Franken - Kultur


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Kulturgeschichte Tradition schafft Identität

Tradition zu erhalten bedeutet nicht, die Asche zu bewachen, sondern die Flamme am Brennen zu halten. Ganz in diesem Sinne arbeiten die die historischen Vereine und Arbeitsgemeinschaften in Unterfranken.

Stand: 19.03.2014 | Archiv

Zwei Frauen in fränkischer Tracht | Bild: picture-alliance/dpa

Der älteste historische Verein im Untermainkreis wurde 1831 gegründet. Damals hatte König Ludwig I. alle bayerischen Kreise aufgefordert, das "vaterländische Bewusstsein" zu pflegen. In der Folgezeit entstanden unter anderem der "Kunstverein" (1841) sowie der "Kunst- und Altertumsverein" (1893). Die drei schlossen sich 1948 zusammen zum Verein "Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte". Dessen "Bemühungen dienen dem Ziel, den Reichtum aus Kunst und Geschichte für Gegenwart und Zukunft lebendig werden zu lassen", so steht es auf der Homepage.

Engagiert für den Erhalt von Denkmälern

Seit 1980 setzen sich der Markt Elfershausen und die "Freunde der Trimburg" für den Erhalt der Anlage ein.

Heute hat praktisch jede Stadt in Unterfranken einen historischen Verein oder eine Arbeitsgemeinschaft, viele davon sind erst in den vergangenen 30 Jahren gegründet worden. Ihre Aufgabe sehen sie nicht nur darin, Geschichtswissen zu vermitteln und Sammlungen zusammenzustellen und zu erhalten – sie wollen auch zu neuen Forschungen anregen. Manche Gruppen haben sich auch die Erhaltung bestimmter Kulturgüter auf die Fahnen geschrieben, beispielsweise die "Burgfreunde Wildenstein" (Lkr. Miltenberg) oder die "Freunde der Trimburg" (Lkr. Bad Kissingen).

"Frankenbund" mit eigener Zeitschrift

Als eine Art Dachverband fungiert der "Frankenbund". 1920 gegründet, will er bis heute die fränkische Kultur fördern und das kulturelle Erbe Frankens pflegen. Sechsmal im Jahr erscheint die Zeitschrift "Frankenland", die sich an alle wendet, die großes Interesse an fränkischem Brauchtum, an Geschichte, Kunst und Kultur haben.

Vielfältige Museumslandschaft

Die können Besucher natürlich auch in einem der zahlreichen Schlösser und Museen bestaunen. Den Grundstein legte die Universität Würzburg, die ab dem 18. Jahrhundert mehrere akademische Sammlungen zusammentrug. Einige davon wurden im 1832 gegründeten Martin-von-Wagner-Museum ausgestellt, heute eines der größten Universitätsmuseen Europas. Zur vielfältigen Museumslandschaft in Unterfranken gehören auch das Deutsche Fastnachtmuseum in Kitzingen, das Schulmuseum in Lohr, das Museum für Grenzgänger in Bad Königshofen und das Freilandmuseum in Fladungen.

Die unterfränkische Trachtengrafik

Männertracht aus Baldersheim bei Aub, Trachtengrafik von Peter Geist um 1852 - zu sehen im Mainfränkischen Museum Würzburg.

Verschmolzen wurden Kunst und Kultur in der unterfränkischen Trachtengrafik, die Künstler im 19. Jahrhundert als eigenes Genre entdecken. Der Begriff "Tracht" stammt aus dem Mittelniederdeutschen und bedeutet wörtlich „das, was getragen wird“. Gemeint war damit im engeren Sinne die Kleidung der Landbevölkerung, bei der die Welt – aus Sicht der Städter – noch in Ordnung war. Nach den napoleonischen Umwälzungen und der einsetzenden Industrialisierung sehnten sich die Bürger nach der vermeintlichen ländlichen Romantik – die es so allerdings nie gegeben hat. Nichtsdestotrotz sah das bayerische Königshaus in der Tracht ein identitätsstiftendes Element und förderte die Tradition entsprechend.

Bürger in Tracht als schmückendes Beiwerk

Der Lehrer und Schulinspektor Johann Kaspar Bundschuh beschrieb in den Jahren 1796/97 erstmals das Kleidungsverhalten der Landbevölkerung im heutigen Unterfranken. Davon ließ sich die Schweinfurter Malerin Margarethe Geiger inspirieren, die die ersten Trachtengrafiken zu Papier brachte. Von einigen ihrer Aquarelle wurden in Wien Farblithografien erstellt, die als Sammelmappen an interessierte Bürger verkauft wurden. Auch der Würzburger Maler Peter Geist übernahm einige Figuren von Geiger. Darstellungen von Trachten finden sich im 19. Jahrhundert außerdem in vielen Gemälden wieder. Die Maler verwendeten die Figuren gerne als stereotype Dekoration.


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