Report München


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Im Netz geheimer Mächte Verschwörungstheorien und ihre Verbreitung in den Sozialen Medien

In dieser Woche vor 50 Jahren ist Neil Armstrong auf dem Mond gelandet – aber ist er das wirklich? Bis heute halten sich die Zweifel, dass die Mondlandung eigentlich nur von den USA und den Geheimdiensten inszeniert wurde. Solche Verschwörungstheorien verbreiten sich heute noch wesentlich leichter, über Soziale Medien.

Von: Ralf Fischer, Fabian Mader

Stand: 16.07.2019

Der Moment, in dem die Welt den Atem anhält. „That's one small step for [a] man, one giant leap for mankind.” Mondlandungsbilder. Neil Amstrong,und Buzz Aldrin auf dem Mond.

Aber schnell kommen Zweifel auf. Die Schatten – stammen sie von Filmscheinwerfern? Die Fahne, bewegt sie sich im luftleeren Raum? Die These: Die US-Regierung und die Geheidienste haben alles nur inszeniert. Die Psychologin Pia Lamberty hält solche Theorien für gefährlich.

"Wir konnten in Studien zeigen, dass, wenn ich Menschen eine Verschwörungstheorie zu lesen gebe, dass sie sich danach von der Gesellschaft stärker entfernt fühlen, und wenn wir jetzt überlegen: Ich fühle mich von der Gesellschaft stärker entfernt, ich vertraue ihr weniger, dann hat man so eine Abwärtsspirale, die da durchaus stattfinden kann."

Pia Lamberty, Universität Mainz

Verschwörungstheorien verbreiten sich schneller als je zuvor

Im Internet verbreiten sich Verschwörungstheorien heute schneller als je zuvor. Die Anhänger glauben, die eigentliche Wahrheit erkannt zu haben – die eine verborgene Macht verschleiert. Laut einer aktuellen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung glauben 46% der Deutschen, dass geheime Organisationen großen Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen.  Für rund 33 % sind Politiker nur Marionetten dahinterstehender Mächte.

"In der Welt von Menschen mit einer stark ausgeprägten Verschwörungsideologie gibt es entweder die Bösen, die die Strippen ziehen im Geheimen, oder es gibt die sogenannten Schlafschafe, also die, die allem hinterherrennen, und alles glauben. Und sie selber erhöhen sich auch durch diesen Glauben, in dem sie, halt, als einzige wissen, was wirklich passiert."

Pia Lamberty, Universität Mainz

Bernd Harder hat eine Mission. Er will Schüler davor bewahren, in den Sog von Verschwörungstheorien zu geraten – vor allem auf sozialen Medien sind sie ihnen ausgeliefert.

"Jetzt ist halt Ariana Grande, die angeblich die Illuminatenprinzessin ist."

Bernd Harder, Experte für Verschwörungstheorien

Das erkennt man an irgendwelchen Symbolen in diesem Video. Die gesamte Popindustrie werde angeblich von Illuminaten kontrolliert.

"Es geht immer darum, Angst zu machen, alle Verschwörungstheoretiker wollen euch Angst machen."

Bernd Harder, Experte für Verschwörungstheorien

Einige hier sind von Verschwörungstheorien aber fasziniert. Besonders zum Anschlag auf das World Trade Center.

"Ich glaube, dass 9/11 ein Inside-Job war,  ich glaube zwar nicht, dass es gesprengt wurde, ich glaube aber schon, dass das organisiert war, vor allen Dingen, weil wichtige Leute, die an dem Tag hätten da sein sollen, auf einmal nicht da waren."

Schülerin

"Die Sachen, die ich jetzt angesehen habe, waren schon sehr interessant. Da fragt man sich schon so: Könnte das nicht sein?"

Schülerin

"Und auch bei manchen Popstars, glaube ich schon, dass da Verschwörungstheorien dahinter stecken."

Schülerin

"Ich hoffe, dass die Leute einfach sehen, dass man nichts, was man irgendwo im Internet sieht und findet, einfach so unbesehen glauben soll. Ins Internet kann jeder einstellen, was er will, das ist völlig unkontrolliert, jeder kann dort behaupten, was er will."

