Report München


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Umfrage zur GroKo-Sondierung Schlechte Noten für SPD von eigenen Anhängern

Die SPD quält sich vor dem Sonderparteitag am kommenden Sonntag mit den Ergebnissen der GroKo-Sondierung. Auch in der Bevölkerung gibt’s keine guten Noten: Martin Schulz gilt als führungsschwach, die SPD konnte sich in der Flüchtlings- und Gesundheitspolitik nicht durchsetzen. Dies ergibt eine repräsentative Umfrage von infratest dimap für das ARD-Politmagazin report München.

Von: Andreas Bachmann, Stephan Keicher

Stand: 16.01.2018

So sehen die Bundesbürger mit Blick auf die Sondierungsergebnisse die Unionsparteien klar im Vorteil:

Die Hälfte der Wahlberechtigten (55 Prozent) ist der Ansicht, dass sich CDU (38 Prozent) bzw. CSU (17 Prozent) bei den Sondierungen am meisten durchgesetzt haben, 15 Prozent sehen alles in allem die SPD im Vorteil.

Die SPD-Anhänger selbst machen den Verhandlungserfolg ebenfalls eher auf  Seiten von CDU bzw. CSU (53 Prozent) aus. Nur jeder fünfte SPD-Anhänger (19 Prozent) vertritt die Meinung, die eigene Partei habe sich in den Sondierungsgesprächen am stärksten durchgesetzt.

Bewertung der drei Verhandlungsführer: CDU-Vorsitzende hinterlässt bestes Bild

Von den drei Verhandlungsführern bei den Sondierungsgesprächen – Merkel, Seehofer und Schulz – hinterlässt die CDU-Vorsitzende mit Abstand das beste Bild bei den Wahlberechtigten: Angela Merkel wird von den Bundesbürgern jeweils mehrheitlich sowohl Führungsstärke (77:22 Prozent) als auch Glaubwürdigkeit attestiert (59:38 Prozent). Zugleich bestehen bei zwei Dritteln der Bundesbürger (67 Prozent) kaum Zweifel, dass die CDU-Vorsitzende ihre eigene Partei momentan hinter sich hat.

Die parteiinterne Kritik in Teilen der SPD an den Sondierungsergebnissen schlägt in der Wahrnehmung des SPD-Bundesvorsitzenden dagegen deutlich negativ zu Buche: Martin Schulz gilt derzeit nur bei drei von zehn Wahlberechtigten (28 : 66 Prozent) als führungsstark. Bei lediglich einem Drittel (34 : 59 Prozent) besteht zudem der Eindruck, der SPD-Bundesvorsitzende habe seine Partei hinter sich. Glaubwürdigkeit bescheinigen ihm 41 Prozent der Bundesbürger, 52 Prozent dagegen nicht.

Ambivalent fällt das Meinungsbild zu Horst Seehofer aus. Unter den Bundesbürgern überwiegt der Eindruck eines führungsstarken Politikers (57 : 37 Prozent). Hinsichtlich seines Rückhalts in der eigenen Partei gehen die Urteile der Bundesbürger allerdings sichtbar auseinander (47 : 49 Prozent). Ähnlich wie bei Martin Schulz sehen nur vier von zehn in ihm einen glaubwürdigen Politiker (38 : 56 Prozent).

SPD-Verhandlungserfolge: am ehesten in der Europapolitik, nicht aber in Flüchtlings- und Gesundheitspolitik

Im Vergleich von SPD-Forderungen vor der Sondierung werden Verhandlungserfolgte am ehesten in der Europapolitik gesehen: 36 Prozent der Bundesbürger vertreten die Meinung, die SPD habe hier erfolgreich verhandelt, ebenso viele aber sind gegenteiliger Meinung. In der Flüchtlingspolitik sieht nur  jeder vierte Wahlberechtigte (25 Prozent) ein erfolgreiches SPD-Verhandlungsergebnis, in der Gesundheitspolitik sogar nur jeder Fünfte (20 Prozent). Jeweils die Hälfte der Bundesbürger erkennen kein erfolgreiches SPD-Verhandlungsresultat.

Das Urteil der SPD-Anhänger fällt dagegen etwas positiver aus. In der Europapolitik überwiegt in den SPD-Reihen sogar die Sicht, erfolgreich verhandelt zu haben (50 : 34 Prozent). In der Gesundheits- (32 : 50 Prozent) und Flüchtlingspolitik (27: 58 Prozent) herrscht allerdings bei den SPD-Anhängern ebenfalls der Eindruck einer wenigen erfolgreichen Sondierung vor.

Bewertung des Positionswechsels und des weiteren SPD-Handelns

Das „Ja“ der SPD-Spitze zur Groko sehen sechs von zehn Bundesbürgern (59 Prozent) als Übernahme staatspolitischer Verantwortung.

Demgegenüber folgt ein Drittel (36 Prozent) den Kritikern, dass die Sozialdemokraten mit ihrem Positionswechsel „umgefallen“ seien.

Letztlich erwarten 69 Prozent der Bundesbürger, dass sich die SPD einer Großen Koalition nicht verweigert; auch 71 % der SPD-Anhänger gehen davon aus.

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl
Erhebungsverfahren: Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl: 1001 Befragte
Erhebungszeitraum: 12. bis 15. Januar 2018
Gewichtung: nach soziodemographischen Merkmalen
Fehlertoleranz: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte

Durchführendes Institut: Infratest dimap

* bei einem Anteilswert von fünf Prozent ** bei einem Anteilswert von 50 Prozent

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