisabeth Schaeffler geführt. Nach dem Tod ihres Mannes trat sie dessen Erbe an. Sie und ihr Sohn Georg, der als Anwalt in den USA arbeitet, sind Alleingesellschafter der Gruppe. Als Vorsitzender der Geschäftsleitung wurde 1998 Jürgen Geißinger nach Herzogenaurach geholt. Der ehrgeizige Schwabe hat den Expansionskurs in den vergangenen Jahren stark vorangetrieben.

Verschwiegenheit als Firmenphilosophie

Die Schaeffler-Gruppe ist in der Öffentlichkeit um größtmögliche Verschwiegenheit bemüht. Schlagzeilen wider Willen machte das Unternehmen unter anderem 2001 mit der Übernahme des Schweinfurter Wälzlagerherstellers FAG Kugelfischer. In nur fünf Wochen hatte Schaeffler das MDAX-Unternehmen in einer feindlichen Übernahme gekauft und danach von der Börse genommen.

Übernahme von Continental

Im Juli 2008 hat Schaeffler ein erstes Übernahmeangebot für den Hannoveraner Automobilzulieferer und Reifenhersteller Continental vorgelegt. Nach einer wochenlangen Übernahmeschlacht hatten sich die beiden Unternehmen dann geeinigt: Schaeffler verpflichtete sich, pro Aktie 75 Euro an die Anteilseigner von Continental zu zahlen. Außerdem darf das Herzogenauracher Familienunternehmens bis zum Jahr 2012 nicht mehr als 49,99 Prozent der Aktien halten. Mit diesem Angebot konnte Schaeffler über 82 Prozent aller Conti-Anteile kaufen. Alle über die vereinbarte Minderheitsbeteiligung von 49,99 Prozent hinausgehenden Aktien wurden an die kreditgebenden Banken weitergegeben. Diese können die Anteile innerhalb von fünf Jahren "marktschonend" weiterverkaufen, heißt es in der Vereinbarung zwischen den Unternehmen. Dabei darf der Preis allerdings nicht unter den von Schaeffler gezahlten 75 Euro liegen.

Wirtschaftskrise

Ende 2008 kam die Wirtschaftskrise. Zuerst strauchelten die Banken, dann die internationale Automobilindustrie. Besonders hart traf es die Autozulieferer, darunter auch Schaeffler. Aufträge brachen weg, im Februar 2009 schickte das Unternehmen 20.000 Mitarbeiter in Deutschland in Kurzarbeit. Der Wert der Continental-Aktien stürzte binnen weniger Monate um über 80 Prozent ab. Wegen der Übernahme hatte Schaeffler zwölf Milliarden Euro Schulden und bemühte sich um Staatshilfen.


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