Franken


12

Schwerpunkt: neue ICE-Strecke Das bringt der Fahrplanwechsel für Reisende aus Franken

Keine drei Stunden wird der ICE von Nürnberg nach Berlin brauchen, wenn die neue ICE-Strecke im Dezember eröffnet wird. Doch nicht alle Regionen in Franken profitieren gleichermaßen von der neuen Trasse und dem Fahrplanwechsel.

Von: Tina Wenzel, Markus Feulner

Stand: 02.10.2017

Im Dezember will die Deutsche Bahn die neue ICE-Trasse zwischen Nürnberg und Berlin offiziell eröffnen. Dann braucht der ICE zwischen Nürnberg und Berlin nur noch knapp drei Stunden. Zwei Stunden weniger als bisher.

In Nürnberg in den ICE-Sprinter einsteigen

Drei Mal am Tag wird ein sogenannter ICE-Sprinter Nürnberg ansteuern. Zusätzlich fährt jede Stunde ein ICE, der je nach Haltestellen etwa drei Stunden 20 Minuten von Nürnberg nach Berlin benötigt. Nicht nur in die Hauptstadt geht es ab Dezember im Eiltempo. Von Nürnberg aus sind die Reisenden auch schneller als bisher in Erfurt, Halle, Leipzig, Magdeburg oder Dresden.

Der ICE-Sprinter

Der sogenannte Sprinter hält von München aus nur in Nürnberg, Erfurt, Halle, Berlin-Südkreuz und Berlin Hauptbahnhof. Der Sprinter verlässt München jeweils um 5.56 Uhr, 11.56 Uhr und 17.56 Uhr. In Nürnberg fährt er etwa eine Stunde später ab. In Berlin startet der Schnellzug in die Gegenrichtung um 6.03 Uhr, 12.05 Uhr und 18.05 Uhr.

ICE-Verbindung zwischen Nürnberg und Berlin

Ansbacher müssen einmal umsteigen

Von der neuen Verbindung profitiert auch Ansbach: Mit einem Umstieg in Nürnberg sind die Reisenden aus Ansbach in vier Stunden 30 Minuten in Berlin. Eine Zeitersparnis von 50 Minuten, teilt die Deutsche Bahn mit. Mit dem ICE-Sprinter geht es sogar noch schneller – in vier Stunden erreichen die Reisenden die Hauptstadt. Mit einmal Umsteigen soll auch Unterfranken besser angeschlossen sein, so die Deutsche Bahn. Reisende aus Schweinfurt, die in Bamberg umsteigen, erreichen Berlin eine Stunde schneller als mit der Verbindung über Würzburg. Und die Würzburger sind mit einem Umstieg in Bamberg genauso rasch in Berlin, wie über die bestehende Verbindung über Kassel.

ICE-Halt in Bamberg und Erlangen noch eingeschränkt

Im Fahrplan 2018 sind 24 Halte in Bamberg und 17 Halte in Erlangen pro Tag möglich – mehr gebe der Ausbauzustand der Trasse zwischen Forchheim und Erlangen bisher noch nicht her, so die Deutsche Bahn. Ab 2019 soll der ICE dann nahezu stündlich in Bamberg und alle zwei Stunden in Erlangen halten. Durch die neue Verbindung rückt Bamberg näher an Thüringen. Bis nach Erfurt sind es nur noch 45 Minuten. Nach Berlin: 2 Stunden 45 Minuten.

Coburg wünscht sich häufiger eine schnelle Verbindung

Auch Coburg wird Teil des ICE-Netzes. Dreimal am Tag hält dort der ICE. Sowohl die Fahrzeit nach Berlin als auch nach München verkürzt sich erheblich, so die Deutsche Bahn. Nach Berlin geht es zwei Stunden schneller, nach München 30 Minuten. Zudem gebe es schnelle Umsteigeverbindungen über Bamberg. Doch zufrieden sind die Coburger nicht.

