Report München


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Winzer in Not Kein Umsatz, keine Gäste und trübe Aussichten

Während der Weinverkauf im Supermarkt derzeit steigt, leiden viele kleine und mittelständische Winzerbetriebe stark unter der Corona-Krise. Einen großer Teil des Umsatzes erzielen sie durch den Weintourismus, der nun entfällt. Besonders angespannt ist die Situation an der Mosel: Dort können die steilen Weinberge häufig nur per Handarbeit bewirtschaftet werden. Doch die Saisonarbeiter aus dem Ausland fehlen.

Von: Benedikt Nabben

Stand: 21.04.2020

Unterwegs im Bremmer Calmont. Diese Weinberge an der Mosel zählen zu den steilsten der Welt. Michael Oster ist Winzer in der 15. Generation. Wegen Corona kämpft er nun darum, nicht die letzte Generation zu sein:

"Das ist nicht so, wie in den Flachlagen, wo man sehr viel mit Maschinen arbeiten kann, sondern hier ist Handarbeit gefragt. Und da die Mitarbeiter aus Polen oder der Ukraine herzubekommen, wird derzeit schwer."

Michael Oster, Winzer

Weinberge an der Mosel

Keine Mitarbeiter für die Arbeit im Weinberg: Nur eine der derzeitigen Herausforderungen für die Winzer.

Sebastian Oberbillig ist Winzer in der Römerstadt Trier. Vor einem Jahr hat er den Betrieb von seinem Vater übernommen und gerade in einen neuen Traktor und Weinberg investiert. Dann kam das Virus und damit die Probleme:

"Die Weinberge pausieren nicht, das heißt die Natur wächst und gedeiht. Wir können auch keine Kurzarbeit anmelden, weil wir unsere Weinberge bestellen müssen. All das kostet Geld und da ist eben die Gefahr, dass man das irgendwann nicht mehr bezahlt bekommt."

Sebastian Oberbillig, Winzer

Keine Gäste, keine Einnahmen

Über 1.000 Winzer an der Mosel haben sich auf Weintourismus spezialisiert. Sie alle erleben nun das Gleiche: Keine Gäste - Keine Einnahmen. Und das, wo normalerweise über zweieinhalb Millionen Übernachtungsgäste pro Jahr an die Mosel kommen.

Die ganze Familie von Michael Oster arbeitet daran, dass der Betrieb trotz Krise weiterläuft. Heute steht ein Videodreh im Weinberg an. Winzer Michael Oster vor der Kamera, sein Bruder filmt.

"Der Kontakt zu unseren Kunden ist sehr wichtig. Da wir das vor Ort nicht machen können, versuchen wir über die sozialen Medien unsere Kunden zu erreichen."

Michael Oster, Winzer

Das fertige Video soll Teil ihrer ersten Online-Weinprobe werden. Auch Sebastian Oberbillig setzt nun verstärkt auf den Online-Handel. Gemeinsam mit seinem Vater packt er sogar am Wochenende Weinkisten für den Versand.

"Also der Onlinehandel ist schon sehr wichtig geworden. Leider gleicht das nicht den Handel und Export aus."

Sebastian Oberbillig, Winzer

Der Verlust wächst jeden Tag.

"Momentan schätze ich mal so 30 bis 40, 40 bis 50 Prozent. So genau will ich das gar nicht wissen. Aber scheinbar gibt es ja ein paar Lockerungen bei der Gastronomie, dann wird es auch wieder aufwärts gehen."

Sebastian Oberbillig, Winzer

80 Prozent Umsatzeinbruch

Michael Oster ist nicht so optimistisch. In Sankt Aldegund liegt eine seiner fünf Vinotheken. Sie alle sind auf unbestimmte Zeit geschlossen.

"Ich denke mal, wir können noch ein zwei Monate überleben mit Krediten. Aber danach ist das natürlich kritisch, sehr kritisch. Muss man wirklich sagen."

Michael Oster, Winzer

Normalerweise verkauft Michael Oster 250.000 Flaschen Wein im Jahr. Jetzt ist sein Umsatz um 80 Prozent eingebrochen.

Die Produktion aber geht weiter. Seinen neuesten Weißwein hat er "Stille Helden" getauft - als Dank an alle Helfer in der Krise. Eine Geste der Moselwinzer, die selbst gerade ums wirtschaftliche Überleben kämpfen.

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