Franken - Buchtipps


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Kurzkrimi-Sammlung "Tatort Unterfranken"

Im neuen Krimiband "Tatort Unterfranken" sind neun Kurzkrimis von jeweils 20 bis 30 Seiten zu finden. Die Autorinnen und Autoren haben sich jeweils eine unterfränkische Stadt ihrer Wahl vorgenommen als Schauplatz für ein Verbrechen.

Von: Tanja Oppelt

Stand: 13.07.2020

Krimi-Sammlung "Tatort Unterfranken" | Bild: Ars-Vivendi-Verlag

In Aschaffenburg nervt ein Übernachtungsgast tödlich. In Schweinfurt führt eine unerwiderte Liebe zur Tragödie. Und in Volkach wird ein ganz besonderer Tropfen serviert. Neun fränkische Krimiautoren haben eine unterfränkische Stadt ihrer Wahl zum Tatort verwandelt. Nur eine von ihnen, Renate Eckert, ist eine waschechte Unterfränkin. Die anderen – darunter Tessa Korber, Bernd Flessner oder Elmar Tannert – kommen aus anderen Regionen Frankens. Dem Lokalkolorit des Buches tut das keinen Abbruch. Einheimische werden Gasthäuser, Sehenswürdigkeiten und malerische Plätze wiedererkennen. Und bei nicht-unterfränkischen Lesern kommt möglicherweise Lust auf, der ein oder anderen Stadt einen Besuch abzustatten – trotz aller Tragik und Grausamkeit, die aus den Geschichten heraus scheint.

Miltenberg als Tatort – ein Kurzkrimi ohne Leiche

Der Mittelfranke Veit Bronnenmeyer hat sich Miltenberg als Tatort ausgesucht. Sein Kurzkrimi sticht heraus, denn als einziger kommt Bronnenmeyer ohne Leiche aus.

"Ein Krimi ist ja als Genre auch viel breiter aufgestellt. Es muss ja nicht immer einer ermordet werden. Der klassische Entführungsfall kann man ja an Spannung eh kaum überbieten. Aber auch ein gut gemachter Raub oder Einbruch – da gibt’s alles Mögliche. Ich finde, man sollte das Genre nicht enger machen als es ist. Das Krimigenre ist ein sehr großes, und das ist ja das Schöne dran."

Veit Bronnenmeyer, Krimi-Autor

Ob das, was in Miltenberg passiert, überhaupt eine Straftat ist, bleibt unklar. Lustig ist die Geschichte allemal. Es spielen mit: Eine genervte Bürgermeisterin, zwei wenig eifrige Polizisten und eine Klopapierfabrik – die gibt es in Miltenberg übrigens wirklich. Bronnenmeyer liegt die kurze literarische Form.

"Da kann man es als Autor mal krachen lassen. Da kann man vielleicht Blödsinn machen, riskieren, was wagen, die Gesetze der Natur außer Kraft setzen oder weiß der Deifel was. Das sehen viele von uns so. Die genießen es, dass man 20 Seiten einfach was schreiben kann. Da bist du freier als beim Roman. Da muss alles in der Form bleiben, man muss an diese und an jene Leser denken. Da ist man beim Kurzkrimi etwas befreit."

Veit Bronnenmeyer, Krimi-Autor

Info und Bewertung

Wertung: 4 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Die Kurzkrimi-Sammlung "Tatort Unterfranken" ist im Ars-Vivendi-Verlag erschienen. Sie hat 192 Seiten und kostet 13 Euro.

Vor allem ist beim Kurzkrimi wichtig: Bitte nur eine Geschichte erzählen, nicht abschweifen! Das gelingt in "Tatort Unterfranken" nicht allen. Tommie Goertz hat eine spannende, berührende Familiengeschichte geschrieben. Warum mittendrin ein Rothenfelser Hotelier über Verschwörungstheorien fabulieren muss, erschließt sich nicht und stört den Fluss der Geschichte.

Ein historischer Krimi in Bad Kissingen

Killen McNeill hatte auch Lust auf ein Kurzkrimi-Experiment. Der gebürtige Nordire lebt seit über 40 Jahren im Steigerwald und hat sich Bad Kissingen als Schauplatz seiner Geschichte ausgesucht.

"Mir gefällt das etwas Altmodische, das Kurort-Flair. Und mir gefällt auch, dass außerhalb vom Kurbetrieb es noch ein anderes Bad Kissingen gibt. Bad Kissingen ist ja nicht nur der Kurbetrieb, sondern es hat auch eine sehr schöne Altstadt."

Killen McNeill, Krimi-Autor

McNeill hat einen historischen Krimi geschrieben. Er spielt im 19. Jahrhundert, zur Glanzzeit Bad Kissingens als Kurstadt. Hintergrund ist ein reales historisches Ereignis, die so genannte Kaiserkur; damals kurten große Teile des Europäischen Hochadels gleichzeitig in Bad Kissingen.

"Zar Alexander der Zweite mit seiner Frau Marie, Kaiser Franz Joseph aus Österreich mit seiner Frau Elisabeth, also der Sissi, und auch noch der König Ludwig der Zweite von Bayern und der König Karl-Friedrich von Württemberg – die waren alle gleichzeitig da, von Juni bis Juli 1864. Einige hatten sich Decknamen zugelegt, um nicht erkannt zu werden. Aber sie haben sich natürlich trotzdem auf der Kurpromenade getroffen und woanders auch."

Killen McNeill, Krimi-Autor

Auch der Hochadel schreckt nicht vor fürchterlichen Verbrechen zurück – zumindest nicht in McNeills Geschichte.

Kurzkrimis – für die Lesepause zwischendurch

Die neun Kurzkrimis in „Tatort Unterfranken“ eignen sich als Lesepause zwischendurch, für den Badesee, den heimischen Garten oder abends im Bett. Angst, nicht einschlafen zu können, muss man nicht haben. Richtig verstörend wird es nie. Für einen nervenaufreibenden Grusel-Schocker ist Unterfranken vielleicht doch zu schön und zu lieblich.  


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