Franken - Buchtipps


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Birgit Ringlein "Meuchelmord und Mandelkracher"

Regionalkrimis gibt es viele. Dieser aber nennt sich "fränkischer Genusskrimi". Der Titel hört sich aber nur bedingt nach Genuss an: "Meuchelmord und Mandelkracher". Die Autorin Birgit Ringlein lässt darin ihre Köchin Dora Dotterweich zum zweiten Mal ermitteln.

Von: Susanne Roßbach

Stand: 13.07.2020

Cover "Meuchelmord und Mandelkracher" | Bild: emons Verlag

Ein buntes literarisches Menü serviert Birgit Ringlein.

Vorspeise: Bieder gemütliche Atmosphäre im Gasthof "Eppelein" auf Schloss Lauenfels in der Fränkischen Schweiz. Bevor die resolute Dora Dotterweich hier Küchenchefin wurde, war sie bei der Grafenfamilie als Haushälterin und Köchin angestellt.

"Bei mir in der Küche werkelt außer mir noch die Sofie, die wo früher als Haushaltshilfe im Schloss die Wäsch gemacht und mit ihrem Schrubber umeinandergefegt hat. (…) Wenn wir so ein richtig vornehmes Restaurant wären, wär sie quasi die Légumière. Weil wir aber eher so ein hochadeliges Bauernwirtshaus sind, is sie bloß des Gemüsemadla und für uns vom Küchenpersonal die Salatschnecke."

Auszug aus dem Buch 'Meuchelmord und Mandelkracher' von Birgit Ringlein

Info und Bewertung:

Wertung: 3 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Der fränkische Genusskrimi "Meuchelmord und Mandelkracher" von Birgit Ringlein ist im Emons Verlag erschienen. 240 Seiten Krimi inklusive 22 Rezepte kosten 12 Euro.

Hauptspeise: Ein Meuchelmord. Das ist "eine vorsätzliche, auf heimliche hinterhältige Weise verübte Tötung eines Menschen", heißt es im Deutschen Rechtswörterbuch. Dieses Schicksal ereilt einen Gast des Hauses und genau wie im ersten Band "Schnüffelei und Schäufele" hält sich Dora Dotterweich kein bisschen an die Anweisung der Kripo, sich bloß nicht einzumischen. War ja eh klar. Spannend schildert die Autorin, wie die Köchin versucht herauszufinden, wer diesen Mord zu verantworten hat. Dabei bringt sie sich selbst nicht nur einmal in Lebensgefahr. Tja, und dann wird sie auch noch zur Hauptverdächtigen.

"Wo waren Sie zur Tatzeit?"

"Wenn Sie mir verrat´n, wann die Tatzeit war, könnt ich Ihnan vielleicht Auskunft geben", würg ich raus. Er meint wohl, dass ich komplett deppert bin und auf den ältesten Kriminalertrick der Welt reinfall.

"Sagen Sie mir einfach, wo Sie zwischen dreiundzwanzig und ein Uhr gestern Nacht waren."

"Dahaam in meinem Bett, wo sonst! Wo sind Sie denn normalerweise mitten in der Nacht, Herr Hauptkommissar?", gift ich.

"Gibt es dafür Zeugen?"

Ich schüttel den Kopf. "Naa, … im Bett brauch ich normalerweis kaa Publikum. Aber hätt ich gewusst, dass Sie sich für mich und mein Bett interessier´n, hätt ich mir natürlich einen strammen Bauernburschen hineingelegt."

Auszug aus dem Buch 'Meuchelmord und Mandelkracher' von Birgit Ringlein

Beilage: Viel fränkische Mundart. Die Dotterweich könnte mit dem Eberhofer von Rita Falk verwandt sein. Sie schimpft und grantelt ähnlich wie er – nur eben auf Fränkisch. Und Humor hat sie. Wenn auch einen ganz speziellen, über den vielleicht nicht jeder lachen kann. Zur Feindin haben will man die Köchin auf gar keinen Fall. Dann ergeht es einem so wie dem Schlossverwalter Biergärtner, der es sich mit seiner Sauferei und seiner mäkeligen Art bei der Dora so richtig verscherzt hat.

"'Der Herr Biergärtner lässt ausrichten, die Soß wär kalt und du sollst sie aufwärmen, Dora.' Einen Moment lang überleg ich, ob ich hier und jetzt einen Anfall kriegen soll, aber dann schnapp ich mir den Teller und geh hinüber zum Spülstein. (…) Des Spülwasser is noch kochend heiß. Großzügig geb ich einen Löffel voll davon über die Soß vom Bierdümpfel, rühr es gut unter und drück dem Alex den Teller wieder in die Hand. 'So, jetzt is die Soß heiß genug.' Ich grins übers ganze Gesicht, und auch die anderen biegen sich vor Lachen. Geschieht ihm gscheit recht, dem Bierdümpfel. Immer hat er was zu goschen, nie passt ihm des, was ich koch."

Auszug aus dem Buch 'Meuchelmord und Mandelkracher' von Birgit Ringlein

Nachspeise: Die Rezepte. Nach jedem Kapitel – sie alle handeln vom Auf und Ab der Ermittlungen, den großen und kleinen Streitereien in der Küche und dem jeweiligen Befinden der temperamentvollen Köchin – folgen die Rezepte der Speisen, die sie gerade zubereitet hat. Das reicht von Trüffelomelette über Sauerbraten und Winzersuppe hin zu Bauchstecherla und natürlich: Mandelkrachern, dem Lieblingsgebäck eines Ermittlers der Kripo.

Fazit: Ja, streckenweise war das Buch von Birgit Ringlein wirklich ein Genuss. Es ist eine schöne leichte Sommerlektüre. Wenn die Sonne dann grad nicht so scheint, könnte man ja das ein oder andere Rezept auch mal ausprobieren. Ich freu mich auf den dritten Band über die freche Köchin. Der könnte dann heißen: "Gruselei und Gerupfter" oder "Pistolen und Presssack".


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