Franken - Buchtipps


7

Ludwig Fels "Dou di ned o"

Ludwig Fels fand am Ende seiner Karriere – und seines Lebens – zum ersten Mal zur Mundart-Literatur. Einen Monat vor seinem Tod erschien sein letztes Buch mit dem Titel "Dou di ned o" – hochdeutsch in etwa: Reg dich nicht so auf.

Von: Tanja Oppelt

Stand: 27.01.2021

Warum findet jemand am Ende seiner Schriftsteller-Karriere – am Ende seines Lebens, wie sich herausstellte – zum ersten Mal zur Mundart-Literatur? Jemand wie Ludwig Fels, der die Hälfte seines Lebens im selbstgewählten österreichischen Exil – in Wien – verbracht hat, und der seiner ersten Heimat – Franken – lebenslang in tiefer Hassliebe zugetan war.

mei mudder

Mei Mudder
hat zwa Kebf ghabd
und in der Middn a Gsichd.
Mei Mudder
had vier Händ ghabd
zwa zum Arbeidn
zwa zum Bedn
ihr Fäiß hob i ned zähld.

"Dialekt war eigentlich naheliegend, das war ja seine erste Sprache. Ludwig Fels hat ja die Hochsprache wie eine Fremdsprache erlernt. Umso erstaunlicher ist, was er in dieser Fremdsprache alles geleistet hat und was er literarisch geschaffen hat."

Fitzgerald Kusz, Schriftsteller

Der Nürnberger Schriftstellerkollege Fitzgerald Kusz hat Ludwig Fels in den 70er Jahren kennengelernt und war seitdem – so sagt er – ein enger Freund. Dieser Freundschaft hat Fels mit zwei Mundart-Gedichten ein Denkmal gesetzt.

ode an f.k.

Ach, ich liebe seine Schbrache
dieses frängische Genache.
Herr und Godd, laß ihn mir breisn
und niemals hinderm Komma
einen Bungd vurdaischn.

Ein überraschter Verleger

"Er hatte sein ganzes Leben lang immer wieder Mundartgedichte geschrieben, die aber nicht veröffentlicht wurden. Diese Sammlung hat er mir im vorletzten Jahr geschickt und mich gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, dass wir einen Mundart-Gedichtband machen."

Norbert Treuheit, Verleger

Norbert Treuheit, Verleger und Geschäftsführer des Ars-Vivendi-Verlags in Cadolzburg, war überrascht und neugierig: Ludwig Fels – im Grunde seines Herzens ein fränkischer Mundart-Dichter? Er habe die Gedichte "wohlwollend geprüft und für gut befunden", erzählt Treuheit. Der Gedichtband "Dou di ned o" nahm Gestalt an.

Info und Bewertung:

Wertung: 4 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

"Dou di ned o" von Ludwig Fels ist im Ars-Vivendi-Verlag erschienen. Der Gedichtband hat 112 Seiten und kostet 15 Euro.

Ludwig Fels setzte sich an den Schreibtisch und lieferte noch viele weitere, neue Mundart-Gedichte. In vielen Fällen geht es um den Tod, das Lebensende und die Frage "Was bleibt?" – Ludwig Fels war über 70, diese Fragen trieben ihn um. Seine Sprache in den Mundart-Gedichten ist bildgewaltig und alptraumhaft. Sie ist mitunter derb, vulgär und schwer verdaulich – immer wieder ist von Blut, Tränen und anderen menschlichen Ausscheidungen die Rede.

Auch im Fränkischen bleibt sich Fels treu: Das Schöne und Leichte interessiert ihn nicht. Er will dahin, wo es weh tut. Seine Mundart-Gedichte haben nichts Heimeliges, sie zeigen keine Liebe zu Franken. Fels‘ Heimatstadt Treuchtlingen kommt nicht gut weg. Seine Wahlheimat Wien allerdings auch nicht.

"Es ist schon die Zerrissenheit in ihm, die da zum Ausdruck kommt, dass er zuerst geflohen ist aus seiner Heimat. Und dass er dann in Wien sich doch immer öfter mit seiner Heimat auseinandersetzte und sich dann wieder damit versöhnen und anfreunden konnte."

Norbert Treuheit, Verleger

Auf Fränkisch klingt alles seltsam harmlos

Sensibel, zärtlich, wütend und zornig – Fels war alles. Auch in den Mundartgedichten blitzt seine reiche Gefühlswelt im Positiven wie im Negativen auf. Aber auf Fränkisch klingt alles seltsam harmlos.

In die Ärbäd ganga
wäi in an Griech, wou kaner schdirbd
an däi Faierdooch
sei Kinder zähld
wenn er eigschloufn is
had sei Frau weidergmachd.

Fels' Sehnsucht nach Franken

Es scheint, als ob das Fränkische nicht immer dem gerecht werden kann, was Ludwig Fels ausdrücken will. Ihm war dieses Problem bewusst. Im Vorwort schreibt er, Fränkisch gleiche der "Sprache großer Kinder", ein karger Dialekt, phonetisch "geschreddert". Aber: Sich seiner Muttersprache wieder anzunähern, war offenbar ein Herzensanliegen von Ludwig Fels. Als ihn Verleger Norbert Treuheit im vergangenen Sommer in Wien besuchte, verriet ihm Fels, dass er sogar darüber nachdenke, nach Franken zurückzuziehen. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Aber Treuheit berichtet von einem Erlebnis in Wien, das verdeutlicht, wie tief Ludwig Fels‘ Liebe zu und Sehnsucht nach Franken letztendlich war.

"Er hat mir, als ich in Wien war, von einem Kellner in seinem Lieblingscafé erzählt, der aus Franken kam. Das war für ihn so wichtig, dass der ein Belegexemplar bekam. Er wollte mich ihm auch vorstellen, aber als ich in Wien war, da hatte der Kellner frei. Deswegen habe ich diesen fränkischen Kellner nie kennengelernt. Aber man sieht, das war so eine Bezugsperson, die er immer wieder hatte, und dem er dieses Büchlein schenken wollte."

Norbert Treuheit, Verleger


7