Franken - Kultur


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Heino, Engel & Japaner Christkindlesmarkt skurril

Der Christkindlesmarkt ist ein Original. Aus den fünf Jahrhunderten seines Bestehens lassen sich allerlei Kuriositäten und skurrile Geschichten erzählen. Klicken Sie sich durch!

Stand: 26.07.2011 | Archiv

Geschichten vom Christkindlesmarkt

Promis

In den 70er-Jahren musste die Congress- und Tourismuszentrale den Christkindlesmarkt erst so richtig bekannt machen. Gerne hat sie dazu Stars eingeladen. So hat Udo Jürgens hier Weihnachtslieder gesungen und Heino verbreitete auf dem Markt weihnachtliche Stimmung. Bei der anschließenden Autogrammstunde von Heino wären beinahe die Schaufensterscheiben der Tourismuszentrale zu Bruch gegangen, weil die Leute sich so um die Unterschrift des beliebten Stars gedrängelt haben. Und auch von Willy Millowitsch ist überliefert, dass ihm der Besuch des Weihnachtsmarktes sehr gefallen hat. Er bekam dabei einen "Zwetschgermoh" geschenkt. Als er wieder zu Hause war, schrieb er eine Postkarte: "Das Zwetschgenmännchen hat mir wunderbar geschmeckt."

Rauschgoldengel

Eigentlich sieht er aus wie das Nürnberger Christkind. Oder sieht das Nürnberger Christkind aus wie der Rauschgoldengel? Jedenfalls ist er die Symbolfigur des Christkindlesmarktes. Er grüßt von den Prospekten, hängt an den Häusern rund um den Markt, er findet sich an Buden und in den Nürnberger Wohnzimmern. Seine goldglänzenden Flügel bestanden früher aus hauchdünn geschlagener Messingfolie, was ihm seinen Namen gab. Heute ist es natürlich nur noch Goldpapier. Sein goldener Rock hat bunte Querstreifen. Das Puppengesicht wird von einer goldenen Krone gekrönt. Besonderes Kennzeichen: Er hat keine Arme! Der Legende nach hat ein Puppenmacher im Dreißigjährigen Krieg den Engel gefertigt, dessen Gesicht seiner verstorbenen Tochter glich.

Nachbarn

Was haben Boxer-Shorts im Schottenkaro auf dem Christkindlesmarkt zu suchen? Wenn Sie sich diese Frage stellen, stehen Sie wahrscheinlich auf dem Markt der Nürnberger Partnerstädte auf dem Rathausplatz nördlich des Hauptmarkts. Ein Budenrund schickt die Besucher auf die Weltreise von China im Osten bis Nicaragua im Westen. Beim Schlendern findet sich für jeden Geschmack und Geldbeutel ein internationales Weihnachtsgeschenk. Da gibt es filigranen byzantinischen Silberschmuck aus der Partnerstadt Skopje, böhmisches Bleikristall aus Prag oder handgeschöpftes Briefpapier aus Nizza. Nicaraguanische Musik aus San Carlos begleitet den Tee aus dem südchinesischen Shenzhen. Und dann gibt es eben auch noch Boxer-Shorts im Schottenkaro ...

Einheimische

"Allmächd na! Auf den Christkindlesmarkt geh ich ned!", so sagt der Nürnberger, wenn er auf den berühmten Markt angesprochen wird. Und tatsächlich meiden die Einheimischen den Christkindlesmarkt vor allem am Wochenende. Das Drängeln und Stoßen der Touristen aus aller Welt ist dem menschenscheuen Franken zu viel. Doch dann, am Sonntagabend, wenn die Reisebusse ihre Türen schließen, die Gassen des Marktes sich leeren, es wieder Platz vor den Glühwein- und Bratwurstständen gibt, dann erobert er sich seinen Markt zurück. Dann lässt sich auch der Nürnberger den Duft von Lebkuchen, Bratwürsten und Glühwein um die Nase wehen. Denn eigentlich liebt er ihn ja auch, seinen Markt. Und der Höhepunkt ist schließlich der Besuch am letzten Tag vor Weihnachten. Dann hat er den Markt ganz für sich ...

