Franken - Kultur


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Jean Paul Die drei Wege, glücklicher zu werden

Seine Romane stecken voller Irrungen und Wirrungen. Doch wenn es um das Glück geht, weiß Jean Paul, dass es nur drei Wege gibt, auf denen der Mensch glücklicher (nicht glücklich, wie er betont) werden kann.

Von: Hermann Glaser

Stand: 02.05.2013 | Archiv

Mann steht auf einem Felsen und schaut gen Himmel | Bild: colourbox.com

Ein Romanautor, der wie Jean Paul sehr viele Werke geschrieben hat, verfügt über ein großes Repertoire von Gestalten, deren Charaktere und Lebenswege so spannend dargestellt sind, dass man sich wundert, wie wenig sie bislang von den Medien entdeckt wurden. Viele Drehbücher fürs "Herzkino", aber auch für Krimis könnten daraus entstehen.

Nehmen wir etwa den vierbändigen Roman "Titan": Da ist ein junger Graf, der von seinem Vater an einen Edelmann zur Erziehung weggegeben wird; bald kommt eine heiße Liebe ins Spiel; das Ganze findet in Italien auf der Insel Isola Bella statt, und dorthin stellen sich auch ein geheimnisvoller griechischer Hofbaumeister und ein schrulliger Bibliothekar ein. Der zunächst verleugnete Sohn soll bei Hof eingeführt werden, wobei das rätselhafte Testament seiner Mutter eine Rolle spielt. Ein Mönch erscheint als Gespenst; einem blinden zarten Mädchen droht Unheil, weil sie sich einen eigenen Mann erkürt. Und so geht es weiter mit immer neuen Personen und Ereignissen, wie bei einer Fortsetzungsgeschichte.

Höhenflug und Nesthockerfurche

Aber Jean Paul – und das ist viel ergreifender – weiß bei allen romanhaften Irrungen und Wirrungen, dass es eigentlich nur drei Wege gibt, auf denen der Mensch glücklicher (nicht glücklich, wie er betont) werden kann: Der erste führe in die Höhe, nämlich soweit über das Gewölke des Lebens hinaus zu dringen, dass man die ganze äußere Welt von weitem unter seinen Füßen nur wie ein eingeschrumpftes Kindergärtchen liegen sieht; sie ist zwar voller Wolfsgruben, Beinhäuser und Gewitterableiter, aber man sieht sie nicht.

Der zweite Weg sei, sich gerade herabzulassen ins Gärtchen und da sich so in eine Furche einzunisten, dass man, wenn man aus seinem warmen Lerchennest herausblickt, ebenfalls keine Wolfsgruben und Beinhäuser wahrnimmt, sondern nur Ähren, deren jede für den Nestvogel ein Sonnen- und Regenschirm ist. Der dritte Weg schließlich, den der Dichter für den schwersten aber klügsten hält, ist der, mit den beiden anderen zu wechseln.

Anthropologisch, also menschenkundlich gesehen, zeigt Jean Paul eine Seinsweise, die uns fürs tägliche Leben mit seiner Schwerkraft rüsten kann. Immer wieder sollte den Menschen die Sphäre locken: hoch hinaus will und soll man, nicht nur zu den Gipfeln, sondern noch weiter. Aber dann fällt man auf den Boden zurück, wo man sich am besten eingräbt. Par terre gibt es die einfachen Dinge des Lebens zu genießen. Was wären wir ohne Höhenflug und was ohne Nesthockerfurche? Und ohne den Wechsel zwischen beidem?         

"Glücklicher, nicht glücklich"

Freilich ist Jean Paul ein Dichter, bei dem man oft lange inmitten unübersehbarer Handlungsstränge und eines Geflechts von Personen, die "herumwabbeln und –quabbeln", nach den Weisheiten suchen muss. Hat man sie aber gefunden, kann man schon – ich zitiere nochmals wörtlich den Dichter – "glücklicher, nicht glücklich" werden.


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