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Geschichte Mozart-Musik trifft auf Barock-Architektur

Mit einer "Würzburger Musik- und Theaterwoche" legte der Leiter des Würzburger Konservatoriums Hermann Zilcher 1921 die Basis für eines der ältesten und renommiertesten Musikfestivals Deutschlands. Er begründete das erste Mozartfest auf deutschem Boden und eines der ältesten Klassikfestivals überhaupt.

Stand: 18.08.2011 | Archiv

Die Würzburger Residenz vom Hofgarten her fotografiert | Bild: picture-alliance/dpa

Zilchers "Residenzfest" umfasste klassische Orchester- und Kammermusik,  hauptsächlich von Mozart. Mit seinem Vorhaben wich er dabei von dem Trend der damaligen Zeit ab. Mozarts Musik war in den 1920er Jahren nicht so gefragt wie etwa Werke von Wagner mit ihrer Programmatik des Heroischen. Während der ersten Konzertreihe entdeckte Zilcher, dass Mozarts Musik besonders mit dem Ambiente und der Architektur der Würzburger Residenz harmonieren. Daher richtete er im Folgejahr eine "Mozartwoche in der Residenz" aus. Nach diesen ersten beiden Durchgängen entwickelte er das Konzept eines jährlich stattfindenden Mozartfestes. Neben den Konzerten im Kaiser- und im Gartensaal der Residenz wurde die Nachtmusik im Hofgarten zum festen Bestandteil der Veranstaltung. Zilcher organisierte und leitete das Mozartfest über zwei Jahrzehnte hinweg. 1942 konnte es zum letzten Mal in seiner traditionellen Form stattfinden.

Krise des Festivals

Detail des Kaisersaals der Würzburger Residenz

1943 musste Zilcher die Leitung des Mozartfestes abgeben und das Festival wurde stärker zu nationalsozialistischen Propagandazwecken genutzt. Doch in beratender Funktion wirkte er sowohl 1943 als auch 1944 bei dem Festival mit. Mit der Zerstörung der Residenz bei dem Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 wurde dem Mozartfest seine Grundlage entzogen. Mit dem Tod Zilchers am 1. Januar 1948 verlor das Festival seine treibende Kraft. Aufgrund des Engagements des Würzburger Oberbürgermeisters Franz Stadelmayer und des Bayerischen Rundfunks glückte im Jahr 1951 ein Neustart des Mozartfests. Hierbei übernahm der BR zum einen mit einem Team die künstlerische Leitung des Festivals und beteiligte sich zum anderen an der Finanzierung des Wiederaufbaus der Konzertsäle

Der Macher des Mozartfests   

Hermann Zilcher

Der Komponist und Dirigent Hermann Zilcher kam am 18. August 1881 in Frankfurt am Main zur Welt. Er studierte ab 1897 am Frankfurter Musik-Konservatorium und erhielt nach dem Examen den Mozartpreis seiner Heimatstadt. 1901 wechselte er nach Berlin, von wo aus er Konzerttourneen durch Europa und die USA unternahm. Bevor er 1920 als Direktor des Bayerischen Staatskonservatoriums in Würzburg anfing, arbeitete er als Professor an der Akademie der Tonkunst in München. Zilcher war ein gefragter Gastdirigent und trat des Öfteren mit den Berliner Philharmonikern auf. Er litt an einer Herzschwäche und starb im Alter von 66 Jahren. Nach Einschätzung der Würzburger Musikwissenschaftler Friedhelm Brusniak und Ulrich Konrad sollte Zilchers Leben nicht ausschließlich auf sein Verhalten in der NS-Zeit reduziert werden. "Er hat sich in dieses System nahtlos eingepasst - eine ganz typische Musikerkarriere", stellte Konrad fest. "Er war weder Widerstandskämpfer noch extremer Nazi, sondern einer, der sich in der Mitte durchlaviert hat", urteilte Brusniak.


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