"Wir haben immer wieder betont, dass das nur ein Einstieg sein kann."

Norbert Tessmer (SPD), Oberbürgermeister von Coburg

SPD-Oberbürgermeister Norbert Tessmer will sich dafür einsetzten, dass Coburg künftig mindestens alle zwei Stunden von einem ICE angesteuert wird. Immerhin sei Coburg einer der wirtschaftsstärksten Räume Europas, mit großen Firmen, die in der Region ihren Sitz haben, so der Oberbürgermeister.

Verlorene ICE-Halte – Lichtenfels will nicht abgehängt werden

Lichtenfels hat seinen ICE-Halt auf der Strecke nach Berlin hingegen verloren. Die Bahn betont aber, dass mit einem Umstieg in Bamberg von Lichtenfels nach Berlin die Reisenden nur drei Stunden 20 Minuten benötigen, 40 Minuten schneller als heute mit dem direkten ICE. Doch allein mit einer Anbindung an den ICE-Halt in Bamberg könne dieser Verlust nicht kompensiert werden, heißt es aus dem Landratsamt Lichtenfels.

"Wir wollen nicht von der Fernverkehrskarte Deutschlands verschwinden."

Christian Meißner (CSU), Landrat Lichtenfels

Erst Ende 2023 soll ein Intercity (IC) alle zwei Stunden in der Stadt halten. Die Lichtenfelser sind davon wenig begeistert. In der Region sind dem Landratsamt zufolge rund 200.000 Einwohner und mehr als 13.000 Unternehmen beheimatet. Außerdem würden derzeit jährlich rund 500.000 Gäste mit dem ICE in Lichtenfels ankommen – bei einer Gesamtzahl von gut 1,5 Millionen Gästeübernachtungen immerhin fast ein Drittel.

Keine Zeitersparnis für Ost-Oberfranken

Bayreuth, Hof und Marktredwitz sind von der neuen ICE-Strecke zu weit entfernt, um von dem Zeitgewinn zu profitieren. Mit dem Fernbus von Bayreuth nach Berlin beispielsweise geht es fast genauso schnell, sagt Günther Finzel vom Sächsisch-Bayerischen Städtenetz, der sich für eine bessere Zuganbindung einsetzt.

"Dass die Fahrzeiten nicht kürzer sind, liegt auch daran, dass wir riesengroße Umwege fahren müssen. Zum Beispiel über Nürnberg sind es mehr als 200 Kilometer Umweg nach Berlin. Und es liegt daran, dass auch die Abfahrts- und Ankunftszeiten extrem ungünstig liegen."

Günther Finzel, Sächsisch-Bayerisches Städtenetz.

Zudem wird in Ost-Oberfranken seit Jahren um die Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale gerungen. Derzeit laufen die Vorarbeiten für den Ausbau. Immerhin Hof ist bereits elektrifiziert. Die Strecke zwischen Nürnberg und Marktredwitz wird es voraussichtlich bis 2030, so Finzel. So lange bleibt die Diesel-Lok im Einsatz.

Bahnpreise für schnelle Verbindung

Wie viel die schnelle Verbindung nach Berlin kosten wird, ist noch nicht bekannt. Die Sparangebote der Bahn sollen aber auch auf dieser Strecke gültig sein. Durch die neue ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Berlin erhofft sich die Bahn, attraktiver für die Reisenden zu werden und eine konkurrenzfähige Alternative zu Auto sowie Flugzeug zu bieten. Jahrelang wurde an dem Mamutprojekt mit dem Namen "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8" gebaut, das bereits 1991 beschlossen wurde.  Rund zehn Milliarden Euro hat es gekostet, so die Deutsche Bahn.

Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8


12

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Alexander, Dienstag, 10.Oktober, 18:48 Uhr

1. Unterfranken?

Schön das Mittel- und Oberfranken diskutiert wurde, die Änderungen in den Verbindungen der Unterfranken sind wohl vergessen worden?