Bernd Harder, Experte für Verschwörungstheorien

"Eine unmenschliche Ideologie“

Oliver Riek wäre diese Straße vor einigen Jahren nicht entlang gelaufen. Der Hamburger war Mitglied einer rechtsextremen Burschenschaft und war überzeugt, Ausländer würden Deutschland bedrohen – und die Juden die Fäden im Hintergrund ziehen.

"Man hat dann auch so gesagt, dass ist der Jude, der Deutschland weiterhin knechten möchte. Und weil wir das erkannt haben, waren wir natürlich die Starken, und die Guten, und haben davon geträumt, das irgendwann auch: Also Deutschland wieder groß zu machen."

Oliver Riek, Aussteiger aus der rechtsextremen Szene

Zeitungen, Fernsehen, Politik – alles werde angeblich von Juden kontrolliert, die das deutsche Volk klein halten. Er braucht Jahre, um sich von solchen Gedanken zu lösen. 

"Ich muss das halt so sagen, weil das ebenso gewesen ist. Weil das früher so die Denkweise war, die man hatte. Aber das ist abartig."

Oliver Riek, Aussteiger aus der rechtsextremen Szene

report München: „Warum war dir das nicht klar? Wie gerät man da rein, warum bleibt man drin?“

"Es findet eine Art Dehumanisierung statt. Also das ethische Wertegefühl, was man irgendwie von zuhause aus mitbekommen hat, geht mit der Zeit verloren. Man entmenschlicht mehr und mehr, weil es eine unmenschliche Ideologie ist."

Oliver Riek, Aussteiger aus der rechtsextremen Szene

Ein neuer Star der Szene: QAnon. Angeblich ein Insider aus dem Weißen Haus. In kurzen Botschaften versorgt er seine Anhänger mit geheimen Hinweisen. Die Clintons und Hollywoodschauspieler sollen angeblich einen Kinderhändlerring betreiben. Im Hintergrund ziehe eine Bankermafia die Fäden. Sie soll Medien und Staat kontrollieren. Donald Trump gilt Q-Anhängern dagegen als der Erlöser – was sie bei seinen Reden in den USA auch offen zeigen. Das Besondere: Q ruft seine Anhänger auf, die Verschwörung zu bekämpfen. Sie werden so Teil des Ganzen.

Legitimation für terroristische Anschläge?

"Wir sehen, ja. dass Verschwörungstheorien als Legitimation für terroristische Anschläge genutzt werden. Das ist kein neues Phänomen. Das gab‘s schon im Mittelalter. Aber das zeigt die Gefahr, die davon ausgeht, und dass es nichts ist, was irgendwie harmlos ist oder das man belächeln sollte, sondern man muss das ernst nehmen, dass diese Diskurse durchaus Gewalt legitimieren können."

Pia Lamberty, Universität Mainz

Q-Anon verbreitet sich zunehmend auch in Deutschland. Etwa vor 10 Tagen bei einer Demonstration vor dem Kanzleramt: Eindeutig QAnon-Fans. Ein Interview geben sie uns nicht. Nur wenige Meter entfernt, vor dem Reichstag, eine Demonstration der Gelbwesten Berlin. Auch hier kommen wir mit der Kamera nicht weit.

"ARD bekommt hier kein Interview. Der Gleichschaltungssender ARD darf seine braunen Taschen nehmen und seine braunen Kameras und sich hier verpissen. Dankeschön."

Demonstrant

Ein Anhänger einer anderen Bewegung spricht mit uns. Wie wohlwollend sieht er Q-Anon?

"Wir sehen in all diesen Aktionen Menschen, die dahinterstehen und was verändern wollen in diesem Land. Was die etablierten Medien einfach nicht zulassen wollen, weil durch solche Fragen, wie ihre zum Beispiel, dann einfach die Informationen verfälscht werden."

Besucher

Für alle angeblichen Fehler der Mondlandung gibt es eine physikalische Erklärung. Dennoch meinen auch heute noch viele, dass sie nie stattgefunden hat. Wer erstmal fest an eine Verschwörungstheorie glaubt, ist mit rationalen Argumenten nur noch schwer zu erreichen. 


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