Japaner

Der Christkindlesmarkt ist fest in japanischer Hand: Mit über 7.000 Übernachtungen bilden sie die größte Gruppe der ausländischen Touristen in der vorweihnachtlichen Zeit. 45 japanische Reiseveranstalter bieten den Besuch des Weihnachtsmarkts an. Nach den Japanern bilden die Schweizer, die Italiener und die Amerikaner die größten Besuchergruppen. Von den 170.000 Übernachtungen, die die Tourismuszentrale im Dezember 2004 insgesamt in Nürnberg zählte, entfallen ein Drittel auf Besucher aus dem Ausland. Insgesamt besuchen rund zwei Millionen Menschen den Weihnachtsmarkt. Damit ist und bleibt der Christkindlesmarkt die Touristenattraktion schlechthin in Nürnberg. Während in anderen Städten der Dezember oft ein Besuchertief bringt, ist der Weihnachtsmonat in Nürnberg der besucherstärkste Monat.

Schnee

"Endlich mal Schnee bei der Eröffnung des Christkindlesmarkts", antwortet Pressefotograf Herbert Lidl wie aus der Pistole geschossen, wenn man ihn nach seinem Weihnachtswunsch fragt. In den letzten zehn Jahren hat es das nämlich nur einmal gegeben. Und schlimmer noch: Nicht selten hat es zur Eröffnung in Strömen geregnet. Der Alptraum eines Fotografen! Und natürlich auch der Kinder, die sich an diesem Tag in Massen auf dem weihnachtlichen Marktplatz drängen. "Wenn es mal geschneit hat, muss man immer sofort wetzen, um den Christkindlesmarkt noch in weißer Pracht zu erleben", plaudert Herbert Lidl aus dem Nähkästchen. Denn so richtige Weihnachtsstimmung kommt doch erst mit dem Schnee auf ...

PR

"Der Christkindlesmarkt ist der beste PR-Veranstalter für Deutschland." Dies bescheinigte der Deutsche Botschafter in den USA dem weltbekannten Weihnachtsmarkt. Und er sagt dies nicht ohne Grund. Denn während nach dem 11. September 2001 die Zahl amerikanischer Touristen in Europa schlagartig zurückging, konnte der Nürnberger Christkindlesmarkt an Weihnachten 2001 sogar einen Zuwachs von Besuchern aus den USA verzeichnen. Erst während des Irak-Krieges 2003 kamen nicht mehr so viele Besucher aus den Vereinigten Staaten. Doch seitdem geht es schon wieder aufwärts. Die Bekanntheit des Marktes in den USA wächst seit 1996. Seit damals gibt es nämlich einen "Ableger" des Christkindlesmarkt in Chicago. Einer der Pflichttermine des scheidenden Christkindes ...

Diebe

"Alles ruhig am Christkindlesmarkt", antwortet der Pressesprecher der Polizei, wenn man ihn auf die Verbrechensrate auf der weihnachtlichen Großveranstaltung anspricht. Auch wenn er länger im Gedächtnis kramt, fällt ihm keine Schlägerei, kein spektakulärer Kriminalfall oder kein dramatischer Unfall ein. Einzig und allein die alljährlichen Taschendiebstähle machten und machen der Polizei zu schaffen. Doch seit 2003 wird dagegen massiv eingeschritten: Handzettel und Plakate warnen vor Leichtsinnigkeit, die Anzahl der sichtbaren Polizisten wurde verstärkt und auch Zivilfahnder sind im Einsatz.

"Stille Nacht, Heilige Nacht" auf Japanisch

Japaner lieben den Christkindlesmarkt.

Ein paar Tassen Glühwein - und schon kann's passieren: Die Engelchen rauschen noch güldener, die Sterne funkeln noch heller und die Glöckchen klingen süßer wie nie. Und sollte Ihnen dann auch noch das deutscheste aller deutschen Weihnachtslieder - nämlich "Stille Nacht, Heilige Nacht" - Japanisch vorkommen: Keine Panik, hier geht es durchaus mit rechten Dingen zu.

Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist nämlich ein beliebtes Ziel der Touristen aus Fernost. Mit über 7.000 Übernachtungen bilden sie die größte Gruppe der ausländischen Touristen im vorweihnachtlichen Nürnberg. Und da kann es schon mal passieren, dass ihnen die heimatlich-weihnachtlichen Gefühle durchgehen. Wenn nicht, laden Sie die Gäste doch zu ein oder zwei Tassen Glühwein ein ...


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