Franken


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Schwerpunkt: neue ICE-Strecke Opfer für die Deutsche Einheit

Jahrelang wurde an der neuen ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Berlin gebaut: Ortschaften wurden zerschnitten, Anwohner litten unter Baustellenlärm und einige beklagen bis heute Schäden an ihren Häusern durch die Bauarbeiten. Die Kehrseite der neuen ICE-Trasse.

Von: Tina Wenzel, Markus Feulner

Stand: 05.10.2017

Von Nürnberg nach Berlin in nur drei Stunden, umweltfreundlich mit der Bahn: Das ist die positive Seite der neuen ICE-Strecke, dem "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8". Doch den Anwohnern entlang der Trasse wurde viel abverlangt – bis heute.

Schäden durch Bauarbeiten

Nicht nur mit monatelangem Baulärm und wochenlangen Streckensperrungen hatten die Anwohner zu kämpfen. In Ebensfeld klagen Bürger aus der Bahnhofstraße auch über Risse in ihren Häusern, die von den Bauarbeiten an der Trasse stammen sollen. Amateuraufnahmen zeigen, dass schwere Baumaschinen das Geschirr zum Scheppern brachten. Deswegen fordern sie Schadensersatz von der zuständigen Baufirma. "Wir haben jetzt die Endbeweissicherung bekommen – für jedes Haus ist das ein Ordner", sagt der erste Bürgermeister Bernhard Storath (CSU). Nun prüft die Versicherung, ob die Anwohner entschädigt werden.

Zerschnittene Ortschaften

Auch das Ortsbild von Ebensfeld hat sich stark verändert. Anstatt zwei Gleisen gehen nun vier durch die Gemeinde, meterhohe Lärmschutzwände inklusive.

"Es schaut, so deutlich muss ich das sagen, beschissen aus für Ebensfeld. Eine Mauer, die quer den Ort teilt – in Ost und West: Die Berliner Mauer ist jetzt in Ebensfeld aufgebaut."

Bernhard Storath (CSU), erster Bürgermeister Ebensfeld

Schallschutzwände bei Breitengüßbach

Auch das wenige Kilometer entfernte Breitengüßbach wurde praktisch zerschnitten. Doch die Lärmschutzwände müssen sein, wenn ICEs und Güterzüge vorbeirauschen. "Man hört die Züge praktisch nicht mehr", sagt der Pressesprecher der Bahn, Frank Kniestedt. Anwohner bezweifeln das.

Widerstand der Bamberger

Doch gerade diese hohen Lärmschutzwände und der monatelange Baustellenlärm beunruhigen die Bürger in Bamberg. In der Welterbestadt wurde noch nicht gebaut. Die Bamberger diskutieren noch mögliche Trassenvarianten. Die Varianten reichen von einer weitgehenden Untertunnelung der Stadt, über eine Teiluntertunnelung bis hin zum oberirdischen Ausbau der Bestandsstrecke. Mit einer Fertigstellung wird erst 2032 oder 2034 gerechnet.

Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr.8

1991, ein Jahr nach der Wiedervereinigung, beschließt die Bundesregierung das "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8" – kurz VDE 8. Rund 25 Jahre später ist das Mamutprojekt fast fertig. Im Dezember soll die neue Strecke zwischen Nürnberg und Berlin offiziell eröffnet werden, auch wenn in Bamberg noch gebaut werden muss. Insgesamt verschlingt das Bauprojekt mindestens 10 Milliarden Euro. Die Strecke wurde zum Teil vierspurig ausgebaut. Vom oberfränkischen Ebensfeld (Lkr. Lichtenfels) über Erfurt bis nach Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt ist die Strecke sogar komplett neu gebaut – mit zahlreichen Brücken und Tunneln.

Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8


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100 % Erneuerbare, Montag, 02.Oktober, 21:00 Uhr

1. zu viel Geld versenkt bzw. verbaut

Meines Erachtens wurde in dieses Projekt viel zu viel Geld verbaut und zu viel Landschaft zerstört. Diese Strecke dient offensichtlich Politikern und/oder Geschäftsleuten schnell von München nach Berlin zu gelangen. Dafür hätte man einige Projekte zwischen West- und Mitteldeutschland finanzieren können. Z. B. Ausbau Würzburg - Schweinfurt - Erfurt, der Fahrplan lässt derzeit kaum Reserven zu. Genauso hätte man Oberfranken (Bayreuth/Hof) in Richtung Sachsen ordentlich anbinden können, das Gegenteil ist passiert. Diese Region wurde vom Fernverkehr abgehängt. Ostbayern (Hof - Weiden - Regensburg weiter in Richtung München) wurde genauso vom Fernverkehr abgehängt. Eine ordentliche Verbindung nach Tschechien wäre auch sehr sinnvoll, stattdessen fährt ein IC Bus, der von der Verkehrslage auf der A 6 abhängig ist und die Weiterfahrt so evtl. zum Lotteriespiel wird. Aber vielleicht wird es Zeit, dass endlich ein Bahnchef ans Ruder kommt, der aus dem Nachwuchsnest der Zugvögel stammt!